Der Moselaner

von Alfons Krisam in Merian: Die Mosel

 

Der Moselaner ist an seinem Äußeren schwerlich zu erkennen, jedenfalls nicht so, wie man einen Bayern an Tracht, Kleidung oder Sprache erkennt.

Den typischen Moselaner gibt es nicht. Er kann als Wikinger vor Ihnen stehen, auch als Süditaliener oder Franzose, als Grieche oder als waschechter Ire. Oder gar als einer, der mit allen eben erwähnten Europäern über lange Generationen hinweg verwandt ist. Deshalb regt sich kein schwarzhaariges Elternpaar auf, wenn in der Wiege plötzlich blonder Nachwuchs liegt. Das ist an der Mosel normal.

Schon die Aufzählung dieser Verwandten lässt auf eine bewegte Geschichte schließen, die keineswegs erst mit dem nicht immer angenehmen Besuch eines gewissen Julius Cäsar im Jahre 58 v.Chr. beginnt.

Die ursprünglichen Ahnen der Moselaner sind die weißblonden, blauäugigen Kelten, die, das muss zugegeben werden, seinerzeit Angst und Schrecken in Europa und in Vorderasien verbreiteten, die Rom zerstörten, Griechenland und die Türkei überfluteten und sogar unter den Ägyptern für Unruhe sorgen.

Wer Augen hat zu sehen, der begegnet echten Kelten auch heute noch in der Eifel, an der Mosel und im Hunsrück.

Der größere Teil der Moselaner ist freilich, wie erwähnt, ein Mixtum aus allen europäischen Völkern. Was mit ein Grund dafür ist, dass der Moselaner auch jeden willkommen heißt, der sich hier niederlässt.

Anders als in anderen Gegenden wird hier der Einwanderer sofort integriert, nicht erst die dritte und vierte Generation wird Moselaner.

Ja es lässt sich ohne Übertreibung sagen: Moselaner wird man durch Geburt, aber auch durch Bekenntnis.

Der typische Ausspruch des Moselaners:
"Jetzt trinke mer erst mal e Fläschche Wein, dann könne me ja darüber reden."

 

 

Die Rheinländer
nach Carl Zuckmayer aus des Teufels General

Und jetzt stellen Sie sich doch einmal Ihre Ahnenreihe vor - seit Christi Geburt. Da war ein römischer Feldhauptmann, ein schwarzer Kerl, braun wie ne reife Olive, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Und dann kam ein jüdischer Gewürzhändler in die Familie, das war ein ernster Mensch, der ist noch vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet. Und dann kam ein griechischer Arzt dazu, oder ein keltischer Legionär, ein Graubündner Landsknecht, ein schwedischer Reiter, ein Soldat Napoleons, ein desertierter Kosak, ein Schwarzwälder Flözer, ein wandernder Müllerbursch vom Elsaß, ein dicker Schiffer aus Holland, ein Magyar, ein Pandur, ein Offizier aus Wien, ein französicher Schauspieler, ein böhmischer Musikant - das alles hat am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen, gesungen und Kinder gezeugt - und - und der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven und der Gutenberg und der Matthias Grünewald und - ach was, schau im Lexioon nach. Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten der Welt! Und warum? Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt - wie das Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen. Vom Rhein - das heißt: vom Abendland. Das ist natürlicher Adel. Das ist Rasse. Seien sie stolz darauf, Hartmann - und hängen Sie die Papiere Ihrer Großmutter in den Abtritt. Prost.