Der Briedeler Friedhof

- Gottesacker - Kirchhof -

Hermann Thur 7/2013

 

Der Friedhof als Begräbnisstätte der Gläubigen lag in frühen Zeiten um die Kirche herum, woher auch der Name Kirchhof herrührt. Gerade die mittelalterlichen christlichen Gemeinden bestatteten ihre Toten im Zentrum der Lebenden und nicht wie in früher Zeit außerhalb der Siedlungsflächen. Aus der gesegneten Erde sowie der Nähe zum Allerheiligsten der Kirche erhoffte man sich eine prunkvollere Auferstehung. Nichtchristen und Selbstmörder z.B. durften hier nicht beerdigt werden, diese wurden außerhalb der Ortsmauern begraben. Ein Friedhof um die Kirche war auch ein Hinweis auf eine eigenständige Pfarrei. Diese Verpflichtung, alle Christen in geweihter Erde im Umkreis der Kirche zu bestatten, wobei stets ein Priester dabei sein musste, hatte auch hygienische Gründe. Hier wurden dann die wilden und verstreuten Gräber zusammengeführt. Die Risiken schlechter Verwesung oder der Trinkwasserverseuchung, insbesondere während der vielen Pestepidemien, sollten damit kontrollierbar werden.

Der Kirchhof war viele Jahrhunderte lang nicht nur Ruhestätte für die Toten sondern auch teilweise Mittelpunkt des Gemeindelebens. So z.B. ist überliefert, dass das Dorfgericht "unter freiem Himmel im Schatten der Kirche" tagte. Er erfüllte vielfältige kultische Funktionen und das Benehmen hier war durch Tabus und Vorschriften geregelt, deren Bruch teils hart bestraft wurde. Auch heute noch erfüllt der Friedhof nicht nur als letzte Ruhestätte, sondern auch als Ort der Trauerbewältigung und Erinnerung eine wichtige Funktion. Als stille Zone hilft er uns in der hektisch lauten Zeit bei der Besinnung auf die Endlichkeit unseres Lebens.

Viele frühe Kirchen und Kapellen wurden auf Keltenfriedhöfen über den Gräbern errichtet. Zweck war dazu, die alten Verehrungen dieser Plätze auf das neue Gotteshaus zu übertragen. Ob dies auch in Briedel der Fall ist, kann nur vermutet werden. Archäologische Beweise sind, wenn vorhanden, spätestens 1774 beim Bau der jetzigen Kirche verloren gegangen. Nur auf der Briedeler Heck sind uns einige keltisch/römische Grabfelder erhalten geblieben, die, wie die geborgenen Funde nachweisen, von ca. 600 v.C. bis etwa 400 n.C. über 1000 Jahre lang kontinuierlich belegt wurden.

Während zur Zeitenwende die Feuerbestattung usus war, setzte sich in unserem Kulturkreis mit der Zeit die Erdbestattung durch. In letzter Zeit tendiert man aber wieder zur Feuerbestattung, wobei der Platzbedarf und die Kosten ausschlaggebend sind. Die uralte Sitte der teils wertvollen Grabbeigaben ist aber völlig in Vergessenheit geraten. So fällt es späteren Archäologen schwer, die Zeiten zu bestimmen und Erkenntnisse über das Leben der Verstorbenen zu erhalten.

In der Briedeler Zehntordnung von 1154 ist bereits festgelegt, dass die Friedhofumfassung und Mauern vom Zehntherren aus den Zehnteinnahmen zu bauen und zu unterhalten seien.

1758 notiert Pfarrer Maurus Schmitz bei seiner Ankunft in Briedel über den Friedhof: "...fast alle Einwohner waren von einer pestilenzischen Seuche heimgesucht, viele waren schon gestorben. Der Friedhof war damals sehr klein, und die Parochiani (Pfarrangehörigen) hatten die Gewohnheit, die Verstorbenen meistenteils in ihre Familiengräber zu begraben, welche öfter zu früh eröffnet wurden. Man begrub oft schon vor der Zeit der Ablage der Gräber, was neue Gefahren bei mangelnder Verwesung in sich barg..."

Er notiert weiter: „ Um die Leute in Ihrer Einfalt zu steuern, und obwohl es einer erneuten Benediction nicht bedurfte, weihte ich aufs neue ein gutes Stück vom Palmbusch und ein Stück vom Wasen, der zu meinem Garten gehet, wie auch die Erde, welche hinter der Kirchentür, wo gegoste Aepelbieren stehen bis zu dem alten am Berg hängenden Haus". Schon am 2. März 1759 segnete er einen neuen Teil hinter Kirche als Begräbnisplatz ein. Der ursprüngliche Teil war also der nach der "Kehrstraße" gelegene Platz. Die Erweiterung betraf Teile der unteren Etage und des alten Kirchhofs.

Durch den Neubau der Kirche, die gegenüber der alten wesentlich größer und auch in der Ausrichtung verändert war, kam der Friedhof in große Unordnung und viele Gräber mussten umgelegt werden (jetzt untere Terrasse). 1777 wurde der Bauschutt um die Kirche weggeräumt. Durch starkes Bevölkerungswachstum war aber auch der neue Teil des Friedhofs bald zu klein.

1840 konnte die Zivilgemeinde über dem Kirchhof einen Garten ankaufen, der nun den Ausbau der oberen 3. Etage ermöglichte. In diesem Zusammenhang wurde auch die mittlere (zweite) Etage „wo früher nur Gestein und Gestrüpp, welches man Ölberg nannte.." erschlossen, in dem man die beiden Mauern errichtete und die Treppen anlegte. Die Einsegnung erfolgte 1842 durch den extra dazu bevollmächtigten Dechanten.

Auf der 3. Terrasse wurde dabei auch ein großes gusseisernes Friedhofskreuz aufgestellt, das noch heute weithin sichtbar über die Gräber schaut. Ein sandsteinernes ca 3 m hohes Friedhofskreuz aus dem Jahre 1736 stand zuletzt am Eingang des alten Kirchhofs direkt an der Kirchenmauer. Es wurde dort 1945 durch Grantbeschuss schwer beschädigt und danach entsorgt.

Der Hinweis des Pfarrers auf die schlechte Verwesung und zu frühe Wiederbelegung wirft für die Zeit der Pest die Frage auf, wo und wie wurde damals bestattet? Das Kirchenbuch nennt uns für 1635/1636 101 verstorbene Gläubige innerhalb von 15 Monaten. Die uns bekannte Friedhofsfläche hat da für Einzelbestattungen sicherlich keine ausreichende Kapazität gehabt, denn die normale Sterberate betrug damals ca. 10 Personen jährlich. Die Lage des Friedhofs oberhalb von Kehr und Sünd und die darunter liegenden Hausbrunnen bargen das Risiko, dass infizierte Verwesungssäfte ins Grundwasser, und damit in den Lebenskreislauf zurückgeführt wurden. Recht früh errichtete daher die Gemeinde öffentliche Wasserbrunnen, die mit sauberem Quellwasser gespeist wurden. Auch mussten die Gräber tief genug sein, um Ratten den Zugang zu verwehren, denn diese waren ja die Hauptüberträger des Pestbazillus.

Da in der Gemeinde keine Protestanten waren, so hat man es unterlassen, eine Abteilung für Nichtkatholiken abzugrenzen. Noch nach 1867 wurden zwei protestantische Leichen nicht auf dem Kirchhof, sondern, wie es auch bei ungetauften Kindern üblich war, in den Weg nach der Kehrstrasse bestattet.

Die französische Revolutionsregierung hatte alle Kirchhöfe, die bis dato Kirchenvermögen waren, zu Staatseigentum erklärt und den Zivilgemeinden übertragen. Sich widersprechende Dekrete der späteren Besatzungstruppen sprachen nur von einer Verwaltung durch die Zivilgemeinde, nicht jedoch vom Eigentumsübergang. Zahlreiche Prozesse um das Eigentumsrecht zogen sich in preußischer Zeit durch alle Gerichtsinstanzen, bis die Kirche letztendlich durch den Staat gezwungen wurde, Eigentum und Verwaltung an die Zivilgemeinden abzugeben. Auch der Briedeler Pfarrer widersetzte sich lange. Bezugnehmend auf eine „geheime Instruktion" des Ministeriums in Berlin aus 1831, in der die heikle Eigentumsfrage bewusst ungeregelt blieb und auf die Gerichte verwiesen wurde, sowie der Tatsache, dass es keinen Bereich für Nichtkatholiken gab und es sich daher um einen reinen katholischen und damit kirchlichen Kirchhof handelte, wollte er noch 1877 mit aller Macht das Eigentum der Pfarrei sichern.

Die alte Kirche war zu klein geworden und viele Gläubige standen während des Gottesdienstes draußen auf dem Kirchhof. Dieses Geschwätz und Rumlaufen störte so sehr, dass der Pfarrer 1843 den Kirchenrat überzeugte, dass die in der Kirche ja teilweise „verkauften" Stühle, sofern sie bei Gottesdienstbeginn noch nicht besetzt waren, von den anderen Gläubigen benutzt werden durften. Der Aufenthalt auf dem Kirchhof wurde dabei mit zum Teil hohen Strafen belegt, die man aus alten und ungeliebten französischen Dekreten herleitete.

1928 erfolgte eine weitere Ausdehnung im oberen Bereich, bis die Flurbereinigung 1978 dann endlich eine Arrondierung und großzügige Ausweitung des Friedhofs zu seinem heutigen Aussehen ermöglichte. Auf 5 Etagen, die durch 115 Stufen verbunden sind, finden die Briedeler nun ihre letzte Ruhestätte. In diesem Zusammenhang erfolgte auch die Erschließung des oberen Teiles mit einer Straße sowie einer Wasserentnahmestelle (mit den Basaltbecken des alten Freiheits-Brunnens) und Grüngutabfallentsorgung.

Der älteste Teil, der "kleine Kirchhof" links neben der Kirche, wurde nach 1987 völlig aufgehoben, nachdem er schon vorher verkleinert wurde, um Parkplatz zu schaffen und die Zufahrt zu Kirche und neuem Pfarrhaus zu verbreitern.

Die Tendenz zu mehr Feuerbestattungen reduziert heute den Platzbedarf durch die kleineren Urnen-Grabstellen. Auch die Bestattung der Urnen in noch in der Ruhefrist befindliche Familiengrabstätten, teils um zusätzlichen Pflegeaufwand zu minimieren, aber auch der Rückgang der Sterbefälle infolge der kleineren Wohnbevölkerung, führt vermehrt zu Freiflächen. Die Gemeinde bemüht sich, durch einheitlichen Abbau nach Ablauf der Ruhefristen und konzentrierte Neubelegung, die Entstehung von unschönen Ecken zu vermeiden und die Freiflächen zu pflegen.

Neben den Reihengrabstätten (Einzelgräber) werden auch Wahlgrabstätten (meist Doppelgräber als Familiengrabstätte) bereitgestellt. Dazu kommen dann Urnengrabstätten (als Reihengrab) sowie die Möglichkeit, Urnen in bestehende Gräber von Familienangehörigen zu bestatten, sofern die Ruhefristen ausreichen. Neu ist ein Rasengrabfeld für Urnenbestattungen, auf dem lediglich durch eine eingelassene Namensplatte auf den Verstorbenen hingewiesen wird. Die Pflege dieser Fläche erfolgt durch die Friedhofsverwaltung. Eine Trennung zwischen katholischen und andersgläubigen oder atheistischen Verstorbenen gibt es nicht mehr.

Die Anfertigung des Grabes und das Tragen der Leiche war anfänglich Sache der Nachbarn des Verstorbenen. Seit 1875 hat die Gemeinde einen Totengräber angestellt, der das Grab macht.

Der Verstorbene wurde früher in seiner Wohnung aufgebahrt und der Sarg in einer Prozession zum Friedhof getragen, bzw. später mit einem Handwagen gefahren. Dieser letzte Ehrendienst war den Nachbarn vorbehalten. Der Bau einer Leichenhalle konnte 1907 mangels "ungünstiger Vermögenslage" der Gemeinde nicht in Angriff genommen werden. Erst 1970 erfolgte deren Bau unterhalb des Friedhofs auf dem Gelände der alten Parf (des 1949 abgerissenen alten Pfarr- und Schulhauses). 2012 wurde sie bereits wieder profanisiert, da kein Bedarf mehr daran bestand. Denn heute wird die Aufbahrung und der Transport von einem Beerdigungsinstitut mit bezahlten Kräften durchgeführt, da die Nachbarn wegen ihrer Auswärtstätigkeit oft nicht am Ort sind und auch die Familien und Bindungen kleiner wurden.

Die einzelnen Grabstellen wurden früher mit schlichten Holzkreuzen ausgestattet, später wurden Gusseisenkreuze verwandt und heute sind es überwiegend Steinkreuze bzw. Steinplatten. Aus dem 17./18. Jahrhundert sind uns noch einige Basaltgrabkreuze überliefert, die Familiengrabstätten der Honoratioren schmückten.

Die Angehörigen schmücken die Gräber immer mit frischen Blumen, sodass der Friedhof ein schönes Bild abgibt. An Allerheiligen ist dann Großauflauf, alle treffen sich am Grab ihrer Angehörigen und der Pfarrer geht segnend durch die Reihen.

Fünf Soldaten, die bei den Kämpfen 1945 in Briedel ums Leben kamen, wurden zunächst auf unserem Friedhof beerdigt. Nach Errichtung der Heldengedenkstätte Prinzenkopf bei der Marienburg wurden sie nach dort umgebettet.

Der Friedhof ist zusammen mit der Kirche als Gesamtensemble zum Kulturdenkmal erhoben worden.

Quellen:
Ortschronik Briedel
Pfarrchronik Briedel
Lagerbuch BAT 71,139,363
Friedhofsakte BAT 71,139,60

 

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Schmerzhafte Mutter Gottes

Pietas in der Briedeler Kirche

und im Sündhäuschen


In der 1946/1947 angebauten Gnaden- / Kriegergedächtsniskapelle der Briedeler Kirche steht eine Pieta der Schmerzhaften Mutter Gottes.

Diese hochgotische Pieta stammt vermutlich aus der Zeit um 1350
(Gutachten des Diözesankonservators, Kanonikus Nikolaus Irsch aus Trier und des Restaurators Voitiè aus Wittlich von 1949).

In der Kapelle des Enkircher Hofes des Klosters Ravengiersburg (vermutlich seit 1135) befand sich ein Muttergottesbild, das besonders verehrt wurde und zu dem Wallfahrten in Gebrauch waren. Diese Kapelle mit dem Gnadenbild wurde Bestandteil des 1338 von frommen Klausnern gestifteten Heiliggeisthospitals, das auch nach der Reformation noch fortbestand, bis 1685 die Franzosen unter Ludwig XIV. hier ein Franziskanerkloster gründeten. Im Anschluss an die Säkularisation unter Napoleon wurde das Kloster aufgehoben und die Kirche der katholischen Gemeinde als Pfarrkirche überwiesen. Das Gnadenbild hatte im Laufe der vielen politischen und religiösen Wirren starke Schäden erlitten und wurde, wie auch andere Einrichtungsgegenstände, in den Folgejahren verkauft. (Prof. Dr. Vogts in: Enkirchs alte Gotteshäuser, HJB Zell 1959)

Pastor Brauweiler aus Briedel hat diese Pieta dann im Jahre 1849 erworben. Anlass war der Bau der Kreuzwegstationen entlang der Sündstraße. (s. Kirchenchronik Briedel 1941 und 1949).

Die Marienfigur wurde repariert, neu bemalt und dann in der 1719 erbauten Sündkapelle aufgestellt. Eine fachmännische Restaurierung wurde weges des Zeitgeistes und des Verwendungszwecks damals nicht in Betracht gezogen. (s. Gutachten Voité)

Sicherlich war auch schon vorher hier in der Altarnische eine Mariendarstellung aufgestellt. In den erhaltenen Urkunden haben deren Anschaffung und Verbleib jedoch keine Spuren hinterlassen.

1948 wurde die Pieta restauriert und, da man den hohen Wert erkannte, nicht mehr in dieser ungesicherten Außenkapelle, sondern in der wenige Jahr vorher erbauten Kriegergedächtniskapelle in der Kirche aufgestellt.

Ersatzweise wurde 1948 eine Nachbildung der Pieta angefertigt. (Bildhauer Jakob Bettendorf aus Olewig) Dafür wurde altes Holz aus dem von der Gemeinde gerade abgerissenen, um 1700 erbauten Hauses "Alte Post" genutzt (s. Kirchenchronik 1948).

1978 hatte auch diese Kopie Schäden aus der Witterung und dem Alter und wurde (von Álfred Bremm, finanziert durch den Heimat- und Verkehrsverein) restauriert.

Es wiederholte sich die Angst vor Diebstahl und die restaurierte Pieta wurde 1985 im gerade neu erbauten Pfarrheim aufgestellt.
Für die Sündkapelle wurde wiederum eine Nachbildung aus einem Kunststoffabguß angefertigt.

Die Befürchtungen trafen leider ein und in 2005 wurde dieser "Abguß" gestohlen.

Die "2.Ausfertigung" aus dem Pfarrheim wurde danach aus Sicherheitsgründen ins Pfarrhaus verbracht.

Nach der ehrenamtlichen Sanierung von Kreuzweg und Sündhäuschen konnte Pfingsten 2006 wieder eine gestiftete Pieta eingewiehen werden.

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Der Kreuzweg

entlang der Sünd von Briedel zum Sonderhäisje

 

Kreuzwege inmitten der Landschaft finden wir in den katholischen moselländischen Orten vielfach. Die Sitte, in Form eines Ganges betend die Leidensgeschichte Jesu nachzuempfinden, wurde gegen Ende des Mittelalters von Pilgern aus dem heiligen Land auch an die Mosel gebracht, wo sie eine rasche Verbreitung fand. Ursprünglich sieben Stationen (sieben Fußfälle) weiteten sich die Leidensdarstellungen bald auf 14 Stationen aus. Siehe dazu die Bilder in der St.Martin-Kirche.
(www.briedeler-geschichte.de/kirche/bilder/kreuzweg.html)

So haben unsere Vorfahren auch in Briedel entlang der Sündstraße einen Kreuzweg mit 7 Stationen von der Kirche bis zur Sündkapelle errichtet. Spätestens 1719, beim Bau des heutigen Sonderhaisje (Sündkapelle) war bereits ein Kreuzweg vorhanden. Im Jahre 1850 wurden, initiiert von Pfarrer Brauweiler und maßgeblich von einer Briedeler Familie finanziert, die teilweise verwitterten Stationen neu errichtet und passende Terrakottareliefs in die Nischen eingesetzt. Die Sündstraße war seit jeher der Hauptzugangsweg vom Ort zu den Äckern und Lohhecken auf der Briedeler Heck. Während des steilen etwa einstündigen Aufstiegs auf die Höhen konnten die Männer, Frauen und Kinder nun den Leidensweg Jesu vom Haus des Pontius Pilatus bis zum Kalvarienberg nachlaufen. Da es auf dem Weg zu schwerer Arbeit war, kostete es keine zusätzliche Zeit wie der Besuch der Gottesdienste in der Kirche und bot damit eine praktische gelebte Form der Frömmigkeit. Die intensive Beschäftigung mit dem Leiden Christi lenkte auch von eigenen Beschwernissen ab.

Mit dem Bau der Bergstraße 1894 und der Motorisierung entfiel der Bedarf an diesem Wirtschaftsweg und die Sünd wurde nur noch vereinzelt als Wanderweg genutzt. Die Bruchstein-Nischen litten unter der Witterung und die Reliefs zerfielen oder wurden mutwillig zerschlagen. 2004 rafften sich auf Initiative von Wilfried Schiefer mehrere rüstige Briedeler Rentner auf und restaurierten in über 500 Stunden ehrenamtlicher Arbeit die sieben Stationen grundlegend. Dabei wurde die erste Station vom Beginn der Kirchentreppe rund 150 Meter höher an den Ortsausgang verlegt, von wo man auf einer Bank einen schönen Blick auf Briedel hat. Eine weitere Station wurde wegen des neuen Wegenetzes an einen günstigeren Standort umgesetzt. Viele Spender und der Förderverein St. Martin ermöglichten die Materialbeschaffung und versorgten die Arbeiter mit Speis und Trank. Die Zivilgemeinde ließ vom Bildhauer Dieter Arenz aus Brauheck neue Reliefs aus rotem Eifeler Sandstein anfertigen, sodass die sieben Stationen heute wieder in frischen Glanze erstrahlen und den Wanderer zur Besinnung einladen.

Im Folgejahr wurde von den gleichen Männern auch die Endstation des Kreuzweges, die Sündkapelle, in mehr als 700 freiwilligen Arbeitsstunden instand gesetzt.
(siehe dazu: Die Sündkapelle)

Für ihr großes Engagement wurde die Gruppe mit dem Ehrenamtspreis der Verbandsgemeinde Zell ausgezeichnet. Auf dem Ehrenamtstag des Landes Rheinland-Pfalz durfte das Projekt vorgestellt werden und erhielt überwältigende Anerkennung.

Heute pilgern die Gläubigen jedes Jahr am Pfingstmontag den Kreuzweg betend hinauf zur Sündkapelle. Auch viele Einzelpersonen nutzen den stillen Weg in der Natur wieder vermehrt zum Besinnen und Meditieren.

1. Fall: Jesus am Ölberg
2. Fall: Geißelung
3. Fall: Dornenkrönung
4. Fall: Christus fällt unter das Kreuz
5. Fall: Tod Jesus am Kreuz
6. Fall: Kreuzabnahme
7. Fall: Grablegung

 

kreuzweg alt

 

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Sündkapelle (Sonderhäisje)

und der Kreuzweg

 

Die Sündkapelle wurde, wie es die in die alten Dachbalken eingeschnitzte Jahreszahl erzählt, 1719 erbaut und ersetzte einen schon seit langem dort vorhandenen Wetterschutz-Unterstand.

An dieser Stelle geht der steile Weg aus dem im Tal liegenden Ort in einen flacheren Abschnitt über. Es war in früher Zeit der einzige Weg vom Ort hinauf zu den Äckern und Weideflächen auf der Briedeler Heck. Neben dem Weinbau betrieben fast alle Familien hier oben Ackerbau zur Selbstversorgung. Darüber hinaus war die Rottwirtschaft (Gewinnung von Eichenlohe und Getreideanbau als Schiffelwirtschaft) eine nennenswerte Einnahmequelle

Zu allen Arbeiten musste man steil hinauf auf die Höhe und in dieser Kapelle war die erste Rastmöglichkeit.

Der nach 1700 im Rheinland aufkommende Kartoffelanbau fand auch in Briedel rasche Verbreitung, zumal er anfangs vom Zehnten befreit war. Er bedingte jedoch für die Pflanz-, Pflege- und Erntearbeiten gegenüber der bisherigen Schiffelwirtschaft (ähnlich der Dreifelderwirtschaft) einen wesentlich höheren Arbeitseinsatz und damit eine starke Ausweitung der an der Schutzkapelle vorbeiziehenden Menschen. Dies führte dann 1719 zum Bau eines massiven Schutzraumes, dem Zeitgeist entsprechend als Kapelle gestaltet. Ein weiterer massiver Unterstand wurde noch auf Ginnert, etwa eine Stunde weiter, errichtet. Dieser wurde um 1980 abgebrochen.

Über die Erstausstattung ist uns nichts überliefert. Jedoch besteht die begründete Annahme, das eine Heiligenfigur aus der 1728 wegen Hochwasserschäden am Moselufer abgerissenen Kapelle hier oben wieder aufgestellt wurde. Die beiden groben unbehauenen Baumstämme als Sitzbank zeugen von der sparsamsten Ausführung. Viele Rastenden haben sich durch das Einschnitzen ihrer Namenszeichen hier in den Jahrhunderten verewigt.

Um 1850 bauten die Briedeler die Sünd hinauf sieben massive Kreuzwegstationen mit Sandsteinreliefs. Zur Ausstattung der Sündkapelle als Schlusspunkt konnte eine alte Pieta aus dem säkularisierten Enkircher Kloster erworben werden. Die Pieta in der Sündkapelle wurde mehrfach, zuletzt 2005 nach einem Diebstahl, ersetzt.
(siehe Geschichte der Pieta in der Briedeler Gefallenen Gedenkkapelle)

Mit dem Ausbau der Bergstraße um 1894 wurden mehr Fuhrwerke eingesetzt und die Frequentierung der Sündkapelle als Schutzunterstand ließ nach, wohingegen sich der Zuspruch als stille Bet-Kapelle verstärkte.

Ganz in der Nähe stand auch viele Jahre der Galgen, an dem einige Urteile des Briedeler Hochgerichtes vollstreckt wurden. Die Verurteilten durften in der Sündkapelle ein letztes Gebet sprechen. Noch heute zeugt das in den harten Fels gehauene Galgentreppchen, eine Verbindungsspange vom alten Ortsgefängnis an der Ringmauer zum Sündweg von dieser Praxis.

Im März 1945 kam es hier zu Gefechten der zurückweichenden deutschen Truppen mit den vorrückenden Amerikanern. Es wurden mehrere Handgranaten in die Kapelle geworfen. Dabei wurden 2 deutsche Soldaten, welche sich unter der Sitzbank versteckt hatten, getötet. Der dabei beschädigte gepflasterte Wackersteinboden wurde zur Erinnerung nicht mehr wieder vollständig hergestellt. Auch das Dach war schwer beschädigt, wurde aber bald repariert.

Die Lage und die guten Parkmöglichkeiten machen die Sündkapelle zu einem heute beliebten Ausgangspunkt von Wanderungen z.B. zum Aussichtspunkt Wilhelmshöhe und der Briedeler Schweiz.

Reparaturen an den Kreuzwegstationen um 1985 hatten keinen langen Bestand. So wurde  die Kapelle und die Kreuzwegstationen von ehrenamtlichen Helfern in den Jahren 2003-2005 gründlich saniert, wobei die Sandsteinreliefs alle ausgetauscht werden mussten. Als Dank wurden die Helfer mit dem Ehrenamtspreis des Kreises Cochem-Zell geehrt. Nun pilgert auch die Pfarrgemeinde alljährlich an Pfingstmontag wieder den Kreuzweg betend hoch zur Kapelle und erfreut sich anschließend beim Picknick.

Im Schatten einer uralten knorrigen Eiche, die als Naturdenkmal geschützt ist, zeigt sich heute die Kapelle in hellem freundlichem Licht. Vor der neuen Pieta der schmerzhaften Mutter Gottes brennen kleine Opferkerzen. Das Umfeld mit Sitzgruppen ist hervorragend gepflegt und alles lädt zu einer besinnlichen Rast ein.

Nicht nur die Briedeler, auch die Pündericher nahmen diesen steilen Weg hinauf zu Ihren Feldern und Rotthecken. Dabei gab es sogar eine klare Sitzordnung im Sündhäuschen, die Briedeler saßen auf der rechten, die Pündericher auf der linken Seite. Wehe dem es wurde von der Sitzordnung abgewichen. Was mag dieses alte Gemäuer in seiner langen Existenz an Freud und Leid von den Rastenden und Betenden alles so erfahren haben?

Übrigens: Der Name Sündweg und Sündkapelle kommt nicht von Sünde, obwohl man das anhand der Geschichte vermuten könnte. Der Name entstammt dem lateinischen "simeta" und wandelte sich über das mittelhochdeutsche Wort Sinten und bedeutet Pfad, Fußweg. Im Ortsdialekt wird der Weg auch heute noch Sond genannt.

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