Der Briedeler Wahrsager

 

Pfarrer Heinrich Gallus (Hahn) aus Enkirch hatte etliche Personen namhaft gemacht, die den Briedeler Wahrsager gebrauchten. Es wurden dieselben vorbeschieden, waren aber der Anklage nicht geständig. Sie erzählten: Vor dem Dorfe Briedel sei ihnen der Wahrsager begegnet und habe sich auch neben anderem Reden mit ihnen auch zugetragen, daß etliche zu Enkirch ihre Mannheit verloren und da habe der Wahrsager gesagt, sie sollten das nur bei Herrn Heinrich Hahn, ihrem Pfarrer suchen, der habe es ihnen angetan. Des Pfarrers Verantwortung lautete: solche, welche des genannten Übels halber Hilfe bei ihm gesucht haben, habe er ein Kraut, Astranz genannt, gegeben, mit der Weisung, es im Wein zu sieden, die Wurzel aber zu pulverisieren und im Wein zu trinken. Als das nicht geholfen, seien sie zum Wahrsager nach Briedel gelaufen und dieser Erzbösewicht, dessen Schelmerei er wiederholtenmale der Obrigkeit angezeigt, die denselben darauf gefänglich eingezogen.

Dieser habe ihm das Böse Geschrei gemacht. Er konnte es jedoch nicht vollständig widerlegen, daß er bei den Kuren auch abergläubische Mittel angewendet hatte.

So kam er in Verdacht, daß er mit Zauberei umgehe. Dazu kam noch die schwerwiegende Anschuldigung, daß er in der Abendmahllehre ein Anhänger Calvins sei.

Er konnte nicht glauben, daß während des Abendmahls Christus persönlich mit Leib und Blut und seiner göttlichen und menschlichen Natur zugegen sei.
Mit einem anderen, der ihn um Hilfe bei verlorener Manneskraft bat, ging er zu einem Kreuz auf dem Zeller Berg, Pfarrer Gallus habe durch dasselbe ein Loch gebohrt und ihn aufgefordert, sein Wasser durch es zu lassen. So wurde er 1576 fristlos entlassen und mußte mit seiner Familie Enkirch verlassen.

Quellen:
Visitationsbericht der Kirche Enkirch von 1575
Immich-Spier, Hans, Enkircher Annalen, 3. Aufl. Enkirch 2003