200 Jahre Qualitätsweinbau an Mosel-Saar-Ruwer

Bis in die jüngste Vergangenheit findet sich in der heimischen Weinbau-Literatur der
Hinweis, daß der letzte Trierer Kurfürst Clemens Wenzeslaus 1787 verordnet habe, den
Moselweinbau auf die Rebsorte Riesling umzustellen. So noch 1984. Dennoch enthalten
weder die kurtrierischen Hofratsprotokolle vom 27. März, 8. Mai, 25, Oktober 1787, noch
die auf die damals im Hofrat gefaßten Beschlüsse zurückgehenden landesherrlichen
Verordnungen vom 8. Mai und 30. Oktober einen Hinweis auf die Umstellung auf
Rieslingreben,1 sondern ordnen die Ausrottung der schlechten, unter dem Namen
„Rheinisch" bekannten Reben und den Anbau von guten Reben an ihrer Stelle an.
Darauf habe ich bereits im Jahrbuch des Kreises Trier-Saarburg 1972, Seite 118, „Neue
Ära im Weinbau" hingewiesen. Die Erweiterung der Unterlagenbasis durch Fotokopien der
betreffenden Hofratsprotokolle aus dem Landeshauptarchiv in Koblenz liefert nun die
Möglichkeit, das Vorgehen der kurtrierischen Behörden im Auftrag des letzten Trierer
Erzbischofs und Kurfürsten Clemens Wenzeslaus aufzuzeigen.

Landwirtschafts-verbesserung

Clemens Wenzeslaus und sein Hofrat bemühten sich seit 1776, durch Verbesserung
landwirtschaftlicher Methoden eine Produktionssteigerung im Ackerbau2 und eine
Qualitätsverbesserung im Weinbau im Kurstaat Trier in den 1780er Jahren zu erreichen,
zum Wohle der Untertanen aber auch zum landesherrlichen Nutzen. Dies galt besonders
im Weinbau. War doch der Kurfürst mit über 1 Million Weinstöcken vor der Abtei St.
Maximin zu Trier (600.000 Stock) der größte Weingutsbesitzer3 im Trierischen Kurstaat.
Der Weinabsatz war damals außerordentlich schlecht. So verkaufte die Abtei St. Maximin
in dem Jahr 1785 bei einem Herbst von 309 Fudern nur 3 Fuder, 1786 von 288 Fudern nur
3 Fuder und 1787 bei einem Herbst von 324 Fudern von Weinbergen an Mosel, Saar und
Ruwer nichts.4 Die Abtei St. Maximin wird als Musterbeispiel gelten können. 1785 klagen
die Trierer Zünfte in einem Schreiben an den Landesherrn: „der Weinhandel, der noch
eine Einnahme sein könnte, liege darnieder, weil die fremden Kaufleute wegen der hohen
daraufliegenden Steuern sich fernhielten."5 Die Gründe für diesen schlechten Weinabsatz
damals dürften jedoch weniger in der hohen Steuerbelastung als in der geringen
Weinqualität gelegen haben, welche durch eine schlechte Rebsorte entstand. Im
Kurtrierischen Hofratsprotokoll vom 27. März 1787 rügt Geheimrat (1769 - 1791) v.
Lassaulx damals folgende Fehler im moselländischen Weinbau:

„Der erste Fehler bei unserem Weinbau besteht darin, daß zuviel Kleinberger gebaut wird.
Der zweite Fehler, daß dieser gar noch mit durchaus verwerflichen Trauben „Rheinisch"
genannt, vermischt werde. Diese (rheinische) Traube wäre gänzlich auszurotten und dazu
die entsprechenden Weisungen an die betreffenden Ämter (damalige Verwaltungsbezirke
im Kurstaat von der Größe ca. eines Viertel-Landkreises) zu erlassen. Der dritte Fehler
liegt darin, daß die Stöcke zu hoch und bis zu acht Schuh (=2,40m) gezogen würden. Der
vierte Fehler liegt darin, daß manche Wingerten in Flächen angelegt sind, die zum
Weinwachs gar nichts taugen. Diese müßten ausgerottet werden."6

Geheimrat (1782 - 1794) Frh. v. Münch-Bellinghausen pflichtet seinem Kollegen v.
Lassaulx bei der Sitzung bei, ebenso dessen Rat, kein allgemeines Gebot zu erlassen,
sondern nach Befragung der erfahrensten und vernünftigsten Einwohner zur
Verbesserung der Landwirtschaft für jeden einzelnen Ort Einzelvorschriften anzuordnen.

Kritische Vernunft und Besonnenheit mangelte damals den Geheimräten v. Lassaulx und
v. Münch nicht. Manches erscheint uns Heutigen geradezu aktuell! Geheimrat Claudius v.
Lassaulx stellt in dieser Hofratssitzung übrigens anheim, mit 500 Setzlingen der
„angerühmten Ortsliebischen Traubenstöcken" eine Probe zu machen.

Am 8. Mai 1787 wurde im Hofrat die Formulierung der kurfürstlichen Anweisung an die
einzelnen Ämter beschlossen und eine Probepflanzung Ortliebischer Reben (aus dem
Elsaß) einstweilen vertagt, da „der trierische Weingartsmann darüber einigen Versuch
nicht wohl würde anstellen können, weil ihm noch zur Zeit diese Rebensorte unbekannt
sey." Die vom Kurfürst am 14. Mai genehmigte Fassung der Anweisung enthielt erstmalig
eine genauere Angabe über die verworfene „rheinische" Traubensorte. „Nachdem Seiner
Churfürstlichen Durchlaucht die zuverlässige Nachricht zugegangen, daß hin und wieder
eine unter dem allgemeinen Nahmen von rheinisch bekannte Gattun von Weinreben,
ihrer besonderen Fruchtbarkeit halber häufig angepflanzet, die davon erscheinende
Trauben aber wegen ihrer schlechten Eigenschaft und Säure deme guten Gewächse
ungemein nachtheilig werden, und daher ganze sonst vorzüglich beliebte Orts-Markungen
mit der Zeit in übelen Ruf gebracht, und von den Käufern gescheuet werden könnten, als
ergehet hierdurch an das Amt N.N. die gemessen Churfürstlich Höchste Weisung
gestalten, unmittelbar nach eingethanen diesjährigen Herbst die in seinem Amts-Bezirke
liegenden Weinberge mit Zuziehung der Vorsteher eines jeden Orts genaues! besichtigen,
somit alle darin sich findende Stock von obgedachter schlechter Trauben Gattung lediglich
auszurotten, ..."7

Diese kurfürstliche Weisung scheint die Moselwinzer sehr beunruhigt zu haben, wie man
aus den Äußerungen von vier „Weingartsbau-Sachverständigen" aus den Orten Zell
Pünderich,
Briedel und Merl laut Hofratsprotokoll vom 25. Oktober 1787 schließen kann.
Die vier Sachverständigen bezeichneten drei Gattungen als rheinisch, darunter auch den
sogenannten „dicken Kleinberger," der 30 - 40 Jahre stehen könne, während die „beiden
schlechteren Gattungen bei einer nassen Witterung einfallenden Kälte früh abzugehen
pflegten." Sie warnten vor einer Ausrottung der schlechten Reben auf einmal, „weil man zu
ihrem Ersatz nicht genug Setzholz bekommten könne" und „da die jungen Stöcke vor den
siebtem Jahr ihre vollkommene Fruchtbarkeit nicht erlangten, würde der arme Mann (=
Kleinwinzer) ... nicht so viel Wein machen, als er zur Beed-
(= Landsteuer) und Zins (=
Pacht) Lieferung nötig habe. Denn die Zahl der schlechten Stöcken sei wirklich größer als
es die Gemeinden aus Besorgung eines üblen Rufs eingestehen wollten." Sie schlugen
darum vor, den Winzern mit schlechten Rebsorten eine Zeitfrist von wenigstens sechs
Jahren zum Ausrotten zu gewähren, eine künftige Anpflanzung dieser schlechten
Rebsorten jedoch bei Strafe zu untersagen. Von diesen Argumenten der
Sachverständigen überzeugt, auch weil „die Zahl der schlechten Reben weit beträchtlicher
seye, als man sich dieselbe hätte vorstellen können" befürwortete Geheimrat v. Lassaulx
sogar einen Zeitraum von sieben Jahren, in dem der Untertan jährlich einen
verhältnismäßigen Teil (wohl 1 Siebtel) ausgraben und ihre Stelle mit anderen guten
Sorten ersetzen solle, „zum deutlichen Beweis wie unendlich viel daran gelegen seye, daß
man unsere unschätzbare Weinkultur mit aller Sorgfalt zu beobachten, die dabei sich
einschleichende Mängel, die solche zu weit eingerissen, frühzeitig zu verbessern ...
Ursach habe." Das weitere Anpflanzen der schlechten Rebsorten solle bei einer Strafe von
18 Albus (1 Albus etwa 1 DM) je Weinstock verboten sein.

Welche schlechten Rebsorten aber waren konkret gemeint?

Der Kurfürst Clemens Wenzeslaus folgte mit seiner Verordnung vom 30. Oktober 1787 der
Vorlage seines Hofrates über das Ausrotten der sogenannten „Rheinischen Trauben,"

schloß jedoch, wohl aus Rücksicht auf die Winzer, die damals offenbar häufig
vorkommende „dicke Kleinberger Rebe, welche an einigen Orten eben auch rheinisch
genannt zu werden pflegen," von seinem Ausrottungsgebot aus.9 Die bei Verstößen gegen
die Ausrottungsverordnung der schlechten Rebsorten anfallenden Strafgelder sind für die
besichtigenden Gemeindevorstände „zur Ergötzlichkeit für ihre derhalbige Bemühung"
vorgesehen, die gleiche Strafe auch bei künftigem Anpflanzen dieser Rebsorten.10 Als
Termin zur Besichtigung der Weinberge durch die Gemeindevorstände wird die Zeit
unmittelbar vor der Traubenlese festgesetzt. Dennoch fehlt noch immer eine genaue
Bezeichnung der beiden schlechten Rebsorten und ebenso die Bezeichnung der sie nach
dem Ausgraben ersetzenden guten Rebsorte. Warum damals mit allgemeinen
Wertbezeichnungen gearbeitet wurde,sowohl von der Obrigkeit als auch von den
Weinsachverständigen - diese Frage muß leider mangels vorhandener Information offen
bleiben. Welche beiden „schlechten" Rebsorten ausgehauen, bzw. künftig nicht mehr bei
Strafe von 18 Albus je Stock gepflanzt werden dürfen, sind dabei gemeint? Ein Schreiben
des reichsgräflichen v. Kesselstatt'schen Verwalters Reihs von Kröv an die dortigen
Wingertpächter vom 3. Januar 1789 aus dem Archiv Kesselstatt, (Depositum Kesselstatt,
künftig DK zitiert, im Stadtarchiv Trier Nr. 1068) liefert uns eventuell einen Hinweis.11 „Bei
Anpflanzung neuer Stöcke sollten die Lehnleute gehalten sein, puren grünen Riesling und
grünen Kleinbergs sich zu gebrauchen, des Bilsenroth aber wie des Bergroth sich bei
arbitrairer Straffe (= Strafe nach Ermessen) allerdings zu enthalten." Unter „Bilsenroth" ist
nach dem Rheinischen Wörterbuch (Bd. 1, Spalte 1115) der „blaue Trollinger, eine große
Traube mit dicken schwarzen Beeren, einen schlechten Wein liefernd," zu verstehen, die
„in schlechten Jahren nur halb reifend war, aber viel Most brachte." Der auch
„Hammelsrhoden" genannte Trollinger wurde nach Friedrich v. Bassermann-Jordan 1782
durch den Fürstbischof v. Speyer durch zwei Verordnungen vom 28. September 1782 und
27. September 1783 als „schlechte" Traubensorte verboten und aushauen gelassen.12 Wie
die Rebsorte „Bilsenroth" muß auch der „Bergroth," die bisher nicht von mir identifizierte
Rebsorte, wie ihr Name besagt, Rotwein gebracht haben. Nicht selten wurde dieser zur
„Schönung" der Farbe des Weißweines damals verwendet.

Es bietet sich aber noch eine andere Erklärung an:

Als „schlechte" Rebsorte wurden von den vier Weinbau-Experten des Oberamtes Zell am
25. Oktober 1787 zwei von den drei „rheinisch" genannten Reben charakterisiert, welche
„bei einer auf nasse Witterung einfallenden Kälte früh abzugehen pflegten." Sie waren, wie
die Benennung der dritten „rheinischen" Sorte als „dicker Kleinberger" zeigt, dem
Kleinberger (=
Elbling) nah verwandt, „sehr fruchtbar," brachten viel Most, hielten sich aber
nicht lange und waren sauer. Es fällt auf, daß in den älteren und jüngeren Lexiken und
Handbüchern des Weinbaus die Gattungsbezeichnung „rheinisch" nicht vorkommt. So z.B.
in Johann Heinrich Zedlers „Großen vollständigen Universallexikon" von 1747 (vgl. die
Spalten 892 - 895 „Weinrebe, Weinstock"), ebenso wenig im Buch von Johann Metzger
„Der rheinische Weinbau" von 1827 (S. 8-44), auch nicht bei Otto Beck „Der Weinbau an
der Mosel und Saar" 1869 (S. 4-5), nicht bei Fr. W. Koch „Der Weinbau an Mosel und
Saar" 1881 (S. 12-21), ebenso in dem Standardwerk von Friedrich von Bassermann-
Jordan „Geschichte des Weinbaus" 1921. Hingegen erscheint bei Zedler, Metzger, Koch
und von Bassermann-Jordan eine Rebsorte unter dem fast gleichlautenden Namen
„heymisch,
heinisch, heunisch, huntzsch." Sie wird bei Koch als Rebe mit drei Sorten (wie
bei der Expertenaussage zum „Rheinisch") so beschrieben: „1. weißer Heinisch, der viele
und große Trauben bringt, die aber einen geringen, leichten, weißen, nicht haltbaren Wein
geben. Er hat Verwandtschaft mit dem Weiß-Alben (Elbling). 2. gelber Heinisch, bringt
viele aber sehr schlechte Trauben und verdient allerwegen vertilgt zu werden. Er ist leicht
am schlechten Geschdmack zu erkennen. 3. roter Heinisch, bringt viele aber mittelmäßige

Trauben, reift mit den Alben" (= Elbling, Kleinberg). Ganz ähnlich urteilt auch Fr. W. Koch
1881 über den „Heunisch," der auf den Muschelkalkböden der Obermosel, aber auch auf
den Tonschieferböden der Mittel- und Untermosel wächst. „Seine Vertilgung ist aber dort
selbstgestellte Aufgabe der Winzer," von ihnen irrtümlich saurer Kleinberg genannt und es
wird deshalb nicht lange mehr dauern, bis der letzte Stock Heunisch in den auf
Tonschiefer stockenden Weinbergen verschwunden sein wird." (S. 13).

Angesichts dieser Negativbeschreibungen, die sich weitgehen mit denen der „rheinischen
Trauben" decken, liegt die Vermutung sehr nahe, daß 1787 unter den „rheinischen"
Rebsorten, die ausgehauen werden sollten, die „heinischen" gemeint sind. Der Kanzlist,
welcher 1787 die kurtrierischen Hofratsprotokolle ins Reine schrieb, könnte, wenig vertraut
mit dem Weinbau, statt „heinisch" das lautverwandte „rheinisch" geschrieben haben. Diese
Bezeichnung „rheinisch" findet sich auch bei der ersten Publikation der kurfürstlichen
Verordnung vom 30. Oktober 1787 zur Zeit der preußischen Herrschft in der „Trierischen
Kronik" 1823 als „Beiträge zur älteren Gesetzgebung im Trierischen, welche dermalen
noch geltend sind" (S. 89/90). Interessant ist darin der Hinweis, daß nach Artikel (2 des
französischen Ruralgesetzes
(= Landwirtschaftsgesetz) vom 6.10.1791 diese kurfürstliche
Verordnung vermutlich „aufgehoben worden zu sein scheint, indem diese Artikel jedem
Eigenthümer die Freiheit einräumen, jedes beliebige Gewächs (sei es von guter oder
schlechter Art) auf sein Eigenthum zu pflanzen."

Ob es sich bei „rheinisch" in den Verordnungen von 1787 um einen Hörfehler des
Protokollanten oder um eine vertrautere Umdeutung der Bezeichnung „heinisch" durch
den Protokollanten oder den Reinschreiber handelte, dürfte heute nicht mehr zu klären
sein. Von der Beschreibung der Rebsorten „heinisch" herscheint mir meine Vermutung,
daß „rheinische" Reben mit „heinischen" zu identifizieren sind, sehr wahrscheinlich,
jedenfalls wahrscheinlicher als die landschaftliche Bezeichnung „rheinisch" für
verschiedene, viele Menge bringenden Rebsorten (Trollinger etc.) zu sein, wie ich
zunächst angenommen habe. Für meine Hypothese sprechen auch die Aussagen der vier
Weinbau-Experten des Oberamtes Zell 1787, welche die „rheinische" Reben auf drei
Sorten begrenzen, von denen eine zu behalten sei. Nach Johann Metzger gab es 1827
auch drei Sorten „heinische" Reben.

Welche Rebsorten wurden unter „gute" gemeint?

Reichsgraf Johann Hugo Kasimir v. Kesselstatt,13 der von 1761 bis zur französischen
Okkupation des Trierer Kurstaates 1794 als Landeshofmeister oberster Amtsträger des
kurtrierischen Hofstaates war, und die Verantwortung für den ganzen Besitz des
Kurfürsten Clemens Wenzeslaus trug, der sich um die Verbesserung des Klee-Anbaues
(DK Nr. 5342) bemühte, und auch den kurfürstlichen Weinbergsbesitz zu verwalten hatte,
wird zweifellos zu allererst die nach v. Kesselstattscher Familientradition von ihm
inspizierte Bevorzugung des Rieslings bei seinem Eigenbesitz berücksichtigt haben.
Darum wurde der Rieslinganbau wohl von dem v. Kesselstattschen Verwalter Reihsin
Kröv
den Wingertspächtern zum Anbau, neben dem Kleinberger, empfohlen.

Als besonders frühreifend hatte der Elsässer J.M. Ortlieb seine Rebzüchtung „Klein
Räuschlinger" 1774 dem König von Preußen Friedrich II. gerühmt und zur Anpflanzung
angepriesen,14 vermutlich auch dem Kurfürst Clemens Wenzeslaus. Denn Geheimrat v.
Lassaulx rät zum Probeanbau von 500 Setzlingen. Von einem Anbau dieser Rebsorte ist
uns nichts überliefert. Im Mittelalter nahm der Kleinberger, auch Elbling genannt, etwa
Dreiviertel der rheinischen Rebfläche ein, wie v. Bassermann-Jordan betont Noch im 18.
Jahrhundert überwog der Kleinberger im Moselland, ebenso noch im ersten Drittel des 19.

Jahrhunderts, wie uns Karl Graff 1821, Johann Metzger 1827 und Johann Ph. Bronner
1834 berichten.16 Allerdings ist uns der Anbau von Rieslingreben in Trier nach Michael
Matheus bereits 1465 überliefert, in Trarbach 1669, im 18. Jahrhundert in Piesport,
Brauneberg und Zeltingen um nur einige Orte zu nennen, die wegen ihres guten Weines
schon damals bekannt waren.17

Ist unter den guten Rebsorten also vor allem der Riesling zu verstehen?

Diese Frage wird durch einen Beitrag im Kurfürstlich-Trierischen Landeskalender, dem
1785 gegründeten und von Kurfürst Clemens Wenzeslaus privilegierten offiziellen Organ
für die kurtrierischen Landwirte 1788 beantwortet.18 In diesem Kurfürstlich-Trierischen
Landkalender von 1788, der bereits am 17.9.1787, also nur wenige Wochen vor der
kurfürstlichen Verordnung über das Ausrotten der schlechten Reben vom 30. Oktober
1787 in Koblenz erschien, wird unter der Überschrift „Nachrichten für den Acker- und
Weinbau" ein „Gespräch zwischen Peter und Thomas" aus Kobern/Mosel gebracht, in
welchem „diejenigen Grundsätze und Behandlungsweisen" mitgeteilt werden, „nach
welchen eine Begüterter seine sich vorzüglichauszeichnenden Weinberge in den
ergiebigsten Stand gesetzt hat." Der wißbegierige Peter fragte seinen Vetter Thomas, wie
es komme, daß die Weinberge von dessen adeligen Herrn sich vor allen anderen
auszeichneten und er immer einige Taler pro Ohm (160 Liter) mehr bekomme als die
übrigen. Thomas erklärte ihm daraufhin dessen erfolgreiche Methoden - Bau von
Terrassen im Weinberg, die durch solide Mauern abgestützt wären. Verbesserung des
Bodens und richtige Distanzierung der Rebsetzlinge auf 3 Vz Schuh (ca. 1m), so daß diese
bereits im dritten Jahre voll Trauben wären. Dann käme das Auszeichnen schlecht
tragender Weinstöcke. „Fand er (der „Junker") Sauerriesling oder einen zaßlichen
(kümmerlichen) Kleinbeer-Stock, der mußte unfehlbar weggeschafft werden. Wäre aber
ein ganzer oder ein halber Chor (= Terrasse) neu zu roden, so dürften wir keine anderen
Sprößlinge nehmen als von dem großen grünen Riesling oder von jenem (Riesling), den
sie Rotstilger (=
rotstieligen) nennen. Nur wenn der Boden unvest war, nahmen wir auch
etwas guten Kleinbeer. Allein wir durften ihn nicht mit dem Riesling vermischen, damit
dieser... nicht zu Grunde ginge.Manchmal ließ er auch an Orten, wo er es schicklich hielt,
wo nemlich wegen großer Sonnenhitze die Rieslinge oder Kleinbeer vertrockneten,
Orleaner oder Gutedel oder Tokayer hinpflanzen. Aber die großen grünen Rießlinge und
Rotstilger waren immer seine liebsten. Reben, die er wiederum im Gegentheile zu anderen
Weinbauern allgemein einführte. Ja sagt er, die Leute wollen viel Wein haben und
pflanzen daher größtenteils Kleinbeer an. Aber was gewinnen sie dabei? Fällt ein etwas
mißliches Jahr ein, so bekommen sie wenig oder gar nichts, da der Rießling doch immer
seinen Teil bringt."

Ausdiesen Ratschlägen zur Erzielung eines höheren Weinpreises werden die
landesherrlich empfohlenen Methoden deutlich: Terrassenbau, Erweiterung des
Abstandes zwischen den Rebstöcken (von ca. 80cm auf 1m) und Bevorzugung der
Rieslingreben. Deutlich wird aber auch die bisherige Begünstigung der Kleinberger-Reben
wegen der davon erzielten größeren Most- bzw. Weinmenge. Die Ratschläge für die
Winzer in Dialogform wurden im Landkalender von 1789 fortgesetzt - richtiges
Beschneiden der Weinstöcke, häufigeres Düngen des Bodens schon im vierten oder
fünften Jahre nach der Neupflanzung und nicht erst im siebten Jahre. Damit würde die vor
allem für die Kleinwinzer nur schwer zu verkraftende Durststrecke bis zur ersten
Traubenernte von sieben auf vier Jahre verkürzt. Leider wurde diese Hinwendung vom
Quantitäts- zum Qualitätsweinbau unter Kurfürst Clemens Wenzeslaus durch die
Kriegsereignisse im Gefolge der Französischen Revolution nach 1798 (Eindringen der
Revolutionsarmeen bereits 1792 in den Kurstaat Trier) behindert bzw. verhindert, so daß

noch 1833 Joh. Ph. Bronner in seinem Buch „Der Weinbau ind Süd-Deutschland" schreibt:

„Der Kleinberger dominiert längs der ganzen Mosel und ist mehr oder weniger mit Rießling
gemengt. Ausnahmsweise trifft man zu Piesport, Brauneberg, Ohligsberg (bei Wintrich),
Zeltingen, Trarbach und anderswo reine Rießlingreben an und man kann an diesen Orten
den Rießling dominierend nennen.19 Erst unter dem Eindruck der schweren Absatzkrise
für den Moselwein in den Jahren zwischen 1830 und 1860 kam es seit etwa 1845 zur
Abkehr vom alten Moselweinbau mit dem vorherrschenden Kleinberg, daneben Rießling
und sehr verschiedenen Traubensorten, im „Moselneubau"20 zur Riesling-Vorherrschaft
zum bald hochberühmten Qualitätswein. Dennoch wurde 1787 durch den letzten Trierer
Kurfürst Clemens Wenzeslaus, wie ich nachgewiesen zu haben hoffe, dem
Qualitätsweinbau der entscheidende Anstoß gegeben. Daß dabei die Rieslingrebe eine
dominierende Rolle spielte, scheint mir erwiesen.

Anmerkungen:

Quellenhinweis:

Trier-Texte Nr. 6, Herausgeber Verkehrsamt der Stadt Trier. Redaktion: Dr. Heinz Mülhause.