Augustmücken- (Eintagsfliegen)  fangen

Vor der Kanalisierung der Mosel und den Entwässerungsmaßnahmen der Flurbereinigungen waren die Feuchtwiesen und Buhnen und Krippen (Polder) der Mosel ideale Brutstätten für die Eintagsfliegen. Die Larven eines ganzen Gebietes schlüpfen praktisch gleichzeitig und steigen in großen Schwärmen auf. Im Fluge werden die Weibchen begattet und die Männchen sinken nach dem Akt tot zu Boden.

In den warmen, windstillen Abendstunden im August (vom Neumond bis Vollmond) schwirrten diese zu Milliarden über dem Wasser und wurden von Lichtquellen magisch angezogen. Jeder hellere Punkt wurde umschwirrt und morgens lagen die verendeten Mücken Zentimeterhoch auf der Erde. Die Straßenlampen wurden - sofern schon vorhanden - teilweise abgeschaltet und die Fenster der Wohnräume wurden verhängt und abgedunkelt. Rolladen gabs ja noch nicht. Die enorme Anzahl dieser mottenähnlichen Fliegen verdunkelte richtiggehend die Lichtquellen.

Nun versuchte insbesondere die Jugend ja immer, sich etwas zu verdienen, denn Bargeld war in den Winzerfamilien rar und die Eltern waren oft nicht in der Lage, ihren Kindern Taschengeld zu geben.

Die toten Eintagsfliegen wurden als Fisch- und Vogelfutter (genannt Weißwurm) verwandt und dazu aufgekauft. Sie boten damit eine Chance, sich etwas Geld zu verdienen.

Bei einbrechender Dunkelheit (und am besten bei bedecktem Himmel) zog es daher die jungen Männer mit Tüchern und Lampen bewaffnet ans Moselufer. Hier wurden Decken ausgebreitet und darauf kam eine oder zwei hell leuchtende Karbidlampen. Batteriebetriebene Taschenlampen und ähnliches hatte man noch nicht bzw. sie waren zu teuer. Jeder versuchte, die Leuchtkraft seiner Lampen aufs maximale zu bringen.

Die Mücken, die eine Lebenserwartung von nur ca. zwei Stunden hatten, zogs gezielt zum hellsten Lichtpunkt, und war der Unterschied noch so klein.
Sie umschwirrten zu Tausenden die Lampe um zuletzt verendet auf der Decke liegen zu bleiben. So mußte man die Decke nur noch zusammenzuklappen und das Bündel mit dem ganzen Inhalt nach Hause zu schaffen. Mit etwas Glück konnte so an einem Abend bis zu 15 kg Mücken geerntet werden. Im Mai, wo dieses Phänomen andernorts oft vorkommt, war der Mottenflug an der Mosel nicht so stark, ein Sammeln lohnte sich zu der Zeit nicht.

Die Mücken wurden auf dem Speicher getrocknet und konnten dann an Händler verkauft werden.

 

 

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