Der Kreuzweg entlang der Sünd von Briedel zum Sonderhäisje

 

Kreuzwege inmitten der Landschaft finden wir in den katholischen moselländischen Orten vielfach. Die Sitte, in Form eines Ganges betend die Leidensgeschichte Jesu nachzuempfinden, wurde gegen Ende des Mittelalters von Pilgern aus dem heiligen Land auch an die Mosel gebracht, wo sie eine rasche Verbreitung fand. Ursprünglich sieben Stationen (sieben Fußfälle) weiteten sich die Leidensdarstellungen bald auf 14 Stationen aus. Siehe dazu die Bilder in der St.Martin-Kirche.
(www.briedeler-geschichte.de/kirche/bilder/kreuzweg.html)

So haben unsere Vorfahren auch in Briedel entlang der Sündstraße einen Kreuzweg mit 7 Stationen von der Kirche bis zur Sündkapelle errichtet. Spätestens 1719, beim Bau des heutigen Sonderhaisje (Sündkapelle) war bereits ein Kreuzweg vorhanden. Im Jahre 1850 wurden, initiiert von Pfarrer Brauweiler und maßgeblich von einer Briedeler Familie finanziert, die teilweise verwitterten Stationen neu errichtet und passende Terrakottareliefs in die Nischen eingesetzt. Die Sündstraße war seit jeher der Hauptzugangsweg vom Ort zu den Äckern und Lohhecken auf der Briedeler Heck. Während des steilen etwa einstündigen Aufstiegs auf die Höhen konnten die Männer, Frauen und Kinder nun den Leidensweg Jesu vom Haus des Pontius Pilatus bis zum Kalvarienberg nachlaufen. Da es auf dem Weg zu schwerer Arbeit war, kostete es keine zusätzliche Zeit wie der Besuch der Gottesdienste in der Kirche und bot damit eine praktische gelebte Form der Frömmigkeit. Die intensive Beschäftigung mit dem Leiden Christi lenkte auch von eigenen Beschwernissen ab.

Mit dem Bau der Bergstraße 1894 und der Motorisierung entfiel der Bedarf an diesem Wirtschaftsweg und die Sünd wurde nur noch vereinzelt als Wanderweg genutzt. Die Bruchstein-Nischen litten unter der Witterung und die Reliefs zerfielen oder wurden mutwillig zerschlagen. 2004 rafften sich auf Initiative von Wilfried Schiefer mehrere rüstige Briedeler Rentner auf und restaurierten in über 500 Stunden ehrenamtlicher Arbeit die sieben Stationen grundlegend. Dabei wurde die erste Station vom Beginn der Kirchentreppe rund 150 Meter höher an den Ortsausgang verlegt, von wo man auf einer Bank einen schönen Blick auf Briedel hat. Eine weitere Station wurde wegen des neuen Wegenetzes an einen günstigeren Standort umgesetzt. Viele Spender und der Förderverein St. Martin ermöglichten die Materialbeschaffung und versorgten die Arbeiter mit Speis und Trank. Die Zivilgemeinde ließ vom Bildhauer Dieter Arenz aus Brauheck neue Reliefs aus rotem Eifeler Sandstein anfertigen, sodass die sieben Stationen heute wieder in frischen Glanze erstrahlen und den Wanderer zur Besinnung einladen.

Im Folgejahr wurde von den gleichen Männern auch die Endstation des Kreuzweges, die Sündkapelle, in mehr als 700 freiwilligen Arbeitsstunden instand gesetzt.
(siehe dazu: Die Sündkapelle)

Für ihr großes Engagement wurde die Gruppe mit dem Ehrenamtspreis der Verbandsgemeinde Zell ausgezeichnet. Auf dem Ehrenamtstag des Landes Rheinland-Pfalz durfte das Projekt vorgestellt werden und erhielt überwältigende Anerkennung.

Heute pilgern die Gläubigen jedes Jahr am Pfingstmontag den Kreuzweg betend hinauf zur Sündkapelle. Auch viele Einzelpersonen nutzen den stillen Weg in der Natur wieder vermehrt zum Besinnen und Meditieren.

1. Fall: Jesus am Ölberg
2. Fall: Geißelung
3. Fall: Dornenkrönung
4. Fall: Christus fällt unter das Kreuz
5. Fall: Tod Jesus am Kreuz
6. Fall: Kreuzabnahme
7. Fall: Grablegung

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