Die landwirtschaftliche Betriebsgenossenschaft
Briedel eG ( LBG)

Hermann Thur, 11/2013

Die landwirtschaftliche Betriebsgenossenschaft Briedel eG wurde 1953 mit Unterstützung der Bezirksregierung Koblenz und dem Raiffeisenverband Mittelrhein von 43 Briedeler Bürgern gegründet.

Die Gemeinde Briedel hatte Teile ihres Gemeindemitgliederlandes ( Allmende) aufgeteilt und 528 Parzellen je ca. 1 Morgen (25 ar) an ihre Bürger übertragen. Da für den Bau der Siedlung Briedeler Heck 1935 ca. 60 Parzellen dieser ursprünglichen Niederwaldflächen (Rottwald) und Weidegebiete zugunsten des Siedlungsgebietes Briedeler Heck wieder eingezogen wurden, erhielten die Betroffenen 1938 andere Rottstücke als Entschädigung zugewiesen. Um nach dem Krieg eine nochmalige Enteignung zu verhindern, sowie der Nahrungskanppheit zu begegnen, mussten diese Flächen unverzüglich gerodet werden. Damit sollte einem weiteren Land-Ausverkauf an Ortsfremde und der Errichtung weiterer Siedlerstellen ein Riegel vorgeschoben werden.

Bald zeigte sich jedoch, dass diese Äcker zu weit vom Ort entfernt lagen (12-15 km) und mit den Kuhfuhrwerken nur nach stundenlangem An- und Heimweg erreichbar waren, denn Traktoren waren noch rar und auch langsam. Desweiteren fehlte den Kriegerwitwen ausreichende Arbeitskraft, um das Roden und Urbarmachen zu bewerkstelligen. Dieses konnte nur in Gemeinschaft umgesetzt werden und führte so zur Gründung der Genossenschaft.

Die Satzung nennt uns: "Der Gegenstand des Unternehmens ist die Bewirtschaftung der im Besitz der Mitglieder befindlichen Ländereien durch gemeinsamen Maschinen- und Arbeitseinsatz sowie Beschaffung der hierzu erforderlichen Hilfsmittel". Damit ist der Zweck der neugegründeten Genossenschaft umfassend erklärt.

Die Genossenschaft übernahm die Rodungsarbeiten von 50 Morgen Niederwald und begann mit der Nutzung von insgesamt rund 40 Hektar Ackerflächen. Während zunächst nur Getreide angebaut wurde, pflanzte man in den 1960ern auch einige Jahre lang Kartoffeln an. Viele Bürger, die ihre Äcker aus den vorherigen Privatisierungen auf der Briedeler Heck selbst bewirtschafteten, erkannten die Vorteile des Zusammenschlusses und traten im Laufe der Jahre der Genossenschaft bei. Auch die Gemeinde selbst brachte die ihr noch verbliebenen Grundstücke, nach Ablauf der Pachtverträge, in den gemeinschaftlichen Betrieb ein. So stieg die Anzahl der Mitglieder auf 250, die mit 600 Anteilen rund 130 Hektar Ackerland zur Nutzung bereitstellten.

Zu Beginn wurde vieles in Handarbeit und unter hohen Lohnkosten bearbeitet. Im Laufe der Zeit erfolgte stets eine Modernisierung des Maschinenparks, um die gestellten hohen Anforderungen zu ermöglichen. Lohnarbeiten für die noch freien Bürgeräcker verbesserte die Auslastung der teuren Ackergeräte. Damit war stets eine rationelle Bewirtschaftung sichergestellt und die Genossenschaft konnte in den Jahren immer hohe Ertragsanteile an ihre Mitglieder ausschütten, die teils weit über den ortsüblichen Pachten lagen.

Staatliche Förderprogramme zur Flächenstillegung und Rotationsbrachen wurden ab 1989 in Anspruch genommen. 2002 wurde der aktive Betrieb dann ganz eingestellt und die Fläche komplett verpachtet. Die erzielbaren Pachtpreise waren durch die Geländenutzung mit Energiepflanzen für angrenzende Bio-Gas-Anlagen und den Bedarf der Viehzuchtbetriebe zur Gülleverwertung so stark angestiegen, das eine Eigenbewirtschaftung nicht mehr wirtschaftlich war.

Es kann in der Nachbetrachtung gesagt werden, dass die Landwirtschaftliche Betriebsgenossenschaft die in sie gesetzten Erwartungen in vollsten Maßen erfüllte und den Mitgliedern den Erhalt ihres Grundeigentums ermöglichte sowie eine recht passable Rendite erbrachte.

 

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