Pieta der Schmerzhaften Mutter Gottes in Briedel
Hermann Thur, 11/2014

In der 1946/1947 angebauten Gnaden- / Kriegergedächtsniskapelle der Briedeler Kirche steht eine Pieta der Schmerzhaften Mutter Gottes.

Diese hochgotische Pieta stammt vermutlich aus der Zeit um 1350
(Gutachten des Diözesankonservators, Kanonikus Nikolaus Irsch aus Trier und des Restaurators Voitiè aus Wittlich von 1949).

In der Kapelle des Enkircher Hofes des Klosters Ravengiersburg (vermutlich seit 1135) befand sich ein Muttergottesbild, das besonders verehrt wurde und zu dem Wallfahrten in Gebrauch waren. Diese Kapelle mit dem Gnadenbild wurde Bestandteil des 1338 von frommen Klausnern gestifteten Heiliggeisthospitals, das auch nach der Reformation noch fortbestand, bis 1685 die Franzosen unter Ludwig XIV. hier ein Franziskanerkloster gründeten. Im Anschluss an die Säkularisation unter Napoleon wurde das Kloster aufgehoben und die Kirche der katholischen Gemeinde als Pfarrkirche überwiesen. Das Gnadenbild hatte im Laufe der vielen politischen und religiösen Wirren starke Schäden erlitten und wurde, wie auch andere Einrichtungsgegenstände, in den Folgejahren verkauft. (Prof.Dr.Vogst in: Enkirchs alte Gotteshäuser, HJB Zell, 1959)

Pastor Brauweiler aus Briedel hat diese Pieta dann im Jahre 1849 erworben. Anlass war der Bau der Kreuzwegstationen entlang der Sündstraße. (s. Pfarrchronik Briedel 1941 und 1949).

Die Marienfigur wurde repariert, neu bemalt und in der 1719 erbauten Sündkapelle aufgestellt. Eine fachmännische Restaurierung wurde wegen des Zeitgeistes und des Verwendungszwecks damals nicht in Betracht gezogen. So wurde der ursprüngliche Stil der modernen Zeit angepasst und Holzschäden und Bemalung amateuerhaft durch Ortseinwohner „repariert".(s. Gutachten Voitié)

Sicherlich war auch schon vorher hier in der Altarnische ein Marienbildnis aufgestellt. In den erhaltenen Urkunden haben deren Anschaffung und Verbleib jedoch keine Spuren hinterlassen.

1948 wurde die Pieta restauriert und, da man den hohen Wert erkannte, nicht mehr in dieser ungesicherten Außenkapelle, sondern in der 1947 neuerbauten Kriegergedächtniskapelle in der Kirche aufgestellt. 2014 erfolgte eine erneute Renovierung durch Ferdinand Lawen. Auf die vollständige Behebung der Fehler der früheren Sanierungen wurde dabei im Hinblick auf die Geschichte des Kunstwerkes, bewusst verzichtet.

Ersatzweise wurde 1948 eine Nachbildung der Pieta angefertigt. (Bildhauer Jakob Bettendorf aus Olewig) Dafür wurde altes Holz aus dem von der Gemeinde gerade abgerissenen, um 1700 erbauten Hauses "Alte Post" genutzt. (s. Kirchenchronik 1948)

1978 hatte auch diese Kopie Schäden aus der Witterung und dem Alter und wurde von Alfred Bremm, (finanziert durch den Heimat- und Verkehrsverein) restauriert.
Im Zuge der Renovierung der Gefallenenkapelle wurde auch die Pieta 2014 durch den Restaurator Ferdinand Lawen wieder aufgefrischt.

Es wiederholte sich die Angst vor Diebstahl und die restaurierte Pieta wurde 1985 im gerade neu erbauten Pfarrheim aufgestellt.
Für die Sündkapelle wurde wiederum eine Nachbildung aus einem Kunststoffabguss angefertigt.
Die Befürchtungen trafen leider ein und in 2005 wurde dieser "Abguss" gestohlen.

Die "2.Ausfertigung" aus dem Pfarrheim wurde danach aus Sicherheitsgründen ins Pfarrhaus verbracht.
Nach der ehrenamtlichen Sanierung von Kreuzweg und Sündhäuschen konnte Pfingsten 2006 dort wieder eine gestiftete Pieta eingewiehen werden.