Das NSV-Entbindungsheim Briedel

Die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) war ein 1932 gegründeter Verein, der als Staatsorganisation die Monopolisierung der gesamten freien Wohlfahrt anstrebte. Die Arbeiterwohlfahrt wurde verboten und Rotes Kreuz, Diakonie und Caritas stark zurückgedrängt. Im Verlaufe des Krieges übernahm die NSV vermehrt staatliche Aufgaben, insbesondere in der Kinder- und Jugendarbeit. Die Untergliederung "Hilfswerk Mutter und Kind" hatte sich auf die Hilfe für Mütter mit Kleinkindern, insbesondere aus der Aktion "Lebensborn" ausgerichtet. Dazu gehörten auch Entbindungsheime, in denen die arischen Mütter einige Wochen vor und nach der Geburt in relativer Ruhe leben konnten und bei der Geburt selbst durch Hebammen und Pflegerinnen betreut wurden.

Im Verlaufe des Krieges fielen eine Reihe von Heimen durch Bombardierungen etc. aus, sodass man vermehrt Unterkunftsmöglichkeiten in ländlichen "kampffreien" Gebieten suchte.

Das Hotel Briedeler Haus war in der Vorkriegszeit ein gerne besuchtes Haus der NS.-Gemeinschaft Kraft durch Freude (KdF). 1944 erinnerten sich einige Entscheidungsträgerinnen der NSV ihrer in Briedel verbrachten Urlaubstage. So kam es, dass das Hotel (Tourismus gab`s ja keinen mehr) von der NSV requiriert und zum 1. Juli 1944 ein NSV-Entbingungsheim eingerichtet wurde.

Eine Hebamme mit zwei jungen Schwesternhelferinnen übernahmen die Betreuung der bald ankommenden hochschwangeren Frauen. In einem größeren Zimmer wurde ein provisorischer Kreißsaal eingerichtet und zwei Zimmer wurden für die Babys mit Kinderbettchen ausgestattet.

Bei den Müttern handelte es sich vorzugsweise um Einwohnerinnen von ausgebombten Städten sowie aus den evakuierten Orten des Westwalls, die hier Zuflucht fanden. Das Krankenhaus in Zell war durch verwundete Soldaten stark belegt. Daher wurden auch zu erwartende Risikogeburten aus der Umgebung in Briedel versorgt.

Die Unterlagen verzeichnen für 1944 = 38 und für 1945 = 17 Geburten. Einige Babys und auch Mütter sind verstorben. Einzelheiten dazu konnten aber nicht mehr ermittelt werden.

Die Frauen waren mit den Helferinnen für die Sauberkeit der Zimmer zuständig, während das Essen für alle aus der Hotelküche kam. Die Lebensmittelrationen waren trotz kleiner Zuschläge knapp und vieles konnte auch mit den Lebensmittelmarken nicht eingekauft werden. Zum Hamstern (Tauschen) von Nahrungsmitteln und Anbau im eigenen Garten hatten die jungen Frauen auch keine Gelegenheit. Inge, die Tochter des Hauses, erinnert sich noch heute, dass sie mit einem Handwägelchen in die Obstwiesen fuhr, um dort Fallobst einzusammeln. Daraus wurde dann Kompott gekocht, um den Speiseplan aufzubessern.

Nach dem Einmarsch der amerikanischen Besatzungstruppen wurde das Entbindungsheim geschlossen und die verbliebene Einrichtung im Mai 1945 von der Caritas übernommen. Die Franzosen, die die Amerikaner als Besatzungstruppen ablösten, beschlagnahmten das Hotel und richteten dort das Quartier für ihre Offiziere und die Ortskommandantur ein.

 

 

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