Gregor von Tours
und die Einweihung der St. Martin - Kirche in Briedel

Hermann Thur 2/2015

 

Der große Bischof und Schriftsteller Gregor von Tours war 585 auf seiner Deutschlandreise
Quelle: gesta treverorum

Die Flüsse waren zu dieser Zeit die wichtisten Verbindungen, da es noch kein ausgebautes Straßennetz gab und die Entfernungen mit Pferd oder zu Fuß wesentlich langsamer waren als eine Schiffsreise. Er kam auf seinem Weg von Metz nach Trier und traf hier mit Bischof Magnerich zusammen. (Er war als Unterhändler unterwegs mit einer Abordnung des neustrischen (westfränkischen) Königs zum austrischen (ostfränkischen) König)

Danach fuhr er mit dem Schiff die Mosel abwärts nach Koblenz und Andernach, wo er mit König Childebert zusammentraf.
Das Verhältnis von Metz zu Trier und den beiden Königen war zu dieser Zeit mal wieder zerrüttet. Die Abordnung mit Gregor ist daher in Trier nicht vom Schiff gegangen, sondern der Trierer Bischof begab sich zur Ankerstelle des Bootes, das bald danach weiterfuhr. Daraus ist anzunehmen, dass die Abordnung Rast/Übernachtung nicht in trierischem Hoheitsgebiet, sondern im Metzer Hoheitsgebiet machte. Und das war damit Briedel, das auch entferungsmäßig gut in die Reiseplanung hineinpasst.

Auf diesem Wege trug er viele wertvolle Reliquien mit sich.
(Martinsreliquien?)
Childebert, Magnerich und Gregor waren bekanntermaßen alle große Martinsverehrer.

Gregor von Tours hat auf seiner Schiffsreise, so schreibt er in seiner Gesta treverurum, eine Kirche eingeweiht und eine Reliquie hinterlassen. Hat er in Briedel Halt gemacht und die gerade fertiggestellte Kirche dem Hl. Martin geweiht? Briedel war zu dieser Zeit einer der größten Orte in der Region und bereits Metzer Besitz. Einige Lagen auf der Briedeler Heck heißen heute noch danach: „Metzer Kehr ......)

Das Bistum Trier hatte noch keinen Besitz hier an der mittleren Mosel. Erst seit Castor ( um 400 n.C.) drang Trierer Einfluß an die untere Mosel vor. Der Trierer Einfluß im Kröver Reich entstand erst viel später. Das erkennt man auch daran, dass die Sponheimer mit Enkirch/Tr-Tr große Teile da rausbrechen konnten und bis zum Ende maßgeblichen Einfluß und Rechte im restlichen Kröver Reich hatten.

Die fränkischen - merowingischen Könige hatten ihre Machtpositionen noch nicht in allen Regionen gefestigt und waren im Moselgebiet noch nicht überall vertreten.
Quelle: Goerz, Mittelrheinische Regesten I, S. 14 Nr. 37 und 38.

St. Martin war der Schutzheilige der Merowinger, daher erfolgte vermutlich der Kirchenbau unter deren Regie bzw. auf Veranlassung/Stiftung der merowingischen Königsfamilie, die ja auch Ihren Sitz in Metz, der Hauptstadt Austriens hatten.

Die gestrenge Wissenschaft möge hier einmal einen Augenblick vor die Tür gehen, wenn wir uns der, allerdings kritisch gezügelten, Phantasie hingeben und die Kirchweih durch Gregor von Tours annehmen.
Ein alter Historiker.