Die Geschichte des Pfarrheims Briedel

In der Bergstraße war eine Lohmühle und Lohgerberei der Familie Faid-Schönenberg. Der Betrieb war rückläufig, aber im 1. Weltkrieg wurde nochmals Lohe und deren Gerbstoffe gesucht, da durch den Krieg die Einfuhr behindert, andererseits der Bedarf an gegerbten Waren hoch war.

Die alte Lohmühle war sicherlich nicht mehr up to date. Im Jahre 1917 brannte die Mühle ab. Ein Wiederaufbau kam, auch wegen der gegebenen Wirtschaftlichkeit nicht in Frage. So wurde nur das Wohnhaus mit den verfügbaren Mitteln in einfachster Bauweise wieder errichtet. Auf der restlichen Fläche stellten die Inhaber eine Dreschmaschine auf. Auch diese Investition wurde von der Zeit überrollt und 1954 kaufte der Raiffeisenverein das Gelände und errichtete darauf ein modernes Lager.

Die Geschwister Schönenberg waren nicht verheiratet, bzw. hatten keine Kinder. So wurde in einem gemeinschaftlichen Testament die Pfarrgemeinde als Alleinerbe eingesetzt, jedoch mit der Auflage, das Vermögen bevorzugt für die Briedeler Jugend einzusetzen.. Durch den Tod der Katharina 1978 trat dieser Fall ein. Der Erbfall wurde erst nach Trier gemeldet,, als die Frist für die Nichtannahme verstrichen war. Damit sollte verhindert werden, dass Trier die Annahme wegen der mit dem Erbe verbundenen Auflagen ablehnte.

Die Gremien der Pfarrgemeinde und der Zivilgemeinde ließen das Wohnhaus auf entsprechende Nutzungsmöglichkeiten untersuchen. Dabei zeigte sich, das eine Nutzung aufgrund des schlechten Bauzustandes und des Zuschnitts nicht den Anforderungen gerecht werden konnte.

Die Raiffeisenbank, die ein Vorkaufsrecht auf dem Gebäude hatte, wollte ihr Lager erweitern und machte ein Kaufangebot. Die Pfarrgemeinde unter Leitung von Pfarrer Zwirtes wollte jedoch nicht verkaufen, da man sich an die Auflage, etwas für die Jugend zu tun, d.h. einen Jugendraum bereitzustellen, halten wollte. So plante man eine ebenerdige moderne Lagerhalle und im zweiten Stock dann entsprechende Jugendräume sowie Versammlungsräume für die Pfarrei. Die Pläne, die ein Teileigentum der beiden Parteien vorsah, konnten aber nicht überzeugen und auch die Raiffeisenbank sah in Gemeinschafts- bzw. Teileigentumsregelungen keine Zukunft.

Das laufende Flurbereinigungsverfahren bot nun glücklicherweise die Chance, verschiedene Kirchengrundstücke neben den Pfarrgarten mit dem Kindergarten zu legen und weiteres Gelände dort anzukaufen. So wurden dann schnell ein schönes Pfarrheim geplant, in dem auch ein „Raum für die Jugend" vorgesehen wurde. Die Gemeinde erstellte schnell einen gesonderten Bebauungsplan und nahm die Grundstückserschließung von hinten vor. In Anbetracht der beschränkten finanziellen Mittel und unter Berücksichtigung der bischöflichen Baurichtlinien, die die Fläche für Neubauten an gewisse Seelenzahlen knüpften, wurde ein sehr eng begrenzter Planungsauftrag erteilt. Die ersten Planentwürfe 1982 von Architekt Schwarz beinhalteten daher nur einen Versammlungsraum mit Nebenräumen, wie z.B. einer kleinen Teeküche. Heizungs- und Lüftungstechnik wurden auf den Speicher geplant, um eine Unterkellerung einzusparen. Die Pfarrgemeinde und auch die Bürger und Gläubigen wollten aber endlich einen Gemeindesaal haben, der auch größere Familien- und Gemeindefeiern etc. ermöglichen sollte. Durch den seinerzeitigen Anspruch, den Wirten keine Konkurrenz zu machen, hatte Briedel keinen entsprechenden Raum und die Briedeler schauten immer neidvoll in viele Nachbargemeinden.

Das gab den Ausschlag, dass sich die Zivilgemeinde mit 25 % an den Bau- und Unterhaltungskosten beteiligte und damit eine um 1/3 größere Planung ermöglichte. Viele Vorschläge der Raumaufteilung, die lediglich einen Versammlungsraum als Grundlage hatten, wurden jedoch vom Pfarr-Verwaltungsrat abgelehnt und man akzeptierte widerstandslos die Trierer Vorgaben. Die Anforderungen an ein Mehrzweckgebäude mit größeren Nebenräumen wie z.B. einer größeren Küche, fanden keine ausreichende Unterstützung. So wurde bei der Umsetzung keine Rücksicht auf wirtschaftliche Nutzung, z.B. Kappensitzungen genommen und einige Ideen, die von weltfremden Teilnehmern durchgedrückt wurden, kosteten viel Geld, insbesondere in der späteren Unterhaltung.

 

Die aufwändige Viergiebel-Dachkonstruktion passt sich sehr gut ins Ortsbild ein, ist aber pflegebedürftig und die darunterliegenden Speicherräume sind mangels Höhe und Deckenschrägung so nicht vernünftig nutzbar. Die zunächst gut angedachte Umluftheizung erfüllt nicht die in sie gesetzten Erwartungen, ist langsam im Aufheizen, schlecht bei der Abluft sowie sehr störanfällig. Auch blockieren die dicken Rohre drei der vier Giebelräume.

Für die Jugend wurde vorne links ein Raum von ca 30 qm vorgesehen, der ohne Nebenräume etc. deren Ansprüchen nicht genügte. Ein angedachter späterer Einbau einer modernen, dem Bedarf an bis zu 200 Personen gerecht werdender Voll-Küche, ist leider bisher unterblieben.

Im September 1984 konnte das Pfarrheim dann endlich eingewiehen werden. Die Baukosten betrugen rund 900.000 DM.

Der Jugendclub war mit seinem Raum überhaupt nicht zufrieden und daher stellte ihm die Zivilgemeinde entsprechende Räumlichkeiten im Ankersaal zur Verfügung. Der Raum wurde danach lange Jahre vom Schachclub genutzt.

Das Fehlen einer Bühne machte sich schon nach einigen Monaten bemerkbar, als die Karnevalsgesellschaft zur Kappensitzung 1986 rüstete. Die Ortsvereine unter Führung von Heimat- und Verkehrsverein sowie der Karnevalsgesellschaft schafften in einer konzertierten Aktion eine mobile Bühne an, die sie dem Pfarrheim zur Verfügung stellten.

Die Idee, den Küchentrakt mit den kleinen Abstellräumen zum Saal dazu zu nehmen und in diesem Bereich die Bücherei unterzubringen, die man bei Bedarf dann als Saalteil mitnutzen könnte, wurde nicht angenommen. Damit hätte man die Toiletten und Küche sowie einen Stauraum auf die andere Hausseite legen können und Foyer und Garderobe hätten ausreichend dimensioniert werden können. Eine offene freie Treppe und die Erhöhung der Außenmauern um ca 50 cm hätten auf dem Speicher nutzbare Räume, z.B. Clubräume etc. möglich gemacht ohne viel zusätzlich zu kosten. Man hatte einfach zu viel Angst vor der bischöflichen Bauaufsicht, die keinen zusätzlichen Quadratzentimeter mehr zuließ.

Mit der Aufwertung des nebenan liegenden Kindergartens zur Kindertagesstätte erhöhte deren Raumbedarf und so wurde ein Durchbruch geschaffen und der Jugend-/Schachraum dem Kindergarten zugeschlagen. Auch der Saal wird nun als Turnraum für die Kleinen genutzt. Die schon beengte Raumkapazität bei Kappensitzungen wurde dadurch weiter reduziert und der letzte Stauraum genommen. Die Bühne muss seither aufwändig im 100 Meter entfernten Gemeindebauhof untergebracht und immer hin- und hergeschleppt werden.

Vorschläge zur Erweiterung (Bühnenanbau, Stauräume, ) auf dem zum Verkauf stehenden Nachbargrundstück wurden von der Pfarrgemeinde und dem Bistum abgelehnt, weil eine derartige Nutzungsmöglichkeit nicht für kirchliche Veranstaltungen vonnöten sei. Auch die Zivilgemeinde trat den Ideen nicht näher, da es nicht deren Vorstellungen und Ansprüchen an eine Gemeinde-Festhalle und Kleinsporthalle entspricht.

So bleibt es bei den engen Verhältnissen. Hoffen wir, dass neue Sicherheits- und Bauvorschriften zumindest dieses noch lange zulassen.

Die Pfarrgemeinde und das Bistum leidet wie die Zivilgemeinde, an leeren Kassen. Eine Beurteilung der Nutzungsverhältnisse im Zuge der neuen Pfarreiengemeinschaft konnte gerade noch so hingebogen werden, dass der Bedarf als weiter bestehend angesehen wurde und das Pfarrheim vorerst gesichert ist, zumal ja der Kindergarten sozusagen hineingewachsen ist.

Genutzt wird das Pfarrheim von Anbeginn an von der Karnevalsgesellschaft für Ihre Kappensitzungen und die vorbereitenden Übungen, dem Gemischten Chor und dem Fanfarenzug für die regelmäßigen Übungsabende sowie Jahresversammlungen etc. Die Zivilgemeinde hat es zum Gemeindesaal mit allen öffentlichen Veranstaltungen wie Wahllokal, Ratssitzungszimmer, Bürgerversammlungen etc. gemacht. Auch die kirchlichen Termine wie Altenabend, Seniorennachmittage etc. sowie im Winter als kostengünstig heizbarem Kirchenraum beleben das Pfarrheim. Darüberhinaus steht das Pfarrheim den Briedelern für Familienfeiern, Feten und Konzerte etc. bereit.

Anfangs stand auch ein kleiner Getränkebestand zur Selbstbedienung bereit. Nach vielen Abrechnungs- und Diebstahlsproblemen wurde dieser Service eingestellt.

Der Reinigungsdienst wird von der Pfarrgemeinde organisiert. Zusatzreinigungen der Nutzer und ein gemeinsamer „Putztag" für innen und außen sollen die Kosten tragbar halten.

Im Vorbereich wurde von der Zivilgemeinde ein Kleinkinder-Spielplatz eingerichtet, der auch rege genutzt wird.

1993 stand das Hochwasser 15 cm hoch in den Räumen. Dies verursachte Schäden am Bodenbelag.