Kirchen- und Gemeindeleben in Briedel im Mittelalter
Rundgang beim Schöffenmahl 2011
Hermann Thur 6/2011

Herzlich willkommen hier in Briedel, dem rund 2000 Jahre alten Weinbaudorf.

Als Thema der heutigen Einstimmung wurde mir "Kirche & Gemeinde im Mittelalter" vorgegeben. Aus dem im Laufe der Jahre nicht immer konfliktfreien Miteinander zwischen Zivilgemeinde und der kirchlichen Obrigkeit versuche ich daher, Ihnen einige Geschehnisse näher zu bringen. Auch das eine oder andere markante Gebäude, das es heute nicht mehr gibt, soll dabei Erwähnung finden..

Schöffenmahl
Der Grund für unser heutiges Zusammentreffen ist, wie es der Name ja sagt, die Wiederbelebung des Historischen Schöffenmahles von Briedel.

Briedel war bis zur Säkularisation durch die französische Besatzung 1794 Sitz eines großes Gutshofes des Klosters Himmerod und die Pfarrei diesem Kloster incorportiert. Neben vielen weiteren gegenseitigen Rechten und Pflichten war der Pastor, grundsätzlich ein vom Kloster gestellter Pater, einmal im Jahr verpflichtet, den Schöffen der Zivilgemeinde und ihren Frauen ein Essen zu geben. Es war sozusagen ein Danke für die für die Pfarrgemeinde erbrachten Leistungen.
1643 schon beschwerte sich Bruder Balthasar wiederholt bei der Klosterleitung darüber, das sich die Schöffen trotz der enormen Fülle des Dargereichten über zu kleine Portionen monierten. Bruder Balthasar schrieb noch: "Das Angebot von Wein setzte dem Ganzen die Krone auf..."

Die Aufstellung der Speisen, die den ca 16 Personen seindt aufgetragen worden, ist uns daher erhalten geblieben.

Die genaue Speisenfolge können Sie in dem Faltblatt des Schöffenmahl nachlesen.

Der Streit zwischen dem Pfarrer und den Schöffen, heute sozusagen dem Gemeinderat, zog sich über 130 Jahre hin, bevor dann schließlich 1773 das kurfürstliche Gericht in Trier die Schöffen verurteilte und das Schöffenessen damit abschaffte.

Heute dürfen Sie alle an dem seit 2005 wiederbelebten Geschwelge teilhaben.

vielleicht auch Neid der Syn odalen/Kirchenschöffen, die nicht teilnehmen durften.

Alte Geschichte

Wir stehen hier oben über den Dächern des Ortes auf historischem Boden an einer Nahtstelle zwischen der Religion mit der Kirche und der weltlichen Macht mit z.B. dem Eulenturm, dem alten Wachtturm an der Ortsbefestigung.

Schon bei den alten Volksstämmen hatte die Religion oft einen wesentlichen Einfluss auf das menschliche Zusammenleben.

Im alten Ägypten führte der Gegensatz, aber auch die zeitweise Zusammenarbeit zwischen dem Pharao und den Priestern letztendlich zur Blüte des Staatswesens.

In Griechenland wurde keine wichtige Entscheidung z.B. über Krieg oder Frieden, getroffen, ohne vorher das Orakel, die Meinung der Götter und damit der Priesterschaft, befragt zu haben.

Die römischen Kaiser bemühen sich stets, ihre Ideen und ihren Willen über die vielen Götter beim Volk akzeptabel zu machen, wobei die säkulare militärische Macht die Richtung vorgab.

Auch bei unseren direkten Vorfahren, den Kelten, ergänzten sich die Fürsten und Dorfältesten einerseits und die Druiden andererseits bei der Führung des Volkes und oft waren die Druiden die geheimen Herrscher über die Sippen.

Die Teilung der Macht mit den gegensätzlichen Schwerpunkten bildete sozusagen die Vorläufer unserer heutigen politischen Gewaltenteilung.

Die Taufe des Merowingerkönigs Clodwig im Jahre 496 ist der Beginn der ca 1500-jährigen mehr oder weniger engen Verbindung der europäischen Staatsmächte und Grundherrschaften mit der katholischen, der römischen Kirche.

Durch diese Taufe erhielt die römische Kirche die Vorherrschaft und drängte die bis dato in Ost- und Mitteleuropa sich ausbreitende arianische Christenheit, die eine Verbindung von Religion und Staat ablehnte, zurück.

Die enge Verzahnung der herrschenden fränkischen Adelsschicht mit dem sich formierenden Klerus in Pfarreien und Klöstern wurden dann von den Karolingern noch wesentlich verstärkt. So wurden die Kaiser des heiligen römischen Reiches deutscher Nation generell vom Papst ernannt und gesalbt. Im Gegenzug dazu spielten die Kaiser dann die weltliche Schutzmacht für Papst und Kirche.

Mit den Pfarreien und dem damit verbundenen Zehnt erschloss sich auch den adeligen Grundherren eine stabile Einnahmequelle. für die nachgeborenen Söhne und die nicht für politisch motivierte Heiraten einsetzbaren Töchter wurde das Klosterwesen ausgebaut. Durch Schenkungen und Erbanteile errangen gerade diese eine große Macht als Grundherren. Die Mönche und Nonnen sollten ja gut leben und Zeit und Muße haben, um für das Seelenheil der Stifter zu beten.

Nach dem Zerfall des römischen Reiches gegen Ende des 5. Jahrhunderts und dem Einzug der Franken in unsere Region wurden die alten römischen Landgüter etc. aufgegeben. Grundeigentum, so wie wir es heute verstehen, gabs noch nicht. Das Land, d.h. Felder, Wald und Wiesen gehörte dem König. Dieser belehnte damit jeweils seine Mannen, die ihm im Gegenzug z.B. Waffenhilfe leisten bzw. ihm entsprechende Nahrungsmittel liefern mussten. Da auch die vom König direkt belehnten i.d.R. dem Adel entstammten, wollten diese nicht selbst arbeiten und verlehnten ihre Rechte in kleineren Stücken weiter. Dabei waren die Verpflichtungen der Empfänger natürlich höher als die eigenen, denn von der Differenz wollte man ja gut leben. Das ging dann so stufenweiser weiter bis zu den armen Bauern, die dann auf den Ackerflächen malochen mussten und wegen der hohen Pachtabgaben und Steuern mehr recht als schlecht dahin vegetierten.

Briedel und seine Einwohner kamen so, wie eine Reihe weiterer Orte an der Mosel, schon in der Merowingerzeit in den Besitz des Bistums Metz. Ausschlaggebend hierzu waren sicherlich die verwandtschaftlichen Verhältnisse, denn Metz war sozusagen die Residenzstadt der Merowingerkönige Austrasiens, dem Ostteil des fränkischen Reiches. Die Bischöfe von Metz waren Angehörige des Königshauses, Bischof Arnold z.B. in Bruder des Königs Childebert. Auch später ist Erzbischof Balduin von Trier in Bruder des Kaisers Heinrich VII.

Das Bistum Metz übertrug am 20.5.748 zur Erstausstattung einen Teil seiner Rechte in Briedel, darunter auch einen Anteil am Zehnten, an sein neugergündetes Kloster Gorze, weitere Anteile kamen an das Tochterkloster Neumünster, um 983 ist dann das gleichfalls zu Metz gehörende Kloster St. Trond Inhaber des Zehnten und größter Weinbergsbesitzer in Briedel.

Wenn auch entsprechende Urkunden nicht überliefert, bzw. bis heute nicht gefunden wurden, so gehen wir doch davon aus, das die erste Kirche in Briedel unter der Merowingerherrschaft schon um 585 nC erbaut wurde.

St. Martin-Geschichte
Der früheste vermutete Konflikt zwischen Kirche und staatlicher Macht ist aus der Überlieferung des Bischofs Martin von Tours gezeigt.

384 kommt St. Martin, der zum Kaiser nach Trier beordert war, und sich mit diesem dort überwarf und Trier über Nacht schnell verlassen musste, auf dem Weg zu seinen Bischofskollegen in Mainz (Ausoniusstrasse Trier-Mainz = ca 5 km)
und Köln noch über die Briedeler Heck.
Grund dafür ist, das er dem Gutsherren des großen römischen Landgutes einen Besuch abstattet.
(Hemberg, Weerth).
(Wir suchen dazu als Beweis noch ein Hufeisen von St.Martins-Pferd)
Auf dem Brunnen in der Ortsmitte ist auch ein Schmied dargestellt, der gerade dabei ist, ein neues Hufeisen zu schmieden.

Dieser war vermutlich ein Offizierskollege von St. Martin aus seiner Ausbildungszeit bei der römischen Armee in Oberitalien.
Bekanntlich bestand der Sold der römischen Soldaten nur zu einem geringen Teil aus laufenden Zahlungen und Kriegsbeute, sondern nach ehrenhafter Beendigung ihrer i.d.R. 25-jährigen Dienstzeit bekamen die Veteranen ein Grundstück hinter der Grenze, das Sie bebauen mußten. Damit sicherte sich Rom eine nahe Versorgung seiner Grenztruppen und besiedelte das Hinterland, um es dadurch besser überwachen und damit evtl. Einfälle von Feinden eher erkennen zu können.

Die Beaufsichtigung der Briedeler Untergebenen, der Einzug der Pacht und des Zehnten sowie der Transport des Weines nach St. Trond war aufgrund der Entfernung so schwierig, das das Kloster seinen gesamten Besitz in Briedel 1376 an das nur einen Tagesritt entfernte Zisterzienserkloster Himmerod in der Eifel verkaufte. Schon wenige Jahre später wurde der Ort Briedel dem Kloster Himmerod incorportiert, d.h. wir wurden Bestandteil der Pfarrei Himmerod und kamen in die Obhut des Bistums Trier. Als Gegenleistung verpflichtete der Trierer Erzbischof, Kurfürst Balduin, das Kloster Himmerod, jährlich eine Messe für seine Seelenheil und das seines Bruders Kaiser Heinrich VII und dessen Gattin zu lesen.
(Diese Verpflichtung ist im Zuge der Säkularisation im Zusammenhang mit dem Verlust der Güter, untergegangen.)
Vorteil dieser Regelung für Briedel war die Bestimmung, das nun das Kloster für die Pfarrstelle voll verantwortlich war und ständig ein Pater als Pfarrer vor Ort war, ein weiterer Pfarrer war als Verwalter der Güter zuständig.
Die sonst übliche Versteigerung/Verkauf der Pfarrstelle und der damit verbundene Versuch, möglichst übermäßig viel Zehnt zu erheben, blieb Briedel dadurch erspart.

Bau der Kirche

Nachdem der Vorgängerbau unserer heutigen Kirche bei den Visitationen über viele Jahre hinweg als zu klein, zu dunkel und baufällig bezeichnet wurde, schritt man 1773 zum Neubau.
Während das Kirchenschiff von den Zehntherren, dem Kloster Himmerod und dem Trierer Weihbischof finanziert und von den Briedeler Pfarrkindern in Fronarbeit errichtet wurde, hat die Zivilgemeinde den Glockenturm alleine erbauen müssen. Begründung dazu war u.a., das die Glocken ja auch der Einberufung zum Geding oder als Gefahrenmeldeanlage, z.B. bei Feuer, die Sachwerte schützen würden.
Bei der Innenausstattung verweigerte dann die Zivilgemeinde weitere Zahlungen mit der Begründung, die Bürger seien durch die vielen Spendensammlung schon genug gemolken worden. Das Kloster hat daraufhin z.B. die Deckenausmahlung alleine finanziert.

Einzelheiten können Sie dem im Turm ausliegenden Faltbaltt entnehmen.

Die Stühle in der Kirche, sozusagen Sitzrechte, waren unter den einzelnen Familien verkauft worden. "Einige haben sechs, sodass die armen Leute stehen müssen und die reichen Kinder sitzen", ist im Schöffenbuch bemäkelt.
Auch über Schlägereien in der Kirche wird desöfteren geschrieben.

Alte Parf

Die erste Schule im Ort wurde vom Kloster Himmerod im Pfarrhaus eingerichtet. Dieses damals imposante Gebäude stand hier neben der Kirche, anfangs unterrichtete der Pastor die Kinder, später (ab 1633 nachgewiesen) gab es dann einen angestellten Lehrer der Zivilgemeinde.
Die Räume waren bald zu eng und zu alt, aber trotz vieler Aufforderungen zur Verbesserung errichtete die Gemeinde erst 1831 den neuen Schulbau an der Moselstraße auf einem Grundstück, das aus dem Vermögen des Klosters stammte. Die alte Parf, wie das Haus hier im Volksmund genannt wurde, diente danach noch lange der Kirchengemeinde für die verschiedensten Zwecke und Lagerraum, bis es 1950 wegen Baufälligkeit endgültig abgerissen wurde. Das geplante neue Pfarrhaus wurde auf der anderen Seite gebaut und hier dann die Leichenhalle errichtet, die heute aufgrund veränderter Beedigungsriten wieder unbenutzt steht.

Grafenkelterhaus

In der Ferne auf der anderen Seite unter dem Marienburger Sattel befand sich das kurfürstliche Grafenkelterhaus. Eine Kelterstätte, die, so weisen es die archäologischen Befunde aus, schon den den Römern erbaut und genutzt wurde. Dieses Kelterhaus war für die kurfürstlichen Weinberge auf der anderen Moselseite, auch für die Pündericher und Kaimter Ernten zuständig.
Heute sind nur noch Mauerreste erhalten.

Hausensemble Lorentz

Unter dem Turm anstelle der heutigen Raiffeisenbank standen zwei große Fachwerkhäuser der Familie Lorentz, die über Jahrhundert hinweg den Schultheißen, sozusagen den Stellvertreter des Kurfürsten im Ort, stellten. Die Häuser sind Anfang des 19. Jhd. einem Brand zum Opfer gefallen.
Obwohl der Kurfürst als weltlicher Herr und der Bischof als kirchlicher Herr identisch waren, stand der Schultheiß sehr oft im Gegensatz zum Pfarrer als einem Vertreter des Himmroder Kosters.

Sehr interessante Geschichten können wir den Sendschöffenbüchern entnehmen. Diese kirchlichen Richter beobachteten die Pfarrkinder und versuchten alle möglichen Vergehen zu entlarven und zu bestrafen. Neben Weinstrafen, die die Schöffen selbst dann schnell tranken, kamen vor allem auch Wachsstrafen für die Kerzen in der Kirche infrage.

z.B. bestraften die Sendschöffen, heute sozusagen die Kirchenvorstände, einen Bruder des Schultheißen mehrmals, weil er seine Gastwirtschaft schon sonntags morgens während der Messe geöffnet hatte und Wein ausschenkte. Dieser wehrte sich aber und verweigerte immer die Strafzahlung mit der Begründung, er habe eine kurfürstliche Genehmigung, am Sonntag sein Gasthaus zu öffnen und darin sei keine Zeitbeschränkung enthalten.

kleine Wohnhäuser Römerstraße

Mitte des 19. Jhd. sind hier in der Römerstaße 5 Wohnhäuser abgebrannt. Die Gemeinde hat danach die Grundstücke aufgekauft und damit die Straße verbreitert.

Kurtrierer Hofhaus

Wir stehen hier vor einem der ältesten erhaltenen Häuser Briedels aus dem Jahre 1594. In seiner Schlichtheit ist es ein rechter Gegenpol zu seinem Nachbarn. Jüngere Forschungen haben uns erkennen lassen, das es sich hierbei um das zweite kurfürstliche Kelterhaus in Briedel handelt und es nicht zum Kloster Himmerod gehörte, wie bisher angenommen. Auch die Funktion als reines Kelterhaus ohne repräsentativen Sitz eines Vertreters der Herrschaft belegt die schlichte Bauausführung.

Klerus und Adel benötigten in ihren Wohnanlagen ein hygienisch sauberes Getränk, da ihnen dort frisches Quellwasser nicht immer zur Verfügung stand und andere offene Wasserläufe oft verunreinigt waren. Und die erste Wahl dabei war der durch den Alkohol haltbar und einigermaßen hygienisch saubere Wein. Die Alternative dazu war das Bier, das aber infolge des geringeren Alkoholgehaltes und fehlender Kühlmöglichkeiten nicht so lange haltbar war. Im Laufe des Mittelalters stieg der Weinbedarf in den aufkommenden Städten, den Klöstern und Burgen rasant an, denn die dort zu versorgenden Menschenmengen wuchsen stetig. Erst später kam der Genussfaktor des Weines dazu. Heute Abend wollen wir uns jedoch ausschließlich diesem zuwenden.

Insbesondere die Klöster versuchten daher, möglichst viele Weinberge zu beherrschen, um ihren Patres (die einfachen Arbeiten bekamen nicht immer etwas davon ab) die Tagesration von bis zu 5 Liter Wein bieten zu können. Wein entwickelte sich dadurch zu einem begehrten Wertaufbewahrungs- und Tauschmittel. Aus diesen Konstellationen heraus waren die Klöster im Mittelalter die weitaus größten Weinbergsbesitzer.

Um 1700 besaßen in Briedel 26 Klöster und Kirchen über die Hälfte der Weinberge, 14 adelige Herrschaften ein weiteres Drittel und nur knapp 20 % waren im privaten Besitz. Dabei entstanden die privaten Weinberge überwiegend durch schwere Rodung auf ursprünglich gemeindlichem Grund in den steilen Felsen. Die kirchlichen und ritterlichen Weinberge waren zumeist als Erbpacht gegen Abgabe einer Hälfte (2. Traube) vergeben. Drittel- und Viertelpacht sind in dieser frühen Zeit nicht nachgewiesen.

 

Rathaus Brunnenplatz

Im 18. Jhd. trieb einmal ein gutbetuchter Briedeler Bürger eine auswärts erworbene Kuh sonntags morgens währen der Messe durch das Dorf zu seinem Stall. Er wurde daraufhin von den Sendschöffen zu einer hohen Weinstrafe verurteilt.

Auf diesem Platz stand bis 1948 das Rathaus der Gemeinde. Es musste wegen Kriegsbeschädigungen abgerissen werden. Ein Brunnen als Gedenken an die Freiheitskriege 1812/1813 gegen Napoleon stand zunächst davor und wurde dann auf den Platz verlegt. 1960 wurde dieser Brunnen durch einen künstlerischen Moasikbrunnen ersetzt, der jedoch nicht die Zustimmung der Bevölkerung fand und so wurde dieser jetzige Basaltbrunnen 1984 errichtet.
Momentan sind Reparaturen am Wasserzu- und ablauf in Gange.

Der Kurfürst von Trier, identisch mit dem Erzbischof, hatte sich auch zwischenzeitlich die Vogteirechte unter seinen Nagel gerissen, die zunächst von den Grafen von Salm bzw. den Grafen von Oberstein ausgeübt wurden. Damit konnte Briedel "unter dem Krummstab gut leben", denn Orte mit weltlichen Herrschaften hatten oft unter den Streitigkeiten und Erbauseinandersetzungen ihrer Herren zu leiden.

Das Vogteirecht war damals die Haupteinnahmequelle des weltlichen Herren. Dieses bestand überwiegend in den Strafen und Bußen, die vom örtlichen Schöffengericht verhängt wurden und bei uns überwiegend in Weinablieferungen bestanden. Gemäß dem Briedeler Weistum erhielt der Lehnsherr (Kurfürst) 2/3 und der Vogt 1/3 der Bußen. Später kamen dann noch einzelne Steuern z.B. der Simpel, eine an den Ertragsmöglichkeiten bemessene Grundsteuer und die verschiedensten Gebühren dazu. Sondersteuern und Umlagen. z.B. die Türkensteuer oder Konstributationszahlungen im Zuge der verschiedenen Kriege vervollständigten die Möglichkeiten der Aussaugung der Bevölkerung.

In Briedel gab es, im Gegensatz zu verschiedenen Nachbarorten, auch nie Leibeigene im engeren Sinne. Die Bürger waren zwar durch Verträge an die jeweiligen Grundherren gebunden, aber man konnten neben Eigenland auch Flächen verschiedener Grundbesitzer bewirtschaften. Da der Zehntherr (die Pfarrei) und der größte Grundbesitzer (das Kloster Himmerod) identisch waren, war auch der oftmals große Zwist daraus bei uns nicht spürbar. Auch die Grenzen zwischen Pfarrgemeinde und Zivilgemeinde waren oft verschwommen. Diese Abgrenzung war, da ja die Gemeindebürger fast deckungsgleich mit dem Pfarrangehörigen waren, auch nicht von Belang.

In der Gemeindechronik von 1803 steht geschrieben:
Vor dem Rathaus errichtete man einen Freiheitsbaum mit den französischen Nationalfarben und vergnügte sich 8 Tage. Dann musste man feststellen, das sich eigentlich nichts geändert habe.

Frühmesserei

Einmal wurden einige Briedeler Jünglinge zu hohen Wachsstafen verurteilt, weil Sie an Neujahr auf die Marienburg gingen und dort zu Klängen eines lutherischen Spielmannes tanzten. Dabei wollten die doch nur die Karnevalssession eröffnen. Auch Beschwerden über verbotene Tanzlustbarkeiten an Aschermittwoch und Gasthausbesuche am Sonntagmorgen füllen die Sendschöffenbücher.
Bei einer Visitation durch den Bischof im Jahre 1720 beschwert sich der Pfarrverwalter über den in Briedel üblichen Brauch, am Aschermittwoch die übriggebliebenen Schinken und Knochen zu vergraben.

Wegen der gestiegenen Anzahl der Schäfchen waren mehrere Messen Sonntags und in der Woche erforderlich. Da das der amtierende Pater/Pfarrer nicht durfte, stellte die Zivilgemeinde zusätzlich einen Frühmesser d.h. einen Geistlichen ohne Pfarrerstatus auf Gemeindekosten an. Die Finanzierung erfolgte über die Bereitstellung von Wohn- und Wirtschaftsgebäuden und Überlassung aus einer "Frühmesserstiftung" von Weinbergen und Ackerland zur Bewirtschaftung. Die Frühmesserstelle wurde jeweils ausgeschrieben und die damit verbundenen Pfründe versteigert.

In der französichen Besatzungszeit wurde das Objekt als kirchlicher Besitz eingestuft und versteigert. Bemühungen der Zivilgemeinde, ihre Rechte geltend zu machen und das ja von ihr aufgebrachte Vermögen zu sichern, misslangen.

Dieses Frühmesserei genannte Gebäudesensemble sehen wir hinter uns. Der Ostflügel wurde im Zuge der Verbreiterung der Ortsstraße teilweise abgebrochen und diese Fassagenseite ging verloren. Der Hofflügel soll seit Jahren saniert werden. Bisher bremsen die Auflagen des Denkmalschutzamtes und der Nachbarn die Umsetzung aus.

Aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen hatte die Zivilgemeinde die Kosten der Wallfahrten zu bestreiten.
So geht aus überlieferten Aufzeichnungen hervor, das z.B. die Fahnenträger und die Chorsänger je Wallfahrts-Tag 1 Maß (1,3 l) Wein von der Gemeinde erhielten.
Bei Wallfahrten nach Reilkirch stellte die Zivilgemeinde Essen und Trinken für alle Teilnehmer sowie das Pulver für die Böllerschüsse.
Bei Klausenwallfahrten finanziert die Zivilgemeinde das Wachs für die Kerzen sowie Wein für speziell genannte Wallfahrtsteilnehmer.

Zehntscheune

Anscheinend lief es bei der Ablieferung des Zehnten nicht immer wie von den Herrschaften gewünscht. So wurde 1154 eine neue Zehntordnung eingeführt. Danach wurde der Zehnt nun direkt in den Weinbergen in natura erhoben, wobei der Pastor persönlich die Ablieferung überwachte.

Die Pachtanteile wurden überwiegend schon immer in natura an den herrschaftlichen Kelterhäusern abgeliefert.

Über den Zinswein, eine in späteren Jahrhunderten eingeführte Naturalsteuer wird in den Annalen desöfteren von einer unzumutbaren Qualität berichtet.

altes Rathaus 1615

Hier stehen wir vor dem alten Rathaus, dem Vorgänger des auf dem Brunnenplatz abgerissenen. In der damals offenen Halle tagte das Schöffengericht öffentlich und die angeordneten Naturalstrafen wurden teilweise anschließend gemeinsam getrunken.

 

Während die Häuser und Weinberge klar zugeordnete Besitzer und Pächter hatten, waren die Ackerflächen und der Wald Gemeinschaftseigentum der Gemeinde und wurden zusammen genutzt. Die Ackerflächen wurden dabei in einen i.d.R. 12-jährigen Rhythmus an die Bürger verpachtet und in Form der Rottwirtschschaft bebaut. Die Weiden im Wald wurden gleichfalls gemeinschaftlich genutzt. Dazu hatte die Gemeinde einen Schweinehirten, zeitweise auch einen Kuh- und Ziegenhirten fest angestellt. Die Schweine wurden von diesem Zur Eichelmast gemeinsam in den Wald getrieben. Streitigkeiten daraus waren weniger unter den Bürgern als gegenüber den Nachbarorten gegeben.

Die Reformation hatte in Briedel im Herrschaftsgebiet des Trierer Bischofs, ja keine Chance.
Die Aufhetzung der Pfarrkinder gegen die reformierten bezog sich auch meist nur gegen die sponheimischen Enkircher und deren Weide- und jagdrechte auf der Briedeler Heck.
Lt. einem Vermerk in der Enkircher Chronik bot der Enkircher Pastor auf der Briedeler Heck Segnungen gegen Impotenz an. Die Männer mussten durch ein Loch in einem Bretterkreuz Wasser lassen und der Pastor segnete es. Nach Bekanntwerden wurde er entlassen.

Die Wirren des 3o-jährigen Krieges brachten für Briedel auch viel Leid aufgrund der durchziehenden Söldnertruppen und der vielen umherziehenden Banden infolge des aufgetretenen Machtvakuums, z.B. wurde die Kirche und Ort mehrfach geplündert. Auch im folgenden pfälzischen Erbfolgekrieg ging es mit den Qualen der Bevölkerung noch viele Jahre weiter.

1594 wurden in Briedel die Kirchenbücher, und damit eine regelmäßige Kontrolle über Geburten (Taufen), Hochzeiten und Sterbefälle eingeführt. Während hier alle Pfarrkinder verzeichnet wurden, enthielten die weltlichen Steuerliste meist nur den Namen des Haushaltsvorstandes.
1798 wurden diese durch die Einführung der Zivilstandsbücher durch die Franzosen abgelöst bzw. ergänzt.

Viele Regelungen zeugen von einem im allgemeinen guten Verhältnis zwischen Pfarr- und Zivilgemeinde.
so hatte z.B. der Pastor immer Bürgerrecht, (Brennholz, Acker, Weiderecht) ohne sich einkaufen zu müssen.
Die Gemeinde lieferte das Brennholz für Pfarrhaus und Kirche.
Der Pastor braucht bis heute für seinen Hund nur die halbe Hundesteuer zu zahlen, da der Hund ja auch die Kirchengegenstände bewachte.

Schule/Mönchhof

Diese Schule wurde, wie schon erwähnt, 1832 erbaut um 1874 um ein weiteres Stockwert aufgestockt. Heute ist die Schule ungenutzt und das schöne Stück steht unter Denkmalschutz. Viele Ideen einer Revitalisierung sind bisher am fehlenden Geld gescheitert.

Erst durch die Säkularisation im Zuge der französischen Annexion 1794-1815 wurden die klerikalen Besitztümer verstaatlicht und versteigert.
Die Hauptkirche und ein Pfarrhaus wurden dabei jedoch durch die Franzosen der Pfarrei belassen. In Briedel wurde der Sitz der Himmeroder Mönche schnell zum Pfarrhaus deklariert und der große Pfarrgarten zum Bauplatz für die Schule ausgewiesen.

So wurden diese Objekte von der Privatisierung verschont. Erst 1962 wurde das bis dahin genutzte Pfarrhaus privat verkauft.

z.B. baute auch die Zivilgemeinde um 1850 im Pfarrhaus für den Pastor ein ruhiges Zimmer aus, weil die Tanzmusik aus dem Saale Binninger diesem zu laut war.

Da viele Winzer kein Geld zum Ansteigern hatten, kam der alte Adel unter neuem Namen wieder meist zu Zuge.
Eine kurze Geschichte schildert, das mehrere Briedeler Bürger als Beauftragte der Gemeinde und vieler Bürger nach Cochem aufs Amtsgericht zogen, um dort die angebotenen Briedeler Grundstücke zu ersteigern. Da der Weg ja vormittags bis zum Versteigerungstermin nicht zu schaffen war, reiste man am Vortag an und nahm Quartier bei einem in der Nähe von Cochem wohnenden ehemaligen Briedeler. Abends setzte man sich zusammen, erzählte sich die Neuigkeiten und vergleich die mitgebrachten Briedeler Weine mit den Gewächsen aus dem Cochemer Krampen. Es wurde spät und als man am nächsten Morgen aus dem Bettren kroch, war es zu spät. Die Versteigerung schon vorbei. Unter anderem hatten mehrere finanzstarke Familien, heute würden diese als Finanzinvestoren oder Heuschrecken bezeichnen, die Briedeler Güter nebst den Gebäuden für wenig Geld erworben. Einige verkauften ihre Weinberge dann mit gutem Gewinn an die Briedeler. Ein Traben-Trarbacher Weingut hingegen, das die ganzen kurfürstlichen Weinberge nebst dem Hofhaus erworben hatte, betrieb das Weingut weiter. Wie der Kurfürst setzten diese einen Hofmann als Verwalter ein und die Pächter mussten Ihre Naturalpacht und den Zehnten wie bisher an die gleiche Stelle liefern. Von einer Verbesserung der Situation der Winzer konnte keine Rede sein.

 

 

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