Das Schöffenmahl zu Briedel

Briedel war bis zur Säkularisation Sitz eines großen Gutshofes des Klosters Himmerod. Der vom Kloster gestellte Pastor war seit alter Zeit verpflichtet, einmal im Jahr den Schöffen und ihren Frauen ein Essen zu geben. In der Regel waren es ca 16 Personen. Bruder Baltahasar reichte diese Aufstellung ans Kloster, als sich die Schöffen, wie so oft, über die Menge des Dargereichten beschwerten.

Aufstellung der Speisen so den Schöffen seindt aufgetragen worden:

  • Erstlich ein Schweineschinken und Kopf samt Brust,
  • drei Kalbsbraten und drei Schweinebraten,
  • Kappes mit grünem Schweinefleisch,
  • drei Schüsseln mit braunem Kalbsfleisch,
  • drei Schüsseln mit Kalbsgehäcks,
  • drei Schüsseln mit grünem Rindfleisch und Mostert (Senf)
  • drei Schüsseln mit grünem Kalbsfleisch,
  • drei Schüsseln mit Reis und durchgeschlagenen Erbsen,
  • drei Schüsseln mit Würsten,
  • drei Schüsseln mit Pfeffer und Schweinefleisch,
  • zwei Pasteten,
  • zwei gesottene Hühner und ein gebratener Hahn
    samt einem Waldhuhn und gebackenen Pflaumen

  • drei Schüsseln mit Gellerei (Gelee) von Schweinefüßen,
  • drei Schüsseln mit gesottenem und gebackenen Fisch,
  • 18 lose Weck samt zwei Eierkränzen (Kranzkuchen),
  • zwei Schüsseln Käse samt Gebäck und Traubenkraut,
    Birnen und Äpfeln mit zwei Schalen gebackenem Zucker.
  • Wein, soviel sie begehrten.

    Bruder Balthasar schrieb:

    Das Verzehr von Wein setzte dem ganzen die Krone auf.

    Dieser Bericht führte zu einem schweren Streit zwichen Schöffen und Pastor und endete in Trier vor Gericht mit folgendem Urteil:

    1. Schultheis und Schöffen entschuldigen sich beim Pastor,

    2. Der Schultheis Lorenz hat 8, die Schöffen Goeres und Fischer je 4 Goldgulden Strafe zu zahlen.

    3. Das Schöffenessen wird für alle Zukunft abgeschafft, die Schöffen erhalten eine Zuzwendung.

    4. Schultheis Lorenz und die Schöffen Goeres und Fischer bleiben von der Zuwendung ausgeschlossen.

    5. Schultheis Lorenz und die Schöffen Goeres und Fischer tragen 2/3 der Prozesskosten, die übrigen Schöffen 1/3.

     

    Nach diesem Urteil gab es leider kein Schöffenessen mehr in Briedel

     

    (seit 2005 können unsere Gäste an diesem Spektakel teilnehmen)

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