Bevölkerungsentwicklung in Briedel

 

Die Zahl der Bewohner des Ortes Briedel, die bis zum Ausgang des Mittelalters relativ konstant blieb, hat sich danach in vielen Jahren zunächst wellenförmig nach oben entwickelt, um nach dem Höchststand von 1939 kontinuierlich zu fallen.

In den von der Landwirtschaft geprägten Jahrhunderten bis zum Beginn der Neuzeit boten die verhältnismäßig großen Wald- und Weideflächen sowie deren Nutzung mittels Loh- und Schiffelwirtschaft eine ausreichende Nahrungsgrundlage für die Familien. Hungersnöte infolge von Schlechtwetterperioden im Mittelalter und der frühen Neuzeit sowie Seuchen (Pest) und ständige Kriegswirren begrenzten die Bevölkerungszunahme.

Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts liegen uns keine verlässlichen Einwohnerzahlen vor. Briedel ist mit 2.700 Hektar Gemarkungsfläche eine der flächengrößten Gemeinden der Region. In Betrachtung der Gemarkungsbildung in der nachrömischen bis karolingischen Zeit und der damals nach der Anzahl der Familien bemessenen Größen der frühen Markgenossenschaften, dürfte unser Ort schon sehr früh eine stattliche Einwohnerzahl aufgewiesen haben. Auch aufgrund der Tatsache, das Briedel schon vor dem Jahre 748 eine selbstständige Pfarrei mit, wie schon damals üblich, eigenem Zehntrecht war, weist auf eine nennenswerte Bevölkerungssumme hin. Im Vergleich mit ähnlich gelagerten Pfarrgründungen dieser frühen Zeit schätzen wir die Anzahl der Seelen um das Jahr 800 auf circa 400.

Die Jahrhunderte andauernden Streitereien um die Vogteirechte, die Steuern und den Zehnt sowie die 1315 erfolgte Inkorporation in das Kloster Himmerod zeugen von einer hohen Steuerkraft der Gemeinde und den damit verbundenen einträglichen Pfründen. Dies weist gleichfalls auf viele abgabefähige Lehnsleute hin. Desgleichen gilt für die Verleihung der Stadtrechte an Briedel aus dem Jahre 1376.

Die Steuerliste von 1624 ist der erste amtliche Nachweis, dass in Briedel 101 Familien (Haushalte) lebten. Das entspricht etwa 500 Einwohnern.

Der 30-jährige Krieg, gefolgt von den Erbfolgekriegen, führte zu einer hohen Dezimierung der Bevölkerung. Verstärkt wurde dies noch von einer Pestepidemie. Vom Juni 1635 bis August 1636 sind im Kirchenbuch 101 Sterbefälle verzeichnet. Ob das wirklich alle Todesfälle sind, ist nicht nachprüfbar und die gestorbenen Kleinkinder (vor der Erstkommunion) wurden i.d.R. erst gar nicht im Sterbebuch aufgezeichnet. Ein Pfarrer notierte später in der Chronik: „Die Pest raffte in den letzten Monaten ein Drittel der Bevölkerung hin".

1656 nennt der Ortsschematismus des Erzbistums Trier für Briedel 200 Kommunikanten (Pfarrkinder über 13 Jahre).

1663, in der nächsten vorliegenden Steuerliste, sind nur noch 75 Familien (ca 375 Personen) erfasst, 1667 nur noch 66 Familien. Das bedeutet einen Rückgang der Bevölkerung um rund 25 %.

In den Folgejahren nahm die Einwohnerzahl kontinuierlich zu und 1702 hatten wir dann mit 102 Familien wieder den Stand von vor dem 30-jährigen Krieg erreicht.

Die erste schriftlich überlieferte Amtsbeschreibung nennt uns für 1784 insgesamt 732 Einwohner, die in 138 Häusern lebten.

Von nun an nahm die Population, auch infolge der verbesserten hygienischen Verhältnisse und der nicht mehr so stark von Krieg und Fehden betroffenen Bevölkerung, rasant zu. Der Weinbau erlebte eine erste Blüte und ermöglichte den Briedelern, neben der Produktion von Nahrungsmitteln zum Eigenbedarf nun auch den Gelderwerb durch den Weinverkauf. Diese Einnahmen konnten zum Kauf von Bedarfsartikeln, aber auch zur Aufstockung des Grundbesitzes eingesetzt werden. Die Säkularisierung durch die französischen Revolutionstruppen ermöglichte den Winzer, viele bisher in kirchlichem und ritterlichem Besitz befindliche Weinberge als Eigenland zu erwerben. Wegfallende Pacht- und Zehntabgaben führten zu steigenden Einkommen.

Die bei uns übliche Realteilung des Besitzes im Erbfalle führte zu extrem kleinem Grundstücksbesitz. Mehrere schlechte Ernten lösten Hungersnöte aus und viele Familien konnten von ihrem Land nicht mehr leben. Die rheinische Weinkrise verursachte eine enorme Verschuldung der Winzer und führte zur Verarmung der meisten Einwohner.

Intensive Werbung um Auswanderer nach Südamerika und der Traum vom besseren Leben in Nordamerika fielen daher in Briedel auf fruchtbaren Boden. Rund 600 Personen vom Greis bis zum Kleinkind, verkauften Ende des 18. und im 19. Jahrhundert all ihr Hab und Gut, verließen die Heimat ihrer Väter und schifften sich zur Fahrt in die neue Welt ein.
Nach Ungarn = 39, nach Brasilien = 446, nach Peru = 40 und in die USA = 60.

Die Gründung des Deutschen Reiches 1871 erlebten 1.510 Einwohner.

Trotz diesem Aderlass von überwiegend jungen Leuten wuchs die Bevölkerung weiter.
Aufgrund der herrschaftlichen Verhältnisse zum Kloster Himmerod und dem Kurfürstentum Trier hatte die Reformation in Briedel keine Ansatzpunkte und der Ort blieb komplett katholisch. Bei der Volkszählung 1885 werden nur 7 Evangelische und 4 Juden bei 1.436 Katholiken genannt.

Die beginnende Industrialisierung bot nun auch Arbeitsplätze und damit Einkommen außerhalb der begrenzten Landwirtschaft. Eine ganze Reihe junger Personen fand eine Arbeitsstelle in den aufstrebenden Industrien der großen Städte und zog fort.

Mit dem Jahrtausendwechsel überschritten die Briedeler die 1.600.

Der erste Weltkrieg brachte den nächsten Einschnitt, 78 junge Soldaten (im besten biologischen Alter) gaben ihr Leben fürs Vaterland. 1925 dann werden nur 2 Evangelische und 1 Jude bei 1.832 Katholiken aufgeführt. Erst durch Zuzüge nach dem 2. Weltkrieg kamen mehr Evangelische und Konfessionslose nach Briedel

Ungebrochen setzte sich das Bevölkerungswachstum fort und wurde noch von der Gründung der Siedlung Briedeler Heck mit ca 100 Einwohnern verstärkt. Ende 1939 war dann mit 1.887 Einwohnern der Höchststand erreicht. Der aufkommende Fremdenverkehr bot vielen auskömmliche Einkommen.

Auch im zweiten Weltkrieg mussten 115 junge Briedeler Männer ihr Leben auf dem Felde lassen.

Trotz Wirtschaftswunder und blühendem Tourismus ging die Einwohnerzahl nun kontinuierlich zurück. Fehlende regionale Arbeitsplätze in Industrie und Dienstleistungssektor sowie die Minderung des Arbeitskräftebedarfs im Weinbau durch Mechanisierung, trieben die jungen qualifizierten Söhne und Töchter weg in die Ballungszentren. Zunehmendes Lebensalter konnte die geringeren Geburtszahlen nicht auffangen und so beschleunigte sich der Bevölkerungsrückgang.

Ende 1996 zählten wir noch 1.060 Katholiken, 105 Evangelische und 72 ohne Angabe zu den Briedeler Einwohnern. Diese 1.237 Personen wohnten in 409 Häusern.

In den letzten Jahren werden die plötzlich leerstehenden Wohnhäuser von ruhesuchenden Familien aus den hektischen Städten als Zweitwohnsitz gesucht. Der Anteil der mit Zweitwohnsitz in Briedel verzeichneten Personen liegt heute schon bei fast 15 %, (128) wohingegen die „echten" Einwohner auf 992 Ende 2011 zurückgefallen sind. 465 Häuser mit 549 Wohnungen stehen diesen zur Verfügung. Die starke Überalterung, ein Drittel der Einwohner sind über 65 Jahre alt und nur 31 Kinder unter 10, zeigt sich auch in den vielen Einpersonenhaushalten.
Zum Vergleich: 1871 liefen 444 Kinder unter 10 Jahren durchs Dorf, das entsprach relativ etwa dem Zehnfachen.

Bedingt durch die ländliche Struktur und den mangelhaften Personennahverkehr verfügen die Briedeler heute über 605 PKW und 282 sonstige Fahrzeuge (Traktoren, Motorräder etc.).

Quellen:
Die Gemeinden und Gutsbezirke der Rheinprovinz, 1874
Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, 1888
Gemeindelexikon für den Freistaat Preußen, 1930
Stadtarchiv Trier, Steuerlisten L 10/18
Amtsbeschreibung des Oberamtes Zell von 1784, LHAKo 1 C 7941-43
Lichter Eduard, Das Erzbistum Trier 1569/1571
Die Geschichte der Gemeinde Briedel bis 1816, 1996
Ortschronik Briedel
Stat.Landesamt RLP: www.infothek.statistik.rlp.de vom 16.1.2013

 

Die Entwicklung der Einwohner von Briedel nach Hauptwohnsitz

einwohner grafik

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Der Briedeler Friedhof

- Gottesacker - Kirchhof -

Hermann Thur 7/2013

 

Der Friedhof als Begräbnisstätte der Gläubigen lag in frühen Zeiten um die Kirche herum, woher auch der Name Kirchhof herrührt. Gerade die mittelalterlichen christlichen Gemeinden bestatteten ihre Toten im Zentrum der Lebenden und nicht wie in früher Zeit außerhalb der Siedlungsflächen. Aus der gesegneten Erde sowie der Nähe zum Allerheiligsten der Kirche erhoffte man sich eine prunkvollere Auferstehung. Nichtchristen und Selbstmörder z.B. durften hier nicht beerdigt werden, diese wurden außerhalb der Ortsmauern begraben. Ein Friedhof um die Kirche war auch ein Hinweis auf eine eigenständige Pfarrei. Diese Verpflichtung, alle Christen in geweihter Erde im Umkreis der Kirche zu bestatten, wobei stets ein Priester dabei sein musste, hatte auch hygienische Gründe. Hier wurden dann die wilden und verstreuten Gräber zusammengeführt. Die Risiken schlechter Verwesung oder der Trinkwasserverseuchung, insbesondere während der vielen Pestepidemien, sollten damit kontrollierbar werden.

Der Kirchhof war viele Jahrhunderte lang nicht nur Ruhestätte für die Toten sondern auch teilweise Mittelpunkt des Gemeindelebens. So z.B. ist überliefert, dass das Dorfgericht "unter freiem Himmel im Schatten der Kirche" tagte. Er erfüllte vielfältige kultische Funktionen und das Benehmen hier war durch Tabus und Vorschriften geregelt, deren Bruch teils hart bestraft wurde. Auch heute noch erfüllt der Friedhof nicht nur als letzte Ruhestätte, sondern auch als Ort der Trauerbewältigung und Erinnerung eine wichtige Funktion. Als stille Zone hilft er uns in der hektisch lauten Zeit bei der Besinnung auf die Endlichkeit unseres Lebens.

Viele frühe Kirchen und Kapellen wurden auf Keltenfriedhöfen über den Gräbern errichtet. Zweck war dazu, die alten Verehrungen dieser Plätze auf das neue Gotteshaus zu übertragen. Ob dies auch in Briedel der Fall ist, kann nur vermutet werden. Archäologische Beweise sind, wenn vorhanden, spätestens 1774 beim Bau der jetzigen Kirche verloren gegangen. Nur auf der Briedeler Heck sind uns einige keltisch/römische Grabfelder erhalten geblieben, die, wie die geborgenen Funde nachweisen, von ca. 600 v.C. bis etwa 400 n.C. über 1000 Jahre lang kontinuierlich belegt wurden.

Während zur Zeitenwende die Feuerbestattung usus war, setzte sich in unserem Kulturkreis mit der Zeit die Erdbestattung durch. In letzter Zeit tendiert man aber wieder zur Feuerbestattung, wobei der Platzbedarf und die Kosten ausschlaggebend sind. Die uralte Sitte der teils wertvollen Grabbeigaben ist aber völlig in Vergessenheit geraten. So fällt es späteren Archäologen schwer, die Zeiten zu bestimmen und Erkenntnisse über das Leben der Verstorbenen zu erhalten.

In der Briedeler Zehntordnung von 1154 ist bereits festgelegt, dass die Friedhofumfassung und Mauern vom Zehntherren aus den Zehnteinnahmen zu bauen und zu unterhalten seien.

1758 notiert Pfarrer Maurus Schmitz bei seiner Ankunft in Briedel über den Friedhof: "...fast alle Einwohner waren von einer pestilenzischen Seuche heimgesucht, viele waren schon gestorben. Der Friedhof war damals sehr klein, und die Parochiani (Pfarrangehörigen) hatten die Gewohnheit, die Verstorbenen meistenteils in ihre Familiengräber zu begraben, welche öfter zu früh eröffnet wurden. Man begrub oft schon vor der Zeit der Ablage der Gräber, was neue Gefahren bei mangelnder Verwesung in sich barg..."

Er notiert weiter: „ Um die Leute in Ihrer Einfalt zu steuern, und obwohl es einer erneuten Benediction nicht bedurfte, weihte ich aufs neue ein gutes Stück vom Palmbusch und ein Stück vom Wasen, der zu meinem Garten gehet, wie auch die Erde, welche hinter der Kirchentür, wo gegoste Aepelbieren stehen bis zu dem alten am Berg hängenden Haus". Schon am 2. März 1759 segnete er einen neuen Teil hinter Kirche als Begräbnisplatz ein. Der ursprüngliche Teil war also der nach der "Kehrstraße" gelegene Platz. Die Erweiterung betraf Teile der unteren Etage und des alten Kirchhofs.

Durch den Neubau der Kirche, die gegenüber der alten wesentlich größer und auch in der Ausrichtung verändert war, kam der Friedhof in große Unordnung und viele Gräber mussten umgelegt werden (jetzt untere Terrasse). 1777 wurde der Bauschutt um die Kirche weggeräumt. Durch starkes Bevölkerungswachstum war aber auch der neue Teil des Friedhofs bald zu klein.

1840 konnte die Zivilgemeinde über dem Kirchhof einen Garten ankaufen, der nun den Ausbau der oberen 3. Etage ermöglichte. In diesem Zusammenhang wurde auch die mittlere (zweite) Etage „wo früher nur Gestein und Gestrüpp, welches man Ölberg nannte.." erschlossen, in dem man die beiden Mauern errichtete und die Treppen anlegte. Die Einsegnung erfolgte 1842 durch den extra dazu bevollmächtigten Dechanten.

Auf der 3. Terrasse wurde dabei auch ein großes gusseisernes Friedhofskreuz aufgestellt, das noch heute weithin sichtbar über die Gräber schaut. Ein sandsteinernes ca 3 m hohes Friedhofskreuz aus dem Jahre 1736 stand zuletzt am Eingang des alten Kirchhofs direkt an der Kirchenmauer. Es wurde dort 1945 durch Grantbeschuss schwer beschädigt und danach entsorgt.

Der Hinweis des Pfarrers auf die schlechte Verwesung und zu frühe Wiederbelegung wirft für die Zeit der Pest die Frage auf, wo und wie wurde damals bestattet? Das Kirchenbuch nennt uns für 1635/1636 101 verstorbene Gläubige innerhalb von 15 Monaten. Die uns bekannte Friedhofsfläche hat da für Einzelbestattungen sicherlich keine ausreichende Kapazität gehabt, denn die normale Sterberate betrug damals ca. 10 Personen jährlich. Die Lage des Friedhofs oberhalb von Kehr und Sünd und die darunter liegenden Hausbrunnen bargen das Risiko, dass infizierte Verwesungssäfte ins Grundwasser, und damit in den Lebenskreislauf zurückgeführt wurden. Recht früh errichtete daher die Gemeinde öffentliche Wasserbrunnen, die mit sauberem Quellwasser gespeist wurden. Auch mussten die Gräber tief genug sein, um Ratten den Zugang zu verwehren, denn diese waren ja die Hauptüberträger des Pestbazillus.

Da in der Gemeinde keine Protestanten waren, so hat man es unterlassen, eine Abteilung für Nichtkatholiken abzugrenzen. Noch nach 1867 wurden zwei protestantische Leichen nicht auf dem Kirchhof, sondern, wie es auch bei ungetauften Kindern üblich war, in den Weg nach der Kehrstrasse bestattet.

Die französische Revolutionsregierung hatte alle Kirchhöfe, die bis dato Kirchenvermögen waren, zu Staatseigentum erklärt und den Zivilgemeinden übertragen. Sich widersprechende Dekrete der späteren Besatzungstruppen sprachen nur von einer Verwaltung durch die Zivilgemeinde, nicht jedoch vom Eigentumsübergang. Zahlreiche Prozesse um das Eigentumsrecht zogen sich in preußischer Zeit durch alle Gerichtsinstanzen, bis die Kirche letztendlich durch den Staat gezwungen wurde, Eigentum und Verwaltung an die Zivilgemeinden abzugeben. Auch der Briedeler Pfarrer widersetzte sich lange. Bezugnehmend auf eine „geheime Instruktion" des Ministeriums in Berlin aus 1831, in der die heikle Eigentumsfrage bewusst ungeregelt blieb und auf die Gerichte verwiesen wurde, sowie der Tatsache, dass es keinen Bereich für Nichtkatholiken gab und es sich daher um einen reinen katholischen und damit kirchlichen Kirchhof handelte, wollte er noch 1877 mit aller Macht das Eigentum der Pfarrei sichern.

Die alte Kirche war zu klein geworden und viele Gläubige standen während des Gottesdienstes draußen auf dem Kirchhof. Dieses Geschwätz und Rumlaufen störte so sehr, dass der Pfarrer 1843 den Kirchenrat überzeugte, dass die in der Kirche ja teilweise „verkauften" Stühle, sofern sie bei Gottesdienstbeginn noch nicht besetzt waren, von den anderen Gläubigen benutzt werden durften. Der Aufenthalt auf dem Kirchhof wurde dabei mit zum Teil hohen Strafen belegt, die man aus alten und ungeliebten französischen Dekreten herleitete.

1928 erfolgte eine weitere Ausdehnung im oberen Bereich, bis die Flurbereinigung 1978 dann endlich eine Arrondierung und großzügige Ausweitung des Friedhofs zu seinem heutigen Aussehen ermöglichte. Auf 5 Etagen, die durch 115 Stufen verbunden sind, finden die Briedeler nun ihre letzte Ruhestätte. In diesem Zusammenhang erfolgte auch die Erschließung des oberen Teiles mit einer Straße sowie einer Wasserentnahmestelle (mit den Basaltbecken des alten Freiheits-Brunnens) und Grüngutabfallentsorgung.

Der älteste Teil, der "kleine Kirchhof" links neben der Kirche, wurde nach 1987 völlig aufgehoben, nachdem er schon vorher verkleinert wurde, um Parkplatz zu schaffen und die Zufahrt zu Kirche und neuem Pfarrhaus zu verbreitern.

Die Tendenz zu mehr Feuerbestattungen reduziert heute den Platzbedarf durch die kleineren Urnen-Grabstellen. Auch die Bestattung der Urnen in noch in der Ruhefrist befindliche Familiengrabstätten, teils um zusätzlichen Pflegeaufwand zu minimieren, aber auch der Rückgang der Sterbefälle infolge der kleineren Wohnbevölkerung, führt vermehrt zu Freiflächen. Die Gemeinde bemüht sich, durch einheitlichen Abbau nach Ablauf der Ruhefristen und konzentrierte Neubelegung, die Entstehung von unschönen Ecken zu vermeiden und die Freiflächen zu pflegen.

Neben den Reihengrabstätten (Einzelgräber) werden auch Wahlgrabstätten (meist Doppelgräber als Familiengrabstätte) bereitgestellt. Dazu kommen dann Urnengrabstätten (als Reihengrab) sowie die Möglichkeit, Urnen in bestehende Gräber von Familienangehörigen zu bestatten, sofern die Ruhefristen ausreichen. Neu ist ein Rasengrabfeld für Urnenbestattungen, auf dem lediglich durch eine eingelassene Namensplatte auf den Verstorbenen hingewiesen wird. Die Pflege dieser Fläche erfolgt durch die Friedhofsverwaltung. Eine Trennung zwischen katholischen und andersgläubigen oder atheistischen Verstorbenen gibt es nicht mehr.

Die Anfertigung des Grabes und das Tragen der Leiche war anfänglich Sache der Nachbarn des Verstorbenen. Seit 1875 hat die Gemeinde einen Totengräber angestellt, der das Grab macht.

Der Verstorbene wurde früher in seiner Wohnung aufgebahrt und der Sarg in einer Prozession zum Friedhof getragen, bzw. später mit einem Handwagen gefahren. Dieser letzte Ehrendienst war den Nachbarn vorbehalten. Der Bau einer Leichenhalle konnte 1907 mangels "ungünstiger Vermögenslage" der Gemeinde nicht in Angriff genommen werden. Erst 1970 erfolgte deren Bau unterhalb des Friedhofs auf dem Gelände der alten Parf (des 1949 abgerissenen alten Pfarr- und Schulhauses). 2012 wurde sie bereits wieder profanisiert, da kein Bedarf mehr daran bestand. Denn heute wird die Aufbahrung und der Transport von einem Beerdigungsinstitut mit bezahlten Kräften durchgeführt, da die Nachbarn wegen ihrer Auswärtstätigkeit oft nicht am Ort sind und auch die Familien und Bindungen kleiner wurden.

Die einzelnen Grabstellen wurden früher mit schlichten Holzkreuzen ausgestattet, später wurden Gusseisenkreuze verwandt und heute sind es überwiegend Steinkreuze bzw. Steinplatten. Aus dem 17./18. Jahrhundert sind uns noch einige Basaltgrabkreuze überliefert, die Familiengrabstätten der Honoratioren schmückten.

Die Angehörigen schmücken die Gräber immer mit frischen Blumen, sodass der Friedhof ein schönes Bild abgibt. An Allerheiligen ist dann Großauflauf, alle treffen sich am Grab ihrer Angehörigen und der Pfarrer geht segnend durch die Reihen.

Fünf Soldaten, die bei den Kämpfen 1945 in Briedel ums Leben kamen, wurden zunächst auf unserem Friedhof beerdigt. Nach Errichtung der Heldengedenkstätte Prinzenkopf bei der Marienburg wurden sie nach dort umgebettet.

Der Friedhof ist zusammen mit der Kirche als Gesamtensemble zum Kulturdenkmal erhoben worden.

Quellen:
Ortschronik Briedel
Pfarrchronik Briedel
Lagerbuch BAT 71,139,363
Friedhofsakte BAT 71,139,60

 

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Schmerzhafte Mutter Gottes

Pietas in der Briedeler Kirche

und im Sündhäuschen


In der 1946/1947 angebauten Gnaden- / Kriegergedächtsniskapelle der Briedeler Kirche steht eine Pieta der Schmerzhaften Mutter Gottes.

Diese hochgotische Pieta stammt vermutlich aus der Zeit um 1350
(Gutachten des Diözesankonservators, Kanonikus Nikolaus Irsch aus Trier und des Restaurators Voitiè aus Wittlich von 1949).

In der Kapelle des Enkircher Hofes des Klosters Ravengiersburg (vermutlich seit 1135) befand sich ein Muttergottesbild, das besonders verehrt wurde und zu dem Wallfahrten in Gebrauch waren. Diese Kapelle mit dem Gnadenbild wurde Bestandteil des 1338 von frommen Klausnern gestifteten Heiliggeisthospitals, das auch nach der Reformation noch fortbestand, bis 1685 die Franzosen unter Ludwig XIV. hier ein Franziskanerkloster gründeten. Im Anschluss an die Säkularisation unter Napoleon wurde das Kloster aufgehoben und die Kirche der katholischen Gemeinde als Pfarrkirche überwiesen. Das Gnadenbild hatte im Laufe der vielen politischen und religiösen Wirren starke Schäden erlitten und wurde, wie auch andere Einrichtungsgegenstände, in den Folgejahren verkauft. (Prof. Dr. Vogts in: Enkirchs alte Gotteshäuser, HJB Zell 1959)

Pastor Brauweiler aus Briedel hat diese Pieta dann im Jahre 1849 erworben. Anlass war der Bau der Kreuzwegstationen entlang der Sündstraße. (s. Kirchenchronik Briedel 1941 und 1949).

Die Marienfigur wurde repariert, neu bemalt und dann in der 1719 erbauten Sündkapelle aufgestellt. Eine fachmännische Restaurierung wurde weges des Zeitgeistes und des Verwendungszwecks damals nicht in Betracht gezogen. (s. Gutachten Voité)

Sicherlich war auch schon vorher hier in der Altarnische eine Mariendarstellung aufgestellt. In den erhaltenen Urkunden haben deren Anschaffung und Verbleib jedoch keine Spuren hinterlassen.

1948 wurde die Pieta restauriert und, da man den hohen Wert erkannte, nicht mehr in dieser ungesicherten Außenkapelle, sondern in der wenige Jahr vorher erbauten Kriegergedächtniskapelle in der Kirche aufgestellt.

Ersatzweise wurde 1948 eine Nachbildung der Pieta angefertigt. (Bildhauer Jakob Bettendorf aus Olewig) Dafür wurde altes Holz aus dem von der Gemeinde gerade abgerissenen, um 1700 erbauten Hauses "Alte Post" genutzt (s. Kirchenchronik 1948).

1978 hatte auch diese Kopie Schäden aus der Witterung und dem Alter und wurde (von Álfred Bremm, finanziert durch den Heimat- und Verkehrsverein) restauriert.

Es wiederholte sich die Angst vor Diebstahl und die restaurierte Pieta wurde 1985 im gerade neu erbauten Pfarrheim aufgestellt.
Für die Sündkapelle wurde wiederum eine Nachbildung aus einem Kunststoffabguß angefertigt.

Die Befürchtungen trafen leider ein und in 2005 wurde dieser "Abguß" gestohlen.

Die "2.Ausfertigung" aus dem Pfarrheim wurde danach aus Sicherheitsgründen ins Pfarrhaus verbracht.

Nach der ehrenamtlichen Sanierung von Kreuzweg und Sündhäuschen konnte Pfingsten 2006 wieder eine gestiftete Pieta eingewiehen werden.

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Der Kreuzweg

entlang der Sünd von Briedel zum Sonderhäisje

 

Kreuzwege inmitten der Landschaft finden wir in den katholischen moselländischen Orten vielfach. Die Sitte, in Form eines Ganges betend die Leidensgeschichte Jesu nachzuempfinden, wurde gegen Ende des Mittelalters von Pilgern aus dem heiligen Land auch an die Mosel gebracht, wo sie eine rasche Verbreitung fand. Ursprünglich sieben Stationen (sieben Fußfälle) weiteten sich die Leidensdarstellungen bald auf 14 Stationen aus. Siehe dazu die Bilder in der St.Martin-Kirche.
(www.briedeler-geschichte.de/kirche/bilder/kreuzweg.html)

So haben unsere Vorfahren auch in Briedel entlang der Sündstraße einen Kreuzweg mit 7 Stationen von der Kirche bis zur Sündkapelle errichtet. Spätestens 1719, beim Bau des heutigen Sonderhaisje (Sündkapelle) war bereits ein Kreuzweg vorhanden. Im Jahre 1850 wurden, initiiert von Pfarrer Brauweiler und maßgeblich von einer Briedeler Familie finanziert, die teilweise verwitterten Stationen neu errichtet und passende Terrakottareliefs in die Nischen eingesetzt. Die Sündstraße war seit jeher der Hauptzugangsweg vom Ort zu den Äckern und Lohhecken auf der Briedeler Heck. Während des steilen etwa einstündigen Aufstiegs auf die Höhen konnten die Männer, Frauen und Kinder nun den Leidensweg Jesu vom Haus des Pontius Pilatus bis zum Kalvarienberg nachlaufen. Da es auf dem Weg zu schwerer Arbeit war, kostete es keine zusätzliche Zeit wie der Besuch der Gottesdienste in der Kirche und bot damit eine praktische gelebte Form der Frömmigkeit. Die intensive Beschäftigung mit dem Leiden Christi lenkte auch von eigenen Beschwernissen ab.

Mit dem Bau der Bergstraße 1894 und der Motorisierung entfiel der Bedarf an diesem Wirtschaftsweg und die Sünd wurde nur noch vereinzelt als Wanderweg genutzt. Die Bruchstein-Nischen litten unter der Witterung und die Reliefs zerfielen oder wurden mutwillig zerschlagen. 2004 rafften sich auf Initiative von Wilfried Schiefer mehrere rüstige Briedeler Rentner auf und restaurierten in über 500 Stunden ehrenamtlicher Arbeit die sieben Stationen grundlegend. Dabei wurde die erste Station vom Beginn der Kirchentreppe rund 150 Meter höher an den Ortsausgang verlegt, von wo man auf einer Bank einen schönen Blick auf Briedel hat. Eine weitere Station wurde wegen des neuen Wegenetzes an einen günstigeren Standort umgesetzt. Viele Spender und der Förderverein St. Martin ermöglichten die Materialbeschaffung und versorgten die Arbeiter mit Speis und Trank. Die Zivilgemeinde ließ vom Bildhauer Dieter Arenz aus Brauheck neue Reliefs aus rotem Eifeler Sandstein anfertigen, sodass die sieben Stationen heute wieder in frischen Glanze erstrahlen und den Wanderer zur Besinnung einladen.

Im Folgejahr wurde von den gleichen Männern auch die Endstation des Kreuzweges, die Sündkapelle, in mehr als 700 freiwilligen Arbeitsstunden instand gesetzt.
(siehe dazu: Die Sündkapelle)

Für ihr großes Engagement wurde die Gruppe mit dem Ehrenamtspreis der Verbandsgemeinde Zell ausgezeichnet. Auf dem Ehrenamtstag des Landes Rheinland-Pfalz durfte das Projekt vorgestellt werden und erhielt überwältigende Anerkennung.

Heute pilgern die Gläubigen jedes Jahr am Pfingstmontag den Kreuzweg betend hinauf zur Sündkapelle. Auch viele Einzelpersonen nutzen den stillen Weg in der Natur wieder vermehrt zum Besinnen und Meditieren.

1. Fall: Jesus am Ölberg
2. Fall: Geißelung
3. Fall: Dornenkrönung
4. Fall: Christus fällt unter das Kreuz
5. Fall: Tod Jesus am Kreuz
6. Fall: Kreuzabnahme
7. Fall: Grablegung

 

kreuzweg alt

 

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