Hausmarken
Die Wappen der Winzer und Bauern

Eine Hausmarke (auch Hauszeichen, Hantgemal) ist eine mit dem Wappen vergleichbare Erscheinung. Sie ist jedoch sehr viel älter als dieses. Ihrem Wesen nach ist sie ein altes germanisches Sippenzeichen. Ursprünglich war sie ein Persönlichkeitszeichen, sie ersetzte die Person, bzw. den Namen und war ein Unterschriftsersatz. Auch ist sie eine Rechtsinstitution, die schon in den alten germanischen und nordischen Gesetzen erwähnt wird.

Verwendet wurde die Hausmarke zum Bezeichnen des unbeweglichen wie des beweglichen Gutes, des Leblosen wie des Lebendigen. Sie entstand aus den Bedürfnissen des bäuerlichen Lebens. Doch hat auch das bürgerliche Leben der Stadt genug Gelegenheit zur Verwendung von Hausmarken gegeben und in den mittelalterlichen Steinmetz- und Handwerkerzeichen, sowie bis heute in den Warenzeichen und Handelsmarken Ableger geschaffen. Als Brandzeichen bei Viehherden eroberten sie auch die neue Welt.

Die Hausmarke diente auch den Leuten, die damals überwiegend des Schreibens unkundig waren, als Möglichkeit der Kennzeichnung der Güter und war innerhalb der Dorfgemeinschaft repräsentativ für die betroffene Person und die Familie. Sie diente bei Verträgen als Unterschriftsersatz und zur Bekräftigung. Die Hausmarke wurde vom jeweiligen Familienoberhaupt geführt und ihr Einsatz (ähnlich dem späteren Siegel) band die gesamte betroffene Familie an den Vertrag.

Die Hausmarken wurden vom Vater auf den ältesten Sohn vererbt. Die anderen Söhne mussten die Hausmarke durch zusätzliche Merkmale (Striche o.ä.) erweitern. Dabei waren jedoch meistens klare Regeln zu beachten, sodass sich aus dem Zeichen heraus immer die Generationenfolge bzw. die Familienlinie erkennen ließ. Frauen konnten nur in Ausnahmefällen die ererbte Hausmarke führen. Sie mußten diese dann meistens liegend oder gestülpt anwenden.

Etwas anders zu sehen ist die in einigen Regionen verbreitete Hofmarke. Hier ist das Zeichen nicht an eine Person oder Familie gebunden, sondern an den Hof bzw. das Gut. Beim Verkauf z.B. hat der neue Besitzer auch das Hofzeichen übernommen ohne blutsverwandt zu sein. Oft sogar hat er dann den Hofnamen als neuen Familiennamen angewandt.

Mit der Verbreitung der Lese- und Schriftkenntnisse der Bürger nahm die Bedeutung und Nutzung der Hausmarken ab. Heute findet man Sie aber noch desöfteren als Symbol in den zwischenzeitlich zugelegten Familienwappen.

Bei den Verlosungen z.B. der Zuteilung der Ackerstücke aus den gemeinsamen Rottländereien wurden mit Hausmarken gekennzeichnete Holzwürfel (Loshölzer) noch lange benutzt. Die Würfel mit den Zeichen aller Berechtigten, die vom Ortsschulzen auf einer Schnur (sog. Rosenkranz) verwahrt wurden kamen dann in ein Säckchen, aus dem heraus dann die jeweiligen Teile der "Lohstücke" gezogen wurden. Nach bis Mitte des vorigen Jahrhunderts haben viele Bürger die ihnen zugelosten Parzellen vor Ort noch mit ihren Hausmarken gekennzeichnet und abgegrenzt.

Die Briedeler Nachtwächterstäbe dienten u.a. sicherlich auch diesen oder ähnlichen Zwecken.

Heute findet man diese Hausmarken als Zeichen des Erbauers von Häusern noch vielfach auf den alten Türgewänden und Eckbalken.

Auch auf einer Reihe erhaltener alter Basalt-Grabkreuze lassen sich die Zeichen erkennen und damit die Familien identifizieren.

Der Briedeler Lehrer Hitzel konnte im Jahre 1934 noch 52 verschiedene Hausmarken identifizieren, die zumindest bis Ende des 19. Jhd. noch in Gebrauch waren. Weitere Forschungen erhöhten den Bestand der überlieferten Briedeler Hausmarken auf über 100. Leider können einige davon heute nicht mehr eindeutig den Inhabern zugewiesen werden.

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