Die Briedeler Nachtwächterstäbe

Aus der altgermanischen Gemeinde- und Gerichtsverfassung stammt der Kehrstock. Die Dinggenossen wurden vom Richter durch Entsendung eines Stabes zur Gerichtsversammlungen geladen. Der Stab wurde vom Richter oder Dorfschulzen einem Dingpflichtigen übergeben, der dieses Vorladungssymbol an den Nächsten weiterzugeben hatte, auch diesem oblag die gleiche Pflicht, bis der Stab zum Richter zurückkehrte. Wer den Stab nicht oder nicht in der rechten Weise weitergab, konnte empfindlich bestraft werden. Mit diesem Verfahren war trotz der fehlenden Lese- und Schreibkenntnisse die ordnungsgemäße Einladung sichergestellt.

Eine weitere Verwendung war die Festlegung der Reihenfolge, in der öffentliche Pflichten von den Gemeindemitgliedern zu erfüllen waren. Die Reihenfolge der Zeichen bestimmte die Reihenfolge der Pflichten oder Rechte, wobei es für jeden Bereich separate Stöcke gab.

So war der Brauch als Nachtwächterstab in Briedel noch bis ins 20. Jahrhundert üblich.
Der Nachtwächter führte den Stab während seines Rundganges bei sich und klopfte dabei an die Tür dessen, der als nächster an der Reihe war und übergab diesem am nächsten Morgen den Stab.

Auch zur Festlegung der Nutzung des Gemeindebackhauses etc. wurden die mit den Hausmarken gezeichnete Stäbe noch lange verwandt.

Sogar als Vorgabe für die Verrichtung der Stundengebete in der Karwoche ist der Einsatz des Kehrstocks überliefert.

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Heute werden die Stäbe im Mittelmoselmuseum in Traben-Trarbach aufbewahrt.

 

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