Mosel- (Briedeler-) Wein macht Weltpolitik

 

Der erste Staufer-König Konrad III. kam mit Hilfe einer nicht unbedeutenden Menge Moselweines an die Macht.

Das Mittelalter gilt als Zeitalter der Trunkfreude, in dieser Zeit stieg der Weinkonsum stetig an. Natürlich galt der Wein auch als Grundnahrungsmittel und als Medizin, denn er machte das oft ungenießbare Trinkwasser bekömmlich. Eine besondere Bedeutung erlangte der Moselwein jedoch, als Konrad III, 1138 zum ersten Staufer-König gewählt werden sollte. Es waren ganze Wagenladungen von Moselwein, die in alle Regionen des Reiches gekarrt worden sind, um jene Fürsten zu besänftigen, die sich der Wahl Konrads III. zum König zu widersetzen drohten. Neben den diplomatischen Anstrengungen war es am Ende dieser gute Moselwein, der verhindern half, dass aus der Königswahl eine schwere Reichskrise erwuchs.

Um die im Mittelalter allmählich wachsende Nachfrage nach Wein zu stillen, wurden in der Zeit der Staufer viele Rebflächen erschlossen, zum Teil auch in Gebieten, deren Klima nicht wirklich für den Weinbau geeignet war. Zunehmend spielte jetzt der Terassenanbau eine Rolle, der im 11. Jahrhundert durch die Mönche des Zinsterzienserordens gefördert wurde. Das Landschaftsbild an Mosel und Rhein ist seither von ihnen geprägt.

Durch die wachsende Bedeutung des Weines wurde die Stellung der Winzer in der Gesellschaft bedeutender. Ein guter Wein wird durch einen guten Winzer gemacht, das war bekannt. Die verbesserte Stellung brachte Vorteile für beide Seiten: eine bessere rechtliche und wirtschaftliche Position für den Winzer und besseren Wein für die Herren.

Mit dem heutigen Wein war der mittelalterliche Wein jedoch nicht zu vergleichen. Eine Einordnung der Weine nach Jahrgang, Rebsorte und Weinlage wurde nicht vorgenommen. Es wurde lediglich zwischen jungem und altem Wein unterschieden - wobei der alte Wein der beliebtere war. Lagebezeichnungen, wie wir sie heute kennen, treten in den Quellen erst ab dem 13. Jahrundert vermehrt auf und dienten meist nur der Beschreibung der Weinberge und nicht der darauf kultivierten Reben.

Manche der heutigen Lagenamen lassen sich bis in die Zeit der Staufer zurückverfolgen.   So waren manche der heutigen Lagen in Briedel bereits zur Zeit der Staufer mit Reben bepflanzt und fanden viele Liebhaber unter den Herren.

Im Jahre 1144 nimmt Kaiser Konrad III. in einer Urkunde das Kloster Springiersbach in besonderen Schutz, beschenkt es mit Gütern und bestätigt ihm seine Besitzungen, darunter auch Weinberge in Briedel. Dies war sicher ein Dankeschön für die gelieferten Wahl-Weine.

Wenige Jahre vor der erwähnten Königswahl war mit Hermann von Salm aus dem Hause der die Vogtei in Briedel innehabenden Herrschaft bereits einer zum deutschen (Gegen- )König gewählt worden. Auch hier kann man davon ausgehen, dass Briedeler Weine mit zu den Schmiermitteln gezählt haben.

Quelle:
nacherzählt nach dem Sonderdruck 2010 der Rhein-Zeitung: "Die Staufer und Rheinland-Pfalz" herausgegeben von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz.
LHAK, Abt. 180, Nr. 23

 

 

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