2.500 Jahre Karneval in Briedel??

Auf dem Gebiet der Gemeinde Briedel wurden mehrfach Steinbeile und Speerspitzen gefunden, die die Anwesenheit von Menschen schon in der Jungsteinzeit (Neolithikum), also ca 3.500 v. Chr., d.h. vor ca. 5.500 Jahren, bekunden.

Auf der Briedeler Hecke sind entlang der alten Römerstraße mehrere Gruppen von Grabhügeln gefunden worden.

Untersuchungen bei Ausgrabungen in den Jahren 1875, 1935 - 1937 und 1953 - 1954 ergaben, daß diese Grabfelder von der späten Hallstattzeit (etwa 7. Jh. v.Chr.) bis weit in die Zeit der Römerherrschaft (3. Jh. n.Chr.) belegt wurden.

Bei diesen und auch frühren Grabungen wurden viele vorgeschichtliche Funde, z.B. Späthallstattgefäße mit Wendelringeindrücken, römische Urnen und sonstige Trink- und Essgefäße gefunden.

Offensichtlich haben schon unsere Vorfahren den leiblichen Genüssen wie Essen und Trinken einen hohen Stellenwert beigemessen, indem Sie ihren Toten entsprechende Grabbeigaben mitbestatteten, damit diese im Jenseits fröhlich weiterfeiern konnten.

Die Reste der römischen Kelteranlage bezeugen, dass schon vor rund 2000 Jahren der Briedeler Wein ein Begriff im ganzen römischen Reich war.

Claudius Maternus berichtete 291 über das Briedeler Kelterhaus: "Ernste und Weinlese können wir nicht mehr bewältigen" und Konstantinus I. Chlorus, der römische Statthalter in Trier hatte bei seiner Rückkehr nach Rom im Jahre 293 n.Chr. auch Briedeler Wein im Reisegepäck. Und dieser soll, so die Kunde, Kaiser Diokletian sehr gemundet haben.

Der Hl. Martin, Bischof von Tours, kam im Jahre 384 auf dem Rückweg von Trier, wo er vom Kaiser empfangen worden war, durch Briedel. Er besuchte seinen Kameraden aus alten Offizierstagen bei der römischen Legion, der auf dem römischen Gutshof (Villa) auf der Briedeler Heck seinen Altenteil verlebte. Aussagen, wie dem Hl. Martin der Briedeler Wein schmeckte, sind uns leider nicht überliefert.

Später war es dann nochmals Kardinal Nikolaus Cusanus, der Briedeler Weine aus dem Geburtsort seiner Mutter, seinen Gästen in Rom kredenzte.

Besonders für uns Karnevalisten interessant sind jedoch Fragmente von Masken aus Tonschiefer, die in den Gräbern mehrfach gefunden wurden. Ob es sich hierbei um um Kultmasken eines keltischen Druiden oder schon um frühkarnevalistische Masken handelt, ist bei den Archäologen und Historikern derzeit noch umstritten.

Um 463 n.Chr. eroberten die Ripuarier (auch rheinische Franken genannt), von Nord-Westen kommend, die Eifel-Mosel-Region mit Köln und Trier. Das kurzzeitig bestehende ripuarische Reich mit Köln als Hauptstadt wird schon bald unter König Chlodwig I. (481-511) in das sich entwicklende Frankenreich eingegliedert.
Hier in Briedel scheint sich eine Gruppe Ripuarier auf Dauer niedergelassen zu haben, denn noch heute haben wir den Kölner Karnevalsruf "Alaaf" sozusagen als Überbleibsel. Damit sind wir wie in der Diaspora, gegenüber den rundum das Mainzerische "Helau" etc. rufenden Korporationen.

Im Mittelalter war Briedel unter der Kuratel von Klöstern und der kurtrierischen Kirche. In den Annalen wird des öfteren von ausgelassenen, ja exzessiven Feiern (siehe: Das Schöffenmal zu Briedel, 1643) berichtet.

Die alten keltischen und fränkischen Bräuche wurden in Briedel offensichtlich über die Jahrhunderte hinweg ausgiebig gepflegt.

Der Visitationsbericht des Jahres 1720 (s. Bistumsarchiv Trier und Lorenzi II, 1887, S. 478) nimmt auf die zu dieser Zeit üblichen Gewohnheiten Bezug, der die Briedeler trotz der vorangegangenen vielen Kriegsjahre als fröhliches Volk erkennen läßt.

Der Vikar von Briedel führte beim Visitator damals Klage über nächtliche Tanzbelustigungen, über Kartenspiel an Sonntagen und über Gelage am 1. Fastensonntag.

Besonders eigentümlich war ihm auch der im Dorfe übliche Brauch, am Aschermittwoch die übriggebliebenen Schinken und Knochen zu vergraben.

Das Protokollbuch der Sendschöffen von 1721 berichtet uns u.a. darüber, daß einige Junggesellen gegen das Verbot des Pastors einen lutherischen Spielmann engagiert hatten und am Aschermittwoch mit ihren Kameraden auf die Marienburg gegangen seien und dort „tags und die darauf folgende Nacht getanzt" hätten. Ihnen wurden 6 Pfund Wachs als Kirchenstrafe andiktiert, die aber nicht eingelöst wurden.

Über verhängte Kirchenstrafen für „unerlaubtes Tanzen" wird in den Kirchenbüchern noch des öfteren berichtet, so zuletzt 1784, als elf Junggesellen, die alle namentlich aufgeführt sind, jeder 9 Albus Kirchenstafe erhielt, weil sie nach Dreikönigen nachts getanzt hätten.

Offensichtlich feierte man hier ausgiebig die Sessionseröffnung.

Strafandrohungen in der Polizeiordnung von 1750: z.B.

- Wenn einer sich in der Öffentlichkeit ungebührlich aufführet (mit Fressen und Trinken)

- wenn einer Lügen über einen anderen erzählet,

- wenn einer etwas über einen anderen erfährt und selbiges ungebührlich kundtut, u.s.w.

waren sicherlich Probleme der Dorfgemeinschaft im ganzen Jahr, und nicht mit dem heutigen Verständnis von Karneval in Verbindung zu bringen.

In der späteren französischen und der preussischen Zeit, die ja als die Geburtsstunde des organisierten rheinischen Karnevals angesehen wird, sind in Briedel nur wenige Eintragungen in den Geschichtsbüchern, die vom ausgelassenen Feiern o.ä. berichten. Der starke kirchliche Einfluss hielt den preussischen Militarismus und die darauf fussenden Persiflagen in Grenzen.

Erst im Zeitalter der Industrialisierung Ende des 19. Jh. kamen die Briedeler Bürger vermehrt über die Grenzen Ihres Ortes hinaus. Die starke Bindung an Scholle und Rebe, die über Jahrhunderte hinaus Dreh- und Angelpunkt der Bevölkerung und des dörflichen Lebens war, lockerte sich und die vorher oft abgeschotteten Einflüsse von außen nahmen zu.

Der „bazillus karnevalis" infizierte die Briedeler, was letztendlich im Jahre 1951 mit der Gründung der Karnevalsgesellschaft Briedel zum organisierten Briedeler Karneval führte.

Aus der Geschichte der Karnevalsgesellschaft Briedel

Die Anfänge des Karnevals im Weinort Briedel reichen - soweit derzeit nachvollziehbar - bis cirka um 1720 zurück.

In dieser Zeit kam dem örtllichem Vikar und Pfarrverwalter der Brauch, am Aschermittwoch die übriggebliebenen Schinken und Knochen zu vergraben, so eigentümlich vor, daß er sich darüber bei der Visitation durch den Bischof beschwerte.

Auch über verbotene Tanzlustbarkeiten von Dreikönigen bis Aschermittwoch ist in den Kirchenbüchern und Schöffenprotokollen des öfteren zu lesen.

(siehe: Bistumsarchiv Trier und Lorenzi II 1887, S. 478)

Anzeichen des „modernen Karneval" zeigen sich dagegen erst mit Beginn der industriellen Revolution im ausgehenden 19. Jahrhundert.

Viele Briedeler suchten und fanden in dieser Zeit eine Arbeitsstelle in der Kölner Region. Nach ihrer Rückkehr in die Heimat brachten Sie auch das

Karnevalsbrauchtum mit, das damals auf fruchtbaren Boden fiel.

Während über die ersten Jahre nur mündliche Überlieferungen bestehen, sind aus der Zeit nach dem 1. Weltkrieg bereits Karnevalsumzüge mit einer Musikkapelle durch den Ort belegt. Kontakte Briedeler Winzer, die den Flaschenweinversand nach Köln und Aachen aufbauten, führten zu einem regen Austausch mit den dortigen „Narren". Dies animierte zu verstärkten karnevalistischen Aktivitäten in Briedel.

Während des 1000-jährigen Reiches erhielten Fastnacht und Karneval - als Ausdruck altgermanischer Kultsitten - einen Freifahrtschein und die Briedeler feierten einen ausgelassenen Straßenkarneval. Während des 2. Weltkriegs stand den Bürgern nicht der Sinn nach Karneval.

Kurz nach Ende des Krieges aber regte sich wieder der „Fastnachtsbazillus".

Der Babiansclub, ein loser Zusammenschluß musikbegeisterter junger Männer initiierte bereits 1946 wieder das Brauchtum Karneval und zog an den Fastnachtstagen als Musikkapelle kostümiert durch den Ort. Die Überlieferungen besagen, dass dabei dem Frohsinn und auch dem guten Briedeler Wein sehr zugesprochen wurde.

1947 dann wurde bereits eine Briedeler Karnevalsprinzessin gekürt. Nach Abschluß des Umzuges gings gemeinsam ins elterliche Hotel der Prinzessin, wo aus der Stimmung heraus närrische Vorträge und Witze von einzelnen Gästen dargebracht wurden. Sozusagen die erste Briedeler Kappensitzung.

Die nächsten Jahre gings in lockerer Form weiter, wobei der Babiansclub zu dieser Zeit immer Initiator und Antreiber war.

Nach der Karnevalszeit 1951 wars dann soweit, man beschloß, dem Ganzen einen festen Rahmen zu geben.

Auszug aus dem Protokoll der Gründungsversammlung vom 15. Juni 1951:

„Seit langen Jahren wird in unserem Weinort die Karnevalszeit gebührend gefeiert. Zu diesem Zweck hatten sich in den letzten Jahren karnevalsbegeisterte Einwohner zusammengefunden, um weiterhin diese Tradition zu wahren und zu pflegen (Babiansclub).

Um all diesem eine organisierte Note zu geben, haben sich verschiedene Personen darum bemüht, eine Gesellschaft zur Förderung des karnevalistischen Gedankengutes ins Leben zu rufen.

Frau Meta Butzen gilt als Hauptverantwortliche für die Gründung der Gesellschaft. Ihr ist auch die erste Mitgliederwerbung zu danken......."

Theo Müller, ein waschechter „Kölsche Jung" der in den Kriegsjahren in Briedel hängengeblieben war, war eine weitere Triebkraft für eine richtige Organisation und damit die Gründung der Karnevalsgesellschaft.

Er wurde auch zum 1. Vorsitzenden der Gesellschaft gewählt.

Am 1.2.1952 startete dann die 1. große Kappensitzung der jungen KG.

Prinz Theo mit seiner Prinzessin Valeria und dem Elferrat bildeten den würdigen Rahmen für viele karnevalistische Vorträge. Die Aktiven wurden von den „Herzchen-Mädchen"

in für die damalige Zeit doch schon recht gewagten „Kleidchen" in den Saal zur Bütt und zurückbegleitet.

Der junge Verein suchte von Beginn an seinen Platz im Dorfgeschehen und beteiligte sich auch ausserhalb der Karnevalssession an den verschiedensten Aktionen. So wurde bereits im August 1952 der Festzug des Weinfestes mit einem Wagen der KG verstärkt.

„Um die Kosten des Wagenbaus zu decken, wurde der Monatsbeitrag für ½ Jahr verdoppelt", steht im Protokollbuch zu lesen.

Am Wochenende vor Weihnachten 1952 wurde ein Theaterabend für die Bevölkerung gestaltet.

Nach sehr langer Debatte beschloss die Jahreshauptversammlung 1953, bei Veranstaltungen einen Eintritt zu erheben.

Mit den Briedeler Wirten wurde eine Vereinbarung getroffen, bei Tanzlustbarkeiten einen Tanzgroschen zu erheben, der zur Mitfinanzierung des Rosenmontagszuges dienen sollte.

In der Session 1953 wurde auch der Schlachtruf „Briedel Alaaf" eingeführt. Auch hier zeigte sich wieder der große Einfluß von Theo Müller, der die Briedeler Narren fest an die Traditionen des Kölner und Aachener Karneval heranführte. Briedel, überwiegend von Karnevalsvereinen nach „Mainzer-Richtung" mit dem Schlachtruf „Helau" umgeben, ist damit faktisch in der Diaspora.

Aber auch die Briedeler Möhnen, die sich im Rahmen der Karnevalsgesellschaft formierten, machten schon 1953 ihre eigene Damensitzung.

Der Rosenmontagszug 1953 bestand aus 18 Wagen und vielen Fußgruppen.

Begleitet wurde er u.a. auch von der Orchestervereinigung Zell, „20 Mann stark mit flotter Marschmusik dem Zuge ein richtiges Gepräge gab".

Es wurde - wie später nochmals 1982 - 1985 - eine Narrenzeitung herausgegeben, die viele Beifall beim Publikum fand.

Aus den Reihen des Babianclub kam die Initiative, innerhalb der KG ein „ganzjährig aktives Blasorchester" zu gründen. Dieses kam jedoch nicht zustande.

Desweiteren gab es den Versuch, eine Tanzgruppe aufzustellen, die neben der Verschönerung der Kappensitzungen und Umzüge auch für die Fremdenverkehrsswerbung eine Bereicherung darstellen würde. Laut Protokoll hatte „der Vorsitzende bereits Kontakt mit einem professionellen Tanzlehrer aufgenommen". Auch diese sicherlich gute Initiative führte zu dieser Zeit nicht zum Ziel.

Bei der Kappensitzung erhilten alle Gäste eine Narrenkappe aus Gesellschaftsmitteln.

Am Rosenmontag 1954 läuft mit 14 Wagen und vielen Fußgruppen in Briedel der einzige Rosenmontagszug im Kreis Zell.

Im August 1954 übernahm die junge Karnevalsgesellschaft die Ausrichtung des Briedeler Weinfestes. Hier wurde erstmals zum Fest der Wein vorher auf Flaschen abgefüllt, während bis dato der Festwein am Brunnen mit einer Leitung direkt aus dem Fass gezapft wurde.

Samstags abends gab einen großen Fackelzug.

Bereits in diesen frühen Jahren wurden intensive Kontakte zu anderen Karnevalsgesellschaften geknüpft, die sich dann in und außerhalb der Session gegenseitig besuchten. So nahm eine Abordnung der KG seit 1954 an Kappensitzungen in Köln und Aachen teil, während die Aachener Narrrenzunft viele Jahre Gast bei den Briedeler Sitzungen war. Aber auch mit Wittlich, Bertrich, Tr-Trarbach usw. fanden rege gegenseitige Besuche statt.

Seit 1956 vertrat die KG die Gemeinde Briedel mehrmals mit einem Weinstand auf dem Bernkasteler Weinfest und nahm mit dem Festwagen am dortigen Umzug teil.

Die Betreuung des Festwagens mit der Weinkönigin und ihren Prinzessinnen auf dem Briedeler und Bernkasteler Weinfest war auch in den 1980er und 1990er Jahren eine gern übernommene Aufgabe der KG´ler. (Einzelheiten über die Erlebnisse bei den nächtlichen Heimfahrten mit den Festwagen aus Bernkastel wurden von der Zensur gestrichen.)

Die Aachener Narrenzunft stiftete zur Session 1957 der Briedeler KG das von Klaus Olles und Bert Siebigteroth getextete und komponierte neue Mosellied „Wenn an der Mosel die Reben blühen"

In den Kappensitzungen 1957 trat erstmals eine Funkengarde von 5 hübschen Mädchen auf, die mit ihren Tänzen die Anwesenden begeisterten.

Am 21.7.1957 traf eine außerordentliche Mitgliederversammlung die kurzfristige Entscheidung, die Ausrichtung des Briedeler Weinfestes 14 Tage später zu übernehmen, da andere Ortsvereine plötzlich abgesagt hatten.

Um 1959 befand sich die Gesellschaft in einer Krise. Innere Querelen hielten viele altgediente Recken und Elferratsmitglieder von einer Mitarbeit ab. So konnte kein Prinzenpaar gefunden werden und die Sitzungen wurden nur dank der Initiative einiger weniger mit neuen jungen Vortragenden erfolgreich gestaltet.

Die Möhnen waren in Topform, so wurde ein närrischer Gesangsvortrag von 3 Briedeler Möhnen im Rundfunk übertragen.

Die Rosenmontagszüge wurden nach 1956 eingestellt und seit 1962 wurde in Briedel kein Prinzenpaar mehr inthronisiert

Von Gründung an wurde stets dem Miteinander der Vereinsmitglieder ein hoher Stellenwert beigemessen. So wurde seit 1953 ein Frühlingsball und später ein Sommerfest für alle Mitglieder und Freunde gestaltet.

Auch von Ausflugsfahrten der Mitglieder und des Elferrates in die nähere und weitere Umgebung ist in den Aufzeichnungen stets zu lesen.

Anscheinend gab dies aber auch zu einiger Kritik Anlass, denn im Protokoll der Jahreshauptversammlung von 1955 steht geschrieben:

„... Zu Beginn unterrichtete der Vorsitzende die Versammlung über die Urlaubsfahrt des Elferrates nach Heidelberg und trat energisch den Gerüchten entgegen, die von einer Finanzierung dieser Fahrt durch Vereinsmittel wissen wollten ...."

Später kamen dann neben die Bus-Tagestouren viele schöne Mehrtagestouren mit dem „Klingenden Moselländer".

Der Bedarf an diesen Gemeninchaftsfahrten hat mit der Zeit nachgelassen. Nur noch die Herren bewahren seit 1983 mit den jährlichen Wander- und Radtouren noch etwas von dieser Tradition.

1968 und 1969 wurde auf dem Platz „Schöne Aussicht" eine Schutzhütte errichtet. Die dort viele Jahre durchgeführten Sommerfeste sind bei den Teilnehmern noch heute in schöner Erinnerung. Noch heute wird diese Schutzhütte, die an exponierter Aussichtslage am Moselwanderweg liegt, von der KG betreut.

Die seit Anbeginn durchgeführten Preismaskenbälle am Weiberdonnerstag wurden immer weniger besucht, insbesondere die jungen Mädchen maskierten sich nicht mehr und daher schwand der Reiz für die Gäste. Die 1975er Veranstaltung riss dann noch ein finanzielles Loch, sodaß man beschloss, künftig keine Maskenbälle mehr zu veranstalten.

Die alten Recken im Elferrat wurden amtsmüde. So wurde in der Session 1981 ein Generationswechsel im Elferat vollzogen. Die neuen, noch unverbrauchten Räte packten gleich kräftig zu und brachten das ruhig dahindümpelnde Narrenschiff wieder auf flotte Fahrt.

1981 wurde die Gesellschaft ins Vereinsregister eingetragen und 1983 trat man dem RKK - Regionalverband Karnevalistischer Korporationen bei. Eine frühere Mitgliedschaft im Bund Deutscher Karneval wurde 1959 aufgegeben.

Aus Sparsamkeitsgründen trug der Elferrat immer seinen schwarzen Hochzeitsanzug mit roter Fliege zur bunt bestickten Narrenkappe. Bei dem einen oder anderen Rat wurde der oft ziemlich eng, und so mußte der vom Vater oder Onkel herhalten.

1984 dann griffen die Elferräte tief in Ihre Taschen und es wurden - den Vereinsfarben entsprechende rote Smokings für alle angeschafft.

(Zur Beruhigung der Leser: auch diese Jacken liefen bei einigen Räten später so sehr ein, dass Ersatz geschaffen werden mußte.)

Die stets rege Beteiligung am Ortsgeschehen bewog 1985 die KG, die Wünsche nach einem Weinstraßenfest zu unterstützen. Sie beteiligte sich mit einem großen Stand am Fest, bis sie diesen 2005 an die Winzerkameraden direkt abgab.  

2010 übernahm sie dafür die vor dem Ende stehende Erdbeerparty am Fronleichnamswochenende am alten Briedeler Strandbad und feiert hier ein rauschendes Sommerfest.  

Nach vielen Anläufen wurde 1985 das Briedeler Pfarrheim fertiggestellt. Zwar entspricht die Saalgröße nicht unbedingt unseren Wünschen, aber die größere Bühne und die besseren Sichtverhältnisse für die Gäste ließen die KG mit den Kappensitzungen ab 1986 hierhin umziehen. Die damit verbundene Chance, Küche und Getränkeservice in eigener Regie zu betreiben wurde gerne genutzt. Dies brachte uns den erforderlichen finanziellen Spielraum, um die gestiegenen Anforderungen bei der Dekoration, den Akteuren und den Tanzgruppen entsprechen zu können. Der Umzug in unser neues Domizil brachte für alle Gruppierungen einen enormen Leistungsschub. Die Nachfrage nach Karten für unsere Veranstaltungen stieg an, sodaß wir seit 1988 am Karnevalssonntag eine dritte Sitzung durchführten. Sinkende Bevölkerungszahlen und verändertes Freizeitverhalten sowie die Vergleiche mit den im Fernsehen fast rund um die Uhr des ganze Jahr über laufenden Comedysendungen führen zu einem Zuschauerrückgang, sodass seit 2004 nur noch zwei Kappensitzungen durchgeführt werden.

Die Funkengarde entwickelte sich zu einem Aushängeschild der Gesellschaft. Die seit vielen Jahren erfolgreiche Teilnahme an Tanzturnieren zeigt den hervorragenden Leistungsstand der Truppe. So sind mehrere 2. und 3. Plätze bei den Rheinland-Pfalz-Meisterschaften der Stolz der jungen Damen.

Der Elferrat, der schon mehrfach als Männer-Ballett die Sitzungen bereicherte, versuchte sich gleichfalls bei der Teilnahme an überregionalen Männerballett-Festivals. Wenn das Ganze auch einen Heidenspass machte, will man diese Repräsentationsaufgaben seither doch lieber der Funkengarde überlassen.

Der Golfkrieg führte auch in Briedel zu der Entscheidung, die Veranstaltungen 1991 alle abzusagen. Daher feierten wir eben 1992 unser Jubiläum 40 + 1 Jahr KG. Das Sessionsmotto „Lachen statt krachen" fand auch überregional große Zustimmung.

Am großen RKK-Tag in Bad Breisig nahm der Elferrat der KG in Anbetracht der großen Hitze in seiner kurzen und leichten „Sommeruniform" teil. Die Zuschauer waren begeistert und auch die Presse war voll des Lobes über diese Idee.

Jugendarbeit wird bei uns großgeschrieben. Durch das Einbeziehen von Kindern wollen wir diesen den „Fastnachtsbazillus" möglichst früh einimpfen um Nachwuchs für die Gesellschaft aufzubauen. Das soll künftig ein fester Garant für den Erhalt des rheinischen Brauchtsums Karneval sein.

Im 50. Jubiläumsjahr hat die Jahreshauptversammlung beschlossen, eine richtig große Geburtstagsfete auf die Beine zu stellen.

Da wir aus räumlichen Gründen nicht in der Lage sind, den seit vielen Jahren erfolgreichen „Karneval im Zeller Land" - eine karnevalistische Veranstaltung mit und für die aktiven Karnevalisten aus allen Karnevalsvereinen der Verbandsgemeinde Zell - durchzuführen, feierten wir vom 8. bis 10. Juni 2001 unseren Geburtstag in einem großen Festzelt.  

Freitagsabends gabs einen „Kölschen Abend" mit den Höhnern, Samstags mittags stieg dann mal der Sommerkarneval in Briedel und Sonntags boten wir für die vielen Radler am autofreien Sonntag „Happy-Mosel" allerlei Kurzweil und Erfrischungen.

Von der Gründung bis 1961 gabs auch in Briedel stets ein Prinzenpaar. Diese Tradition wurde im Jubiläumsjahr 2001 durch die Intronisation eines Dreigestirns mit Prinz, Bauer und Jungfrau entsprechend unserer kölschen Tradition wiederbelebt und in 2006 zum 55. Geburtstagsfest fortgeführt. Auch 2011, im 60. Jahr, wird die Gesellschaft von einem Dreigestirn repräsentiert und veranstaltet im Juni ein großes Mega-Geburtsstags-Wochenende.

Bei einem Gesellschaftsausflug lernten wir den Spaß am Drachenbootrennen kennen und haben diesen tollen Event nach Briedel aufs Weinfest geholt. Hierbei unterstützen wir den Heimat- und Verkehrsverein mit unserer ganzen "Gesellschafskraft"

Weitere Infos
www.karnevalsgesellschaft-briedel.de

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