Gefallene und Vermisste

aus der Gemeinde Briedel

 

Gefallen für Volk und Vaterland - 500 Jahre Kriegstote aus Briedel -

1. Weltkrieg 1914-1918 (Liste)
1. Weltkrieg 1914-1918 ( Totenzettel und Bilder)

2. Weltkrieg 1939-1945 (Liste)
2. Weltkrieg 1939-1945 (Totenzettel und Bilder)

Die Gefallenen-Gedenkkapelle

Die Pieta

 

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Ereignisse im März 1945

 

Teil 1: Auszug aus der Schulchronik Briedel
(im Jahre 1946 nachträglich niedergeschrieben anhand der Aufzeichnungen von Pastor Hebler)

Teil 2: Supplement von Albert Diederich

Teil 3: Auszug aus dem Archiv der amerikanischen 89. Infanteriedivision

 

02.03.1945:

Amerikaner sind in Trier eingerückt. Kell, Hermeskeil und wer von den Amerikanern erreicht!

06.03.1945:

Die Eifelbefestigungen sind von den Amerikanern durchbrochen. Die Amerikaner sind auf dem Weg zum Rhein. Kein nennenswerter Widerstand mehr.

09.03.1945:

Gerüchte gehen um und bestätigen sich: Wittlich und Koblenz ist von den Amerikanern besetzt. Der Rhein bei Remagen überschritten. Dort fiel den Amerikanern bei raschem Vorstoß eine feste Rheinbrücke unversehrt in die Hand. Sie bilden in laufendem Nachschub einen Brückenkopf. Hier konzentriert sich noch einmal die Kraft des Widerstands. Harte Wochen, lange Kämpfe entbrennen, verwüsten eine blühende Landschaft. Mehr und mehr erweitern die Amerikaner Ihren Brückenkopf, der Widerstand erlahmt. Am 23.3.1945 erfolgt der entscheidende Durchbruch.

12.03.1945:

Inzwischen rückt der Krieg näher und näher an Briedel heran. Laufend sind deutsche Truppen auf dem Rückzug durchgekommen. Auch rückten die letzten Sprengkommandos an. Vor der Schule wird eine kleine Brücke der Moseltalbahn gesprengt. Ob das den Krieg noch wenden sollte? Zu vielem Sinnlosen ein Sinnloses mehr! Eine ganz schwere Ladung zerstört die Brücke und richtet in der Umgebung große Verheerungen an. Besonders die Schule leidet schwer unter der Gewalt der Sprengung. Türen, Fenster und Teile der Wände sind eingestürzt, das Dach ist beschädigt. Eine 15 Zentner schwere Eisenbahnschiene wird über das hohe Schulhaus hinweg geschleudert und zertrümmert das Dach des Hauses Binninger im Gestade. Am Gestade sieht es aus, als hätte ein Bombenangriff dort Verwüstungen angerichtet.

13.03.1945:

In der Nacht zum 13.3. ( Montag auf Dienstag) setzt Artilleriebeschuß auf Briedel ein. Die amerikanischen Batterien sollen auf dem Reiler Hals und auf Montroyal stehen. Die Beschießung dauert von 1.20 Uhr bis 5.30 Uhr. Es sind schlimme Stunden für das Dorf. Schwere Schäden entstehen besonders im Oberdorf.
Eine Reihe von Häusern wird ernstlich getroffen. Eine Frau (Frau Willi Stölben, Gertrud geb. Reis) kommt ums Leben. Sie will in dem Beschuß vom Haus in den Keller laufen, dabei trifft ein Splitter sie tödlich! - Angst und Schrecken sind ins Dorf gekehrt. Man lebt angstvoll vor dem kommenden Tag, vor der kommenden Nacht.

14.03.1945:

Um 2.30 Uhr setzt wieder Beschießung ein, heftiger noch als in der vergangenen Nacht. Die Einschläge liegen vor allem im Mitteldorf. Viele Häuser werden schwer getroffen. Bis zum Mittag dauert der Beschuss. Dann erst trauen sich die Leute aus den Kellern und Stollen. Schwere Schäden bieten sich Ihren Augen, 4 Tote werden geborgen: Frau Johanna Rees geb. Gibbert, eine über 70 Jahre alte Frau liegt unter den Trümmern Ihres Hauses begraben. Ein evakuierter Mann aus Trier ist durch Granatsplitter getötet; dazu haben zwei deutsche Soldaten den Tod gefunden.
Das Dorf Briedel ist ein Bild der Verwüstung: Trümmer, Dreck, Scherben, wirre Drähte ein Bild aus der Front! Auch die Kirche ist durch drei Granateinschläge beschädigt.

15.03.1945:

Dauerndes Artilleriefeuer, aber keine direkte Beschießung des Dorfes. Der Amerikaner schickt Nebelgranaten ins Moseltal. Nun wird bald das Ende kommen. Wie wird es sein?

16.03.1945:

Im alten Buch der Geschichte des Dorfes Briedel wird heute ein Blatt gewendet und ein neues geschrieben.
Morgens um 7 Uhr sind plötzlich die Amerikaner im Dorf. Unter heftigen Gewehrgeknatter nehmen sie den Ort ohne Widerstand. Die angstvollen Einwohner haben sich in Keller und Stollen geflüchtet. Nun müssen sie alle heraus. Alle Männer müssen mit erhobenen Händen zu einem Sammelplatz vor dem Dorf. Dabei sind sie gezwungen, deutschen Maschinengewehrfeuer zu durchlaufen. Zwei Männer werden verwundet: Wilhelm Jos. Goldschmidt, der in der folgenden Nacht starb und Heinz Schneiders.
Ehemalige Angehörige der deutschen Wehrmacht werden unter den versammelten Männern herausgesucht und in Gefangenschaft geführt. Für manchen wird es ein Weg in eine bittere, schwere Zeit. Die anderen Männer durften nachmittags in Ihre Häuser zurück.
Manche Familie muß plötzlich Ihr Haus verlassen, das von der amerikanischen Kampftruppe belegt wird. Die Leute sind streng an Ihre Wohnung gebunden. Nur morgens von 7 - 8 Uhr und nachmittags von 5 - 6 Uhr darf die Straße betreten werden.

17.03.1945:

Morgens setzt eine wilde Schießerei um die Kirche herum ein. Man vermutet im Kirchturm noch deutsche Soldaten! In der Kirche entstehen erhebliche Schäden. Auf und im Kirchturm wurde kein Soldat festgestellt.
Die Ausgangsbeschränkung ist sehr schwer für die Bevölkerung. In 2 knappen Stunden müssen sie all Ihre Besorgungen draußen erledigen. Die gesamte Nationalsozialistische Gesetzgebung wird durch Verfügung aufgehoben.
Photoapparate, Ferngläser und alle Waffen müssen abgeliefert werden. Das Artilleriefeuer ist nur mehr in der Ferne zu hören. Überfliegende Bombenverbände schrecken die Bevölkerung nicht mehr.

18.03.1945:

Sonntag - Passionssonntag, Ausgehzeh von 7 - 9 Uhr. Im Dorf herrschte Stille. Kaum traut sich jemand auf die Straße. Kein amerikanischer Soldat ist mehr im Dorf. Die Ausgangsbeschränkung bleibt bestehen. Erst am 24.03.1945 wird sie von morgens 7 bis 6 Uhr abends festgesetzt.
Die Bevölkerung findet sich allmählich mit den neu gegebenen Verhältnissen ab. Nach all den Schmerzen des Krieges ist dies nicht so schwer. Manches hat sich gewandelt. Was früher angebetet wurde, nun verbrannt. Die vorher groß waren sind nun ganz klein geworden. Manchen sind die Augen aufgegangen und es hat den wahren Wert dessen erkannt, dem er nachlief.
Noch ist der Nationalsozialismus an der Macht. Mit allen Mitteln suchen die Verantwortlichen den Krieg zu verlängern, um damit Ihre eigene Frist zu verlängern.

08.05.1945:

Der Krieg ist zu Ende. In raschem Vorstoß an allen Fronten haben die Vereinten Nationen den letzten deutschen Widerstand gebrochen. Die großen politischen Führer des deutschen Volkes sind verschwunden; Selbstmord, Flucht oder Verhaftung. Das Volk bleibt und trägt alles ! - Dies ist ein militärische und politische Niederlage, wie es wohl größer nie eine gab, umso bitterer, da uns der größte Sieg immer wieder in sichere Aussicht gestellt war:
Deutschland ist ohne zentrale Regierung, in 4 Besatzungszonen aufgeteilt, die von amerikanischen, englischen, russischen und französischen Truppen besetzt sind. Unsere Gegend gehört vorerst zur amerikanischen Besatzungszone. Die Emährungslage wird sehr schwierig. Die Besatzungszonen sind wirtschaftlich auf sich selbst gestellt. Kleinste Gebiete bilden Wirtschaftseinheiten. Der Ausgleich zwischen Über- und Unterschussgebieten fehlt. Die Ablieferungspflicht für Getreide, Kartoffel, Milch bleibt bestehen. Die abgelieferten Mengen sinken dauernd. Egoismus macht sich breit. Mangelware wird als begehrtes Tauschobjekt verwandt. Auf dem Geldmarkt herrschen Unsicherheit und wenig Vertrauen. Produktion und wirtschaftlicher Wetteifer fehlen.
Viele Evakuierte nehmen den Weg in Ihre Heimat zurück. Elendsbilder auf der Landstraße!
Die Jugend ist immer noch ohne Schule.
Postverkehr ist noch nicht wieder eröffnet.
In vielen Familien ist bange Sorge um abwesende Soldaten, Kriegsgefangene und andere Familienmitglieder.

 

 

Supplement zu den Ereignissen des Jahres 1945

 

Folgende Briedeler Zeitzeugen erzählten von diesen Ereignissen:
1. Maria Diederich
2. Albert Diederich Senior
3. Reis Edmund
4. Hubertus Kroth
5. Josef Bremm
6. Albert Diederich Junior, (der am 25.5.1945 als erster Brieleler aus amerikanischer Gefangenschaft nach Hause kam und diesen Bericht im Jahre 2001 aus der Erinnerung heraus verfaßte)
.
Als die Amerikaner das Oberdorf herunter kamen, lief ein französischer Kriegsgefangener, der sich eine Kokarde angesteckt hatte, mit Freudenrufen auf sie zu. Nicht lange danach eilte er mit lautem Geschimpfe davon, weil ihm die Amerikaner kräftig in den Hintern getreten hatten.

Eine Jüdin, die lange von einer Briedeler Frau versteckt worden war, wurde durch den Einmarsch der Amerikaner befreit.

Die Briedeler Volkssturmkompanie unter dem Befehl des ehemaligen kaiserlichen Oberfeldwebels Arenhard, der Spieß Fischer und vier Zugführer traten nicht in Erscheinung.

Zwei SS-Männer, die im Hotel Göres übernachtet hatten und auf einem Motorrad flüchten wollten, wurden von den Amerikanern erschossen.

Die älteren Männer und die jungen Burschen wurden nach dem Brerdelbach gejagt. Dabei mußten sie durch das Maschinengewehrfeuer der zurückweichenden deutschen Soldaten laufen. Wilhelm Josef Goldschmidt wurde dabei so schwer verweundet, das er in der Nacht darauf starb. Auch Heinz Schneiders wurde schwer getroffen. Zwei weitere davon, Edmund Reis, der noch einen Arm im Gips hatte, und Karl Engel, mußten auf den Reiler Wald laufen, wo sie sich mit deutschen Kriegsgefangenen vor die Amerikaner als Kugelfang hinknien mußten.

Eine amerikanische Kompanie, welche die Bergstraße hochging und sich in den Fronwiesen entfaltete, geriet in das Feuer deutscher Soldaten, die aus dem Wald heraus schössen, so daß 22 amerikanische Soldaten ausfielen. Wutentbrannt kam die Kompanie wieder nach Briedel zurück und drohte, das Dorf anzuzünden. Wären nicht besonnene Männer unter ihnen gewesen, wäre Briedel in Flammen aufgegangen.

Die Bergkappelle, auch "Sündehäuschen" genannt, wurde durch die Ermordung eines deutschen Soldaten entweiht. Das Opfer, das man an den Beinen gefesselt vorfand, wurde auf dem Briedeler Friedhof bestattet.

Ein böses Spiel wurde mit drei jungen Briedeler Soldaten, welche aus dem Lazarett entlassen waren, getrieben; sie mußten sich aufstellen, so als ob man sie erschießen wollte. Beim Abschuß ihrer Gewehre rissen die Amerikaner sie nach oben und feuerten in die Ferne.

Weit schlimmer erging es vier deutschen Soldaten, die an dem Haus von Josef Brenan in Richtung Zell vorbeigefahren und kurze Zeit später tot zurückgebracht wurden.

Später gingen Amerikaner wie die Wilden mit dem Briedeler Gemeindearchiv um, das sie bei der Suche nach Naziunterlagen auf den Schulhof warfen.

Im August kamen die Franzosen, die uns von unserem Gemüse, Kartoffeln, Wein und unseren Kälbern befreiten. Etliche Männer, welche nichts verbrochen hatten, wurden in ihr Konzentrationslager nach Diez geschleppt, wo man sie halb verhungern ließ. Außerdem gab es unnötige Ausgangssperren.

Briedel, den 3.1.2001
(Albert Diederich)

 

Originalabdruck aus dem Archiv der 89. amerikanischen Infanteriedivision, die Briedel am 16.März 1945 eroberte (befreite).

batallionsberich89

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Die preußische Zeit in Briedel

Schwerpunkt: die Moselweinkrise ca 1830-1850

Hermann Thur, (c) 2012

 

Briedel war als kurtrierisches Gebiet schon vor der Franzosenzeit (1794 - 1814) in einem „größeren" Staatengebilde eingebunden. Im Gegensatz dazu bekamen die rund 100 kleineren Herrschaften links des Rheines erst durch die Besatzung und Eingliederung in den französischen Staat in den Genuss eines einheitlichen Rechts- und Steuersystems. Auch die vielen unterschiedlichen Maße und Gewichte sowie die Währung wurden für diese erstmals vereinheitlicht und ermöglichten so ein Aufblühen von Handel und Gewerbe, weil die vielen unterschiedlichen Einfuhr-, Ausfuhr- und Durchleitungszölle durch die vielen Kleinststaatengrenzen entfielen.

So kurz die französische Zeit auch war, so sehr hat sie doch die Lage im Weinbau verändert. Entfeudalisierung, Säkularisation und eine günstige Konjunktur verbesserten ohne Zweifel die Lage der meisten Winzer. Der gewachsene Wohlstand hatte jedoch manche Ähnlichkeit mit einer Scheinblüte, denn neben dem Zinsendienst für für die aufgenommenen Kapitalien lastete eine hohe Grundsteuer auf den Weinbergen und die Preisentwicklung war nicht allein von natürlichen Einflüssen, sondern auch von administrativen Maßnahmen abhängig. Die Moselwinzer sollten dies in der einen wie in der anderen Weise nur zu bald erfahren.
(Quelle: Annette Winter-Tarweinen, Weinbaukrise und preußischer Staat)

Im Wiener Kongress wurden die linksrheinischen, bis dato „französischen Gebiete" Preußen zugeschlagen. Der Versuch Österreichs und Bayerns, mit der Rücknahme der Pfalz ab dem 30.4.1814 auch Teile der ehemaligen Erzbistümer Mainz und Trier bis an die Mosel zu annektieren, schlugen damit fehl und Briedel war ab dem 5.4.1815 preußisch.

Die extremen Unterschiede in Kultur, Wirtschaft, Religion, politischer Entwicklung, aber besonders im Rechts- und Steuerwesen zwischen den westlichen Landesteilen gegenüber den alten östlichen Teilen des nun viel größeren Preußens machte es den neuen Herren nicht leicht, die Bevölkerung zu überzeugen.

Wenn die Rheinlande nun auch sozusagen das einzige Weinbaugebiet Preußens waren, so war es doch nicht so einfach möglich, die östlichen Landesteile als Absatzgebiet für die Moselweine zu erschließen, um damit einen Ersatz für die weggefallenen westlichen Länder Frankreich und Niederlande zu bekommen. In den zwischen den beiden Landesteilen liegenden anderen "ausländischen" Gebieten (z.B. Hannover, Kurhessen etc.) waren hohe Durchleitungszölle fällig und auch die fehlende Infrastruktur (Straßen, Eisenbahn, Schiff) behinderte und verteuerte den Weintransport von West nach Ost massiv.

Die rheinländischen Weine wurden, wie auch die französischen und ungarischen Weine, im alten Preußen als ausländische Erzeugnisse angesehen und entsprechend mit einer hohen Weinsteuer als Luxusgut besteuert. Erst 1818 fielen die Zollgrenzen innerhalb Preußens und die Moselweine fanden ein aufnahmefähiges Absatzgebiet. Eine weiterhin hohe Abgabe für einheimische Weine und die extreme Erhöhung der Einfuhrzölle für ausländische Weine diente nicht, wie vielfach angenommen, der Förderung des rheinischen Weinbaus, sondern war ausschließlich zur Erhöhung der Staatseinnahmen vorgesehen, wenngleich sich der Belastungsunterschied beim Absatz bemerkbar machte. Fast ein Viertel der preußischen Einnahmen aus Verbrauchssteuern kamen 1819 aus Wein- und Alkoholsteuern. Für viele Jahre jedoch haftete dem rheinländischen Wein noch ein Makel an, sodass trotz der höheren Zölle und Verbrauchssteuern der Anteil französischer Weine in Preußen auf einem hohen Level verblieb.

Einen besseren Absatzmarkt boten sich daher in England, Holland und Belgien sowie in dem auch preußisch gewordenen Westfalen. Das niederländische Zollgesetz von 1826 verteuerte später jedoch die Durchleitung von Weinen nach England und für den Seeweg zu den ostdeutschen Häfen beträchtlich.

Exzellente Jahrgänge um 1820 bescherten den Winzern ungewohnt hohe Weinpreise. Dieses spornte die Investitionsfähigkeit an und die Weinbauflächen wurden teilweise stark ausgedehnt und die Weinbauern stockten, finanziert durch günstige Kredite, ihre Betriebe auf.

Der preußische Staat stand durch die Niederlage gegen Napoleon und durch die enormen Kosten der Befreiungskriege praktisch vor dem Bankrott. Dazu kamen die Schwierigkeiten, die gänzlich verschiedenen Steuersysteme und Kulturen der beiden Landesteile zu vereinheitlichen. Und eine Anpassung geschieht - wie auch heute noch - am einfachsten, wenn man die niedrigen Sätze aus beiden Regionen den jeweils höheren angleicht.

Zum Zwecke der Grundsteuerberechnung wurden 1820 in einem Hauruckverfahren - berechnet auf den hohen Weinpreisen der guten Jahrgänge 1818 und 1819 - die Weinberge in 6 Klassen eingeteilt, wobei oftmals ganze Gemarkungen einheitlich eingestuft wurden. Das Grundsteueraufkommen verdoppelte sich dadurch nahezu.

Eine Einkommensteuer im heutigen Sinn gab es noch nicht und so wurde mit Einführung der Klassensteuer sozusagen eine Pauschal-Einkommensteuer neben die bestehen bleibenden flächengebundenen Abgaben eingeführt.

Einige Mitglieder der preußischen Steuerkommission hielten es damals für eine unüberwindliche Schwierigkeit, das wahre Einkommen der Bürger zu ermitteln; dies könne man nur durch ein gehässiges Vorgehen, d.h. ein zu tiefes Eindringen des Staates in die Verhältnisse des Bürgers, in Erfahrung bringen.
(Quelle: Denkschrift Hoffmanns, zit. In R.Grabower, S. 508ff.)

Mehrere schlechte Jahrgänge in Folge, starker Preisverfall, Wegbrechen von Absatzgebieten, und die neuen höheren Steuern führten letztendlich 1827/1828 zu einer ersten rheinischen Weinbaukrise. Verstärkt wurde diese dann durch den 1828 gegründeten Zollverein mit Hessen und 1829 mit Württemberg und Bayern, wodurch große süddeutsche Weinbaugebiete zusätzlich auf den preußischen Markt drängten. Aus den Unterlagen zu den Verhandlungen über die Gründung des Zollvereins geht eindeutig hervor, dass Preußen keinerlei Rücksicht auf den Moselweinbau nahm, obwohl man die entstehenden wirtschaftlichen Problemen erwartete. Die Schaffung besserer Chancen für die aufstrebende preußische Industrie überlagerte den gesamtwirtschaftlich minimalen Anteil des Weinbaus. Hier hatte auch der politische Wille der Machtausdehnung zu einem gesamtdeutschen Verbund ohne Österreich unter preußischer Führung absolut Vorrang. Zwar brachten die staatlichen Behörden vom Landrat über den Regierungspräsidenten bis zum Oberpräsidenten der Rheinprovinz immer wieder die Not und die überbordende Besteuerung in Berlin vor, aber ein Anteil von 0,29 % an der Gesamtwirtschaftsleistung fand dort keinerlei Gehör. Im Gegensatz, immer wieder wurde versucht, das Weinsteueraufkommen durch Wechsel der Klassifizierungen und Erhöhung der Steuer- und Zollsätze weiter zu erhöhen.

Die schon von den Franzosen begonnene katastermäßige Erfassung aller Grundstücke wurde zum Zwecke der steuerlichen Bewertung 1832 mit Macht umgesetzt. Aus diesen Unterlagen haben wir heute noch einen recht guten Wissensstand über die seinerzeitigen Verhältnisse.

Der durchschnittliche Betrieb (Familienbetrieb) bewirtschaftete 1,5 bis 2 Morgen Weinberge. Dazu kamen bis zu 10 Morgen Wiesen und Ackerland zur Eigenversorgung.
Als Beispiel wird in einer Eingabe 1846 aufgeführt, dass ich eine 6-köpfige Familie von 5 Morgen Ackerland 3 Monate lang ernähren könne.

Als mittlere Winzerbetriebe (Weingüter) bezeichnete man Weingüter ab 5 Morgen. In anderen Listen wurden diese auch als = Notabeln, hochbesteuerte Winzer, bezeichnet. Ein weiteres Merkmal dieser Gruppe war, das sie Tagelöhner als Hilfskräfte beschäftigten.

Großbetriebe betrachtete man ab einer Weinbergsfläche von 50 Morgen. Betriebe dieser Größe waren sehr selten, sie waren meist aus spekulativem Ankauf der säkularisierten Klostergüter entstanden. Über sie wird geschrieben: „= sie bauten Mauern in die Weinberge, um den Bergen die geeignete Neigung zur Sonne zu geben und das Rückhalten der Feuchtigkeit und der Düngekräfte zu bewirken".

Die Qualität der Weine stieg mit der Betriebsgröße signifikant an, damit auch die Preise. Die größeren konnten selektiv die reifen Trauben lesen und konnten sich beim Verkauf zurückhalten, während die Kleinen aus arbeitswirtschaftlichen Zwängen recht früh alle Trauben am Stock lesen mussten. Eine hygienische Kelter- und Kellertechnik bedingte gleichfalls hohes Kapital und ausreichende Mengen an Lesegut. Auch mussten die Familienbetriebe recht bald ihren Wein an den Handel verkaufen, da die staatlichen Steuern früh fällig waren und ohne Rücksicht auf den Verkauf eingetrieben wurden. Die flächengebundene Besteuerung war vom wirklichen Ertrag losgelöst, wodurch schwache Erntejahre weiter über Gebühr belastet waren

1 Morgen (1/4 Hektar bzw. 2.500 qm) hatte etwa 2.500 - 3000 Weinstöcke. Darauf erntete der Moselwinzer im durchschnittlichen Jahr rund 9 1/3 Eimer (a 68,7 Liter), das entspricht ca 3/4 Fuder (zu ca 840 Liter) Wein.

Eine Familie konnte in normalen Jahren vom Ertrag von 1,5 Morgen Weinberg leben, wobei die Grundnahrungsmittel überwiegend auf dem eigenen Ackerland erzeugt wurden.
2 Morgen war auch etwa die Obergrenze, die eine Familie ohne Hilfskräfte (Tagelöhner) bebauen konnte.

Der Durchschnittserlös für ein Fuder Wein (einschließlich Fass) belief sich auf ca. 130 Tlr.
Im Spitzenjahr 1834 wurden bis zu 220 Tlr. gezahlt.
In den schlechten Jahren hingegen gab es nur 40-50 Tlr. und das noch bei fast der Hälfte der Menge. In der Folge wurden teils nur 18 Tlr. für ein Fuder Briedeler Wein bezahlt

Die Bebauungskosten werden je Morgen mit ca 26 Tlr. veranschlagt. Dazu kamen noch Steuern und Abgaben je Morgen von ca. 10 Tlr.

Zum Vergleich: Das Jahresgehalt einer Polizeidienerstelle belief sich auf 120 Tlr. Es entsprach damit ungefähr dem Einkommen einer Winzerfamilie in einem gut durchschnittlichen Jahr, ohne jedoch das Risiko des Einkommensausfalls in einem schlechten Jahr zu haben.

Man kalkulierte 1 gutes, 2 durchschnittliche und 2 schlechte Jahre pro Periode. Das bedeutete, das das eine gute Jahr Reserve für mindestens zwei schlechte Jahre einbringen musste.

Die Ackerflächen, insbesondere aber das von der Gemeinde verpachtete Schiffelland (Rottland) brachte die benötigten Grundnahrungsmittel ein. Der Lohn bzw. Erlös aus der Lohegewinnung bescherte vielen Familien die erforderlichen Barmittel, mit denen auch schwache Weinjahre überstanden werden konnten.

Die meisten Winzerbetriebe hatten eine Kuh und ein Schwein, wodurch der Milch, Fleisch- und Düngerbedarf gedeckt werden konnte.

Viele kleine Familien, ohne oder mit wenig Land, verdingten sich bei den größeren Betrieben als Tagelöhner. Oft ging der Vater in den Tagelohn arbeiten, während Frau und Kinder die eigenen Weinberge bebauten.

Die Großbetriebe wurden von der Weinkrise nur bedingt betroffen, die mittleren Güter waren in der Mehrzahl in der Lage, mehrere schlechte Jahre zu überstehen, während die Familienbetriebe extrem verarmten. Desweiteren fielen die Tagelöhner sozusagen ins Proletariat zurück, da ihre Arbeitgeber, die mittleren Betriebe, sie auch nicht mehr beschäftigen konnten. Da keine industriellen Arbeitsplätze in der Region vorhanden waren erreichte die Arbeitslosigkeit ungeahnte Höhen.

Nach den Steuerlisten waren ca 45 % der Familien Tagelöhner, 37 % waren Weinbau-Familienbetriebe, 4 % mittlere Weingüter und 14 % Handwerker.
(Detailliste noch erstellen)

Einige Versuche an der Mittelmosel, durch die Gründung von Winzergenossenschaften zumindest für die kleinen und Nebenerwerbswinzer eine solidere Basis zu schaffen, scheiterten. Erst um die folgende Jahrhundertwende hatten sich die Ansichten geändert und die Neugründen waren oft sehr erfolgreich.

Wie wir den Zeitungsanzeigen entnehmen, gab es nach 1830 jährlich eine stetig ansteigende Zahl von Zwangsversteigerungen. Zunächst von Wein, dann zunehmend von Weinbergen, Häusern, Vieh bis zum Hausrat. Oft wurde sogar das Ehebett für Steuerschulden gepfändet und versteigert.

Trotz der knappen finanziellen Lage war die Gemeinde Briedel 1832/34 in der Lage, für 5.625 Taler eine neue Schule zu bauen, da die alte (Alte Parf) weder räumlich noch bautechnisch die gewachsene Kinderschar aufnehmen konnte. Am Beispiel unseres Polizeidienergehaltes gerechnet, entspricht das heute etwa 2,5 Millionen Euro. Der in den Boomjahren in Angriff genommene Ausbau einer zentralen Wasserleitung anstelle der vielen Hausbrunnen (Pütz) und die Abwasserentsorgung wurden nach 1840 wieder nach angegangen, wobei die Arbeitsbeschaffung hier nun im Vordergrund stand.

1845/46 folgten dann noch Missernten bei Getreide und dem Hauptnahrungsmittel Kartoffeln. Die Gemeinde Briedel stellte den ärmeren Mitbürgern kostenlos Wiesenflächen in Ortsnähe zur Verfügung, die diese urbar machen und zum Anbau von Kartoffeln und Gemüse zur Abwendung des schlimmsten Hungers nutzen konnten.

Einige Gemeinden an der Mosel riefen den Notstand aus, da sie nicht mehr in der Lage waren, ihren Einwohnern ausreichende Lebensmittel bereitzustellen. Militärmagazine wurden geöffnet und die Lebensmittel verbilligt abgegeben. Viele Gemeinden verkauften Ihr Holz an die aufkommenden Hütten- und Industriebetriebe, um mit dem Geld Lebensmittel und Saatgut für Ihre Bürger zu kaufen. Eine Folge davon war, dass die bis dato übliche kostenlose oder preisgünstige Abgabe von Brenn- und Bauholz an die Bürger nicht mehr angeboten wurde und die Armen dann noch kalt saßen. Wie die Unterlagen der Amtsgerichte ausweisen, explodierte die Zahl der Bestrafungen wegen Holzfrevel geradezu.

Die Getreidepreise wurden durch Spekulanten weiter in die Höhe getrieben, was die Versorgung weiter erschwerte.

Hunger und schlechte Ernährung machten die Bevölkerung für Krankheiten anfällig. Es grassierte das „Nervenfieber", eine Krankheit, deren Ursache in Störung der Verdauung und Ernährung lag. Briedel wurde 1842 - 1844 von einer Tuberkuloseepedemie sowie einer Viehseuche heimgesucht, die viele Opfer forderten.

"Die Unverkäuflichkeit ihres Weines zwingt die Winzer, ihren Wein selbst zu trinken, um leere Fässer für die neue Ernte frei zu haben. Das führt zu einer starken Zunahme der Trunksucht mit allen negativen Folgen", schrieb der Bernkasteler Landrat 1837 in einer Bittschrift um staatliche Hilfe..

In der Trierer Zeitung wird von einem häufigen krätzartigen Hautausschlag berichtet, „den man dem übermäßigen Genuss des beinahe ganz werthlosen Weines zuschrieb".
(Treveris, 17.12.1836)

„Scharen von zerlumpten und ausgehungerten Menschen ziehen bettelnd durch den Bezirk", berichtete die Bernkasteler Zeitung.

Die Auswanderung nahm ab 1840 wieder rasant zu. Während in der ersten Welle um 1828 nur 3 Briedeler Familien mit 18 Personen ihre Heimat verließen, wanderten aus Briedel von 1845 bis 1855 sogar 36 Familien mit 180 Personen, überwiegend nach Brasilien, aus. Insgesamt verließen im 19. Jhdt. rund 600 Briedeler, das entsprach etwa einem Drittel der Bevölkerung, die hungernde und perspektivlose Heimat und hofften aus eine bessere Zukunft in der unbekannten Ferne. Berichte von Auswanderern zeigen uns heute noch eindrucksvoll, das die Auswanderung damals meistens aus blanker Not heraus angegangen wurde und Überfahrt und Leben dort kein Zuckerschlecken war.

Trotz der Armut nahm die Population der Bevölkerung auch aufgrund verbesserter Hygienebedingungen stark zu und schloss die Lücken die durch Auswanderung entstanden waren.

Apropos Zeitung: Es gab zwar einige landwirtschaftliche Fachzeitschriften, aber der Weinbauanteil darin war klein und die Informationen richteten sich noch an die großen Güter. Tageszeitungen waren für die normalen Winzerfamilien zu teuer. In den Wintermonaten abonnierten daher oft mehrere Familien zusammen eine Zeitung, die dann rundgereicht wurde. Fachschulen für Weinbau und regelmäßige Informationen gab es erst später in nennenswertem Umfang. 1872 wurde in Briedel, wie auch vielerorts an der Mosel, der Verein „Landwirtschaftliches Casino" gegründet. Seine Aufgabe bestand darin, die Mitglieder mit neuen und besseren Methode des Weinbaus sowie des Ackerbaus vertraut zu machen und den gemeinschaftlichen Einkauf von Bedarfsartikeln wie Dünger zu organisieren.

Bereits 1836 gab es gutgemeinte Vorschläge zum Anpflanzen von Maulbeerbäumen und der Seidenraupenzucht, um von der Monokultur Wein loszukommen. Trotz mannigfacher staatlicher Anregungen setzte sich dieser Erwerbszweig nicht durch. Vorschläge, qualitätsstärkere Rebsorten anzupflanzen und die Arbeiten im Wingert zu rationalisieren fanden demgegenüber großes Gehör. Die Umsetzung verzögerte sich aber mangels ausreichendem Kapital der Winzer, denn die komplette Neupflanzung einer Parzelle mit dem damit verbundenen Ernteausfall dreier Jahre konnten sich nur die Großen leisten.

Demokratische und freiheitliche Bestrebungen nahmen ab 1845 zu. Die Bevölkerung hatte ja in der französischen Zeit etwas an der Freiheit geschnuppert. Dem preußischen Staat gelang es jedoch, mit teils massiven Repressalien die vom Grunde her absolut obrigkeitshörige moselländische Bevölkerung von schwerwiegenden Revolutionen abzuhalten. Die Ausrufung des „Briedeler Kaiserreiches" 1845 war nicht von der Mehrheit getragen und endete bereits nach zwei Tagen. Die sogenannte März-Revolution 1848 ging von Trier "der politischen Wetterecke der Rheinprovinz" aus. Während man dort schon von Bürgerwehr und Bewaffnung sprach, fanden in den Winzerorten nur die gewaltlosen Aktionen wie Volksversammlungen regen Zuspruch. Großflächige Verweigerung der Steuerzahlungen und einzelne Angriffe auf Bürgermeister und Feldhüter sind in diesem Zusammenhang zu nennen.

Die zentrale Staatsverwaltung und das an die Steuerzahlung gebundene Wahl- und Wählbarkeitsrecht schloss die große Mehrheit der Bevölkerung von den kommunalpolitischen Entscheidungen aus. Nur wer entsprechend vermögend war, konnte z.B. Schöffe (Gemeinderatsmitglied) werden. Dies waren die größeren Grundbesitzer, die dann verständlicherweise bei Ihren Entscheidungen, z.B. der Verteilung des Steuersolls auf die einzelnen Steuerklassen, ihren eigenen Vorteil bedachten.

Für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen stellte der preußische Staat ab 1839 Mittel zur Verfügung, die für Wege- und Straßenbau genutzt wurden. Auch die schon von den Franzosen geplante Verbesserung der Schiffbarkeit der Mosel wurde damit in Angriff genommen. 1839 begann ein planmäßiger Dampfschifffahrtsverkehr auf der Mosel, der jedoch durch Eisgang und Hoch- und Niedrigwasser oft behindert war. Erst der aus militärischen Gründen vorangetriebene Ausbau der Eisenbahnstrecke Koblenz - Trier (Kanonenbahn Berlin - Metz 1878) bot auch den Moselwinzern eine schnelle und preiswerte Transportmöglichkeit zu den Weintrinkern im Osten. Dadurch entfielen endlich die teils hohen Kostennachteile aus dem Transport gegenüber den ausländischen Mitbewerbern.

Verbesserte Infrastruktur und die Ausdehnung des Zollvereins auf die norddeutschen Länder ließ dann den Absatz wieder steigen und die Krise lief bis Mitte der 1850er Jahre aus.
Die Gallisierung (Zuckerung) der Weine in schlechten Jahren, zunächst von den größeren Betrieben gegen den Widerstand der Kleinen eingeführt, half mit, den Moselwein gegen die ausländische und süddeutsche Konkurrenz wettbewerbsfähig zu machen. Unterstützt wurde der Aufschwung auch durch eine Reihe sehr guter Weinernten. Der Wein konnte nun gegenüber dem billigeren, weil niedriger besteuerten, Bier wieder Teile der in den vorangegangenen Jahren verlorenen Marktanteile zurückerobern.

Obwohl es danach der moselländischen Bevölkerung überwiegend besser ging, wurde 1862 die Hundesteuer in Briedel eingeführt, deren Erlös ausschließlich für die Armenkasse der Gemeinde bestimmt war.

Im deutschen Krieg 1866 waren auch Briedeler eingezogen. Die Gemeinde zahlte jedem 2 Taler Unterstützung. Von Verlusten sind keine Aufzeichnungen erhalten.

Im deutsch-französischen Krieg 1870/71 richtete die Gemeinde eine "Requestations-Commission" ein, um in Anbetracht des Krieges Lebensmittel, insbesondere Reis auf Gemeindekosten zu bevorraten. Eine Reihe von Kriegsteilnehmern wurde verwundet
Ein Gemeindestier musste im Dezember 1870 wegen Futtermangels abgeschafft werden, wurde kurz nach Kriegsende aber wieder angeschafft.

Die Gründung des deutschen Reiches und die Ausrufung des preußischen Königs zum deutschen Kaiser zeigten in Briedel keine über die allgemeine Wirtschaftsentwicklung hinausgehenden Entwicklungen. Der Gemeinderat Briedel beschließt am 11.6.1879: Für die Festlichkeiten anlässlich der goldenen Hochzeit des Kaiserpaares erhält jedes Schulkind 10 Pfennig. Um das Geld zu beschaffen, wird ein Eichenstamm verkauft. Lediglich der „Kulturkampf" der preußisch-deutschen Führung mit dem Vatikan bewirkte, dass die Pfarrstelle in Briedel von 1879 bis 1884 fünf Jahre lang unbesetzt bleiben musste. Die notwendigen kirchlichen Handlungen und Aufzeichnungen wurden im Pünderich vom dortigen Pastor wahrgenommen.

1883 kauft die Gemeinde wiederum einmal Saatkartoffeln, um sie den Bürgern als Ersatz für die schlechte Ernte zu überlassen. Einige Rottländereien werden gerodet, um dauerhaftes Ackerland bereitzustellen. Auch für die Schweine- und Ziegenzucht werden Waldgebiete als Futter- (Äsungs)-flächen bereitgestellt.

Der Weinbau wird um die Jahrhundertwende von vielen neuen Krankheiten und Schädlingen bedroht. Die Bekämpfung wird viele Jahre zentral von der Gemeinde durchgeführt. So erhalten die Schüler für das Einsammeln von Sauerwurm-Puppen 1 Pfennig pro Stück aus der Gemeindekasse.

Die 1841 als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die Bevölkerung begonnenen Wegebaumaßnahmen wurden, nachdem es der Gemeinde wieder besser ging, erst 1894 mit der Fertigstellunng der Fahrstraße (heute Kreisstraße) von Briedel zu den Acker- und Lohflächen auf der Briedeler Heck fortgeführt.

Die Informationen über die Weinkrise wurden überwiegend dem Werk von Annette Winter-Tarvainen: Weinbaukrise und preußischer Staat; Preußische Zoll- und Steuerpolitik in ihren Auswirkungen auf die soziale Situation der Moselwinzer im 19. Jahrhundert, erschienen in der Reihe Trierer historische Forschungen Band 18, 1992, entnommen.

Für die Briedeler Angaben wurden hauptsächlich die Gemeindechronik und die Gemeindeannalen sowie die Gemeinderatsprotokollbücher herangezogen.

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Die Säkularisation in Briedel

1803–1813 (–1820)

 

Nach der Besatzung der Rheinlande durch die französischen Revolutionstruppen erfolgte ab 1794 recht bald eine Konfiszierug der geistlichen und adeligen Güter. Damit setzte sich die Enteignung, wie im französichen Mutterland schon 1789 begonnen, auch bei uns fort. Zunächst behielten die bisherigen Eigentümer ihre Eigentumsrechte, verloren jedoch die feudalen Nutzungsrechte. Die bisherigen Pächter durften die Grundstücke weiter bewirtschaften, die Pachtzahlungen hingegen gingen an die Staatskasse. Z.B. wurden schon am 12.10.1795 "die auf der linken Seite der Mosel bestehenden Weinrenten der Ausgewanderten und Abwesenden auf baare Zahlung" versteigert.

Nach dem Frieden von Luneville (1801) und im Reichsdeputationshauptschluß 1803 wurde die Annexion der linksrheinischen Gebiete völkerrechtlich sanktioniert. Dies war der Startschuß für Napoleon, alle geistlichen Güter in den eroberten Gebieten endgültig einzuziehen, zu Nationalgütern zu erklären und mit den Verkaufserlösen die Kriegskosten zu finanzieren.

Die Regelungen im Konkordat von 1801 schützten dabei u.a. das Vermögen der katholischen Pfarreien, zumindest Kirchen und Pfarrhäuser, im Rheinland weitgehend. Die evangelischen Kirchen waren von der Säkularisation faktisch gar nicht betroffen. Darüberhinaus wurden auch die adeligen Güter zu Nationalgut erklärt. Große Teile davon wurden jedoch später den zurückkehrenden Emigranten des niederen Adels wieder zurückgegeben. Wie der Pfarrer in seiner Chronik notierte, war Briedel von der Säkularisation jedoch empfindlich getroffen. Grund dafür war, dass die Pfarrei dem Kloster Himmerod seit fast 500 Jahren incorportiert war. Daher hatte sie kein nennenswertes eigenes Vermögen aufgebaut, sondern das Kloster war der Besitzer von Grund- und Boden. Die Kirche und das zum Pfarrhaus deklarierte Wohngebäude der Patres, bis dato auch Verwaltungsgebäude des Grundbesitzes, wurden der Pfarrei übertragen. Weinberge und alles andere fiel der Säkularisation zum Opfer.

Alle konfiszierten Güter wurden der staatlichen Domänenverwaltung unterstellt, die ab 1803 die Verwertung, überwiegend in Form einer öffentlichen Versteigerung, betrieb. Teilweise wurden die Güter auch zahlungshalber an Armeelieferanten abgegeben, die dann ihrerseits einen Verkauf betrieben. Viele Dotationsgüter, die als Belohnung an verschiedene Institutionen oder verdiente Gefolgsleute Napoleons gegangen waren, wurden später gegen Abgabe von Staatsanleihen von der Domänenverwaltung zurückerworben und zur öffentlichen Versteigerung gebracht. Nicht zum Verkauf kamen die nationalisierten Forst- und Waldbestände, die nach 1815 dann von den deutschen Nachfolgestaaten als Eigentümer übernommen wurden.

Bevor es zur Versteigerung kam, wurden die Güter durch amtlich vereidigte Experten bewertet, wobei die Ertragskraft im Vordergrund stand. Dabei wurde i.d.R. bei Grundstücken das zwanzigfache der Jahrespacht, bei Gebäuden das zehnfache der Jahresmiete auf der Basis des Jahres 1790 zuzüglich des Zehntanteils als Wert angesetzt. Versteigerungsort war für unsere Region der Sitz der Präfektur in Koblenz, teilweise aber auch in Cochem. Auf großen, in allen Orten des Departements ausgehängten Plakaten (Affiches) wurden die zu veräußernden Grundstücke mit allen wichtigen Informationen, Versteigerungsmodalitäten und Zahlungsbedingungen publiziert.

Der Zuschlag erfolgte an den Meistbietenden, wobei auch oft Agenten im Auftrag mitboten oder auf eigene Rechnung kauften, um die Grundstücke dann, oftmals in kleinere Parzellen gestückelt, weiterzuverkaufen. Grundstücke, bei denen der Schätzpreis nicht erreicht wurde, blieben im Bestand und wurden in einem späteren Termin mit einem korrigierten Schätzpreis erneut angeboten.

Das Baugedingbuch der kurfürstlichen Höfe verzeichnet im Juni 1795 „... Jetzt der französischen Repubik gehörend...." In den nächsten beiden Jahren hält der Bürgermeister der Mairie Zell das Geding ab und 1798 unterzeichnet der Schultheiß Goeres für den „Agenten". Am 8. Oktober 1803 wurden dann die beiden kurfürstlichen Höfe in Briedel versteigert. Das Trarben-Tarbacher Weingut Korn & Rumpel erwarb fast den gesamten Besitz und führte das Weingut noch rund 100 Jahre unter Verwaltung eines Hofmanns in einer fast wie gehabt feudalen Struktur weiter. Der Ersteigerer hatte zwar den Grundbesitz erworben, die bestehenden Lehns- und Pachttverträge blieben jedoch unverändert in Kraft. Die im Weistum von und den Baugedingen der Höfe von 1726 niedergeschriebenen Regelungen blieben daher auch für beide Seiten bindend und gültig. Die bestehendenden Verträge und Belastungen auf den Grundstücken blieben in Kraft und die Winzer mussten weiter ½ oder 1/3 ihrer Ernte an den Hof der Firma abliefern. Der neue Eigentümer versuchte Zug um Zug, die alten Lehnsverträge zurückzukaufen, um alleinbestimmend über die Weinberge zu werden. In der Phase der großen Weinkrise um 1900 gaben viele Winzer auf und die Lehen fielen an den Grundeigentümer zurück. Andererseits lösten auch viele Pächter den Anspruch der Firma ab und wurden somit selbst Alleineigentümer und musten keine Pachtabgaben mehr leisten. Die niedergeschriebenen Baugedinge des kurfürstlichen Marienburger Hofes (Grafenkelterhaus und die Weinberge auf der linken Moselseite), in denen jährlich alle den Weinberg betreffenden Vereinbarungen niedergeschrieben wurde, sind uns von 1727 bis noch 1869 erhalten geblieben. Über die erforderliche Düngung mit Mist, Wiederanpflanzung bis zu den Leseterminen und Ernteergebnissen können wir uns noch heute hier informieren. Auch Rügen wegen schlechter Pflege und alle Empfängnisse (Übertragung von Lehnsrechten an andere Lehnsnehmer, z.B. im Erbfalle) wurden hier festgehalten.

Die Pfarrchronik Briedel berichtet uns, dass einige Gemeinderäte im Auftrag der Gemeinde nach Cochem zur Versteigerung entsandt wurden, um dort die Briedeler Höfe für die Gemeinde mit dem Ziel der Weiterveräußerung an einzelne Bürger zu ersteigern. Um rechtzeitig da zu sein, reiste die Delegation am Vorabend an und verbrachte den Abend bei einem aus Briedel stammenden Cochemer bei gutem Wein. Die Probe fiel offensichtlich etwas umfangreich aus, denn man musste ja auch eine Gegenprobe mit den mitgebrachten eigenen Weinen durchführen. So kam es dass die Herren den Termin am nächsten Morgen verschliefen. Als Sie das Gericht erreichten, waren alle Briedeler Güter schon weg.

Napoleons Herrschaft dauerte nicht lange genug, um alle in Nationaleigentum genommenen Güter zu veräußern. Nach dem Wiener Kongress ist unsere Region Preußen zugeschlagen worden. Als Nachfolgestaat Frankreichs und des vorherigen Kurfürstentums Trier ging aller Staatsbesitz, und damit auch alle Nationalgüter, in den Besitz Preußens über. Da auch das Königreich Preußen bereits 1810 den Einzug aller Klöster und Stifte sowie deren Umwandlung in Staatsbesitz verfügt hatte, galten die Säkularisationsregelungen faktisch ununterbrochen fort.

Nach einer kurzen Konsolidierungsphase des neuen Staates nahm dieser die anstehenden Versteigerung der Nationalgüter wieder auf. Die Erlöse sollten die Kosten der Befreiungskriege und der Besatzung begleichen. Trotz heftigen Protestes der Gemeinde Briedel und Anträgen auf Rückübertragung des Eigentums an den Grundstücken aus der 1802 aufgelösten gemeindlichen Frühmesser-Stiftung kam es am 10. Juli 1820 zur Versteigerung dieses Vermögens, das neben dem Frühmesserhaus und verschiedenen Gärten noch rund 30.000 Weinstöcke umfasste. Der Kreis lehnte das Rückgabegesuch mit der Begründung ab, die Verstaatlichung durch die Franzosen sei bestandskräftig.

aus eiflia illustrata:
Am 15. Bendemiaire XII (8. Oktober 1803) ließ die französische Regierung das Kurfürstliche (erzstiftische) Kelterhaus zu Briedel zu 205 Frs (54 Thlr), am 18. Brumaire XII (den 10. November 1803) die Maarwiese zu 1100 Frs. (293 Thlr) und die über 4 Hektaren große laternwiese zu 6300 Frs (1680 Thlr) , am nämlichen Tage einige der Karthaus zu Koblenz zugehörig gewesenen Wiesen zu 190 Frs (50 Thlr); ferner an demselben Tage einen der Abteil Himmerode gehörigen Küchengarten zu 250 Frs (66 Thlr) und eine 3 Hektaren große Wiese zu 4700 Frs (1253 Thlr); am 13. Bendemiarie XII (6. Oktober 1803) die von demselben Kloster herrührenden 7900 Weinstöcke zu 1700 Frs (453 Thlr); am nämlichen Tage den dem St Castorstifte zu Carden (Abtei Himmerod) gehörigen kappeskeller zu 205 Frs (54 Thlr); am 18. Brumaire XII die von dem Stifte zu Sprigiersbach herrührende Wiese am Reilerkreuz zu 345 Frs (92 Thlr); am 13. Termider XIII (1. August 1805) 2177 Weinstöcke, Ländereien und Wiesen, welche dem Kloster Rosenthal gehört hatten, zu 480 Frs (128 Thlr) versteigern.

Quellen:
Schieder Wolfgang, Säkularisation und Mediatisierung in den vier rheinischen Departements 1803-1813, Teil I,
de Faria e Castro Katharina, die Nationalgüter im Arrondissement Koblenz und ihre Veräußerung in den Jahren 1803-1813
Schannat-Bärsch., Eiflia Illustrata, 3. Band, 1. Abt., Neudruck 1966
Akten im Bistumsarchiv Trier und Landeshauptarchiv Koblenz
Pfarr-Chronik Briedel
Kroth Elmar, die Frühmesserstiftung in Briedel, in Jahrbuch 2009 Cochem-Zell
G illes Karl-Josef, Die Geschichte der Gemeinde Briedel bis 1816
Baugedingbuch kurfürstlich Marienburger Hof 1726-1869

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