Die Säkularisation in Briedel
1803 - 1813 (-1820)

Nach der Besatzung der Rheinlande durch die französischen Revolutionstruppen erfolgte ab 1794 recht bald eine Konfiszierug der geistlichen und adeligen Güter. Damit setzte sich die Enteignung, wie im französichen Mutterland schon 1789 begonnen, auch bei uns fort. Zunächst behielten die bisherigen Eigentümer ihre Eigentumsrechte, verloren jedoch die feudalen Nutzungsrechte. Die bisherigen Pächter durften die Grundstücke weiter bewirtschaften, die Pachtzahlungen hingegen gingen an die Staatskasse. Z.B. wurden schon am 12.10.1795 "die auf der linken Seite der Mosel bestehenden Weinrenten der Ausgewanderten und Abwesenden auf baare Zahlung" versteigert.

Nach dem Frieden von Luneville (1801) und im Reichsdeputationshauptschluß 1803 wurde die Annexion der linksrheinischen Gebiete völkerrechtlich sanktioniert. Dies war der Startschuß für Napoleon, alle geistlichen Güter in den eroberten Gebieten endgültig einzuziehen, zu Nationalgütern zu erklären und mit den Verkaufserlösen die Kriegskosten zu finanzieren.

Die Regelungen im Konkordat von 1801 schützten dabei u.a. das Vermögen der katholischen Pfarreien, zumindest Kirchen und Pfarrhäuser, im Rheinland weitgehend. Die evangelischen Kirchen waren von der Säkularisation faktisch gar nicht betroffen. Darüberhinaus wurden auch die adeligen Güter zu Nationalgut erklärt. Große Teile davon wurden jedoch später den zurückkehrenden Emigranten des niederen Adels wieder zurückgegeben. Wie der Pfarrer in seiner Chronik notierte, war Briedel von der Säkularisation jedoch empfindlich getroffen. Grund dafür war, dass die Pfarrei dem Kloster Himmerod seit fast 500 Jahren incorportiert war. Daher hatte sie kein nennenswertes eigenes Vermögen aufgebaut, sondern das Kloster war der Besitzer von Grund- und Boden. Die Kirche und das zum Pfarrhaus deklarierte Wohngebäude der Patres, bis dato auch Verwaltungsgebäude des Grundbesitzes, wurden der Pfarrei übertragen. Weinberge und alles andere fiel der Säkularisation zum Opfer.

Alle konfiszierten Güter wurden der staatlichen Domänenverwaltung unterstellt, die ab 1803 die Verwertung, überwiegend in Form einer öffentlichen Versteigerung, betrieb. Teilweise wurden die Güter auch zahlungshalber an Armeelieferanten abgegeben, die dann ihrerseits einen Verkauf betrieben. Viele Dotationsgüter, die als Belohnung an verschiedene Institutionen oder verdiente Gefolgsleute Napoleons gegangen waren, wurden später gegen Abgabe von Staatsanleihen von der Domänenverwaltung zurückerworben und zur öffentlichen Versteigerung gebracht. Nicht zum Verkauf kamen die nationalisierten Forst- und Waldbestände, die nach 1815 dann von den deutschen Nachfolgestaaten als Eigentümer übernommen wurden.

Bevor es zur Versteigerung kam, wurden die Güter durch amtlich vereidigte Experten bewertet, wobei die Ertragskraft im Vordergrund stand. Dabei wurde i.d.R. bei Grundstücken das zwanzigfache der Jahrespacht, bei Gebäuden das zehnfache der Jahresmiete auf der Basis des Jahres 1790 zuzüglich des Zehntanteils als Wert angesetzt. Versteigerungsort war für unsere Region der Sitz der Präfektur in Koblenz, teilweise aber auch in Cochem. Auf großen, in allen Orten des Departements ausgehängten Plakaten (Affiches) wurden die zu veräußernden Grundstücke mit allen wichtigen Informationen, Versteigerungsmodalitäten und Zahlungsbedingungen publiziert.

Der Zuschlag erfolgte an den Meistbietenden, wobei auch oft Agenten im Auftrag mitboten oder auf eigene Rechnung kauften, um die Grundstücke dann, oftmals in kleinere Parzellen gestückelt, weiterzuverkaufen. Grundstücke, bei denen der Schätzpreis nicht erreicht wurde, blieben im Bestand und wurden in einem späteren Termin mit einem korrigierten Schätzpreis erneut angeboten.

Das Baugedingbuch der kurfürstlichen Höfe verzeichnet im Juni 1795 „... Jetzt der französischen Repubik gehörend...." In den nächsten beiden Jahren hält der Bürgermeister der Mairie Zell das Geding ab und 1798 unterzeichnet der Schultheiß Goeres für den „Agenten". Am 8. Oktober 1803 wurden dann die beiden kurfürstlichen Höfe in Briedel versteigert. Das Trarben-Tarbacher Weingut Korn & Rumpel erwarb fast den gesamten Besitz und führte das Weingut noch rund 100 Jahre unter Verwaltung eines Hofmanns in einer fast wie gehabt feudalen Struktur weiter. Der Ersteigerer hatte zwar den Grundbesitz erworben, die bestehenden Lehns- und Pachttverträge blieben jedoch unverändert in Kraft. Die im Weistum von und den Baugedingen der Höfe von 1726 niedergeschriebenen Regelungen blieben daher auch für beide Seiten bindend und gültig. Die bestehendenden Verträge und Belastungen auf den Grundstücken blieben in Kraft und die Winzer mussten weiter ½ oder 1/3 ihrer Ernte an den Hof der Firma abliefern. Der neue Eigentümer versuchte Zug um Zug, die alten Lehnsverträge zurückzukaufen, um alleinbestimmend über die Weinberge zu werden. In der Phase der großen Weinkrise um 1900 gaben viele Winzer auf und die Lehen fielen an den Grundeigentümer zurück. Andererseits lösten auch viele Pächter den Anspruch der Firma ab und wurden somit selbst Alleineigentümer und musten keine Pachtabgaben mehr leisten. Die niedergeschriebenen Baugedinge des kurfürstlichen Marienburger Hofes (Grafenkelterhaus und die Weinberge auf der linken Moselseite), in denen jährlich alle den Weinberg betreffenden Vereinbarungen niedergeschrieben wurde, sind uns von 1727 bis noch 1869 erhalten geblieben. Über die erforderliche Düngung mit Mist, Wiederanpflanzung bis zu den Leseterminen und Ernteergebnissen können wir uns noch heute hier informieren. Auch Rügen wegen schlechter Pflege und alle Empfängnisse (Übertragung von Lehnsrechten an andere Lehnsnehmer, z.B. im Erbfalle) wurden hier festgehalten.

Die Pfarrchronik Briedel berichtet uns, dass einige Gemeinderäte im Auftrag der Gemeinde nach Cochem zur Versteigerung entsandt wurden, um dort die Briedeler Höfe für die Gemeinde mit dem Ziel der Weiterveräußerung an einzelne Bürger zu ersteigern. Um rechtzeitig da zu sein, reiste die Delegation am Vorabend an und verbrachte den Abend bei einem aus Briedel stammenden Cochemer bei gutem Wein. Die Probe fiel offensichtlich etwas umfangreich aus, denn man musste ja auch eine Gegenprobe mit den mitgebrachten eigenen Weinen durchführen. So kam es dass die Herren den Termin am nächsten Morgen verschliefen. Als Sie das Gericht erreichten, waren alle Briedeler Güter schon weg.

Napoleons Herrschaft dauerte nicht lange genug, um alle in Nationaleigentum genommenen Güter zu veräußern. Nach dem Wiener Kongress ist unsere Region Preußen zugeschlagen worden. Als Nachfolgestaat Frankreichs und des vorherigen Kurfürstentums Trier ging aller Staatsbesitz, und damit auch alle Nationalgüter, in den Besitz Preußens über. Da auch das Königreich Preußen bereits 1810 den Einzug aller Klöster und Stifte sowie deren Umwandlung in Staatsbesitz verfügt hatte, galten die Säkularisationsregelungen faktisch ununterbrochen fort.

Nach einer kurzen Konsolidierungsphase des neuen Staates nahm dieser die anstehenden Versteigerung der Nationalgüter wieder auf. Die Erlöse sollten die Kosten der Befreiungskriege und der Besatzung begleichen. Trotz heftigen Protestes der Gemeinde Briedel und Anträgen auf Rückübertragung des Eigentums an den Grundstücken aus der 1802 aufgelösten gemeindlichen Frühmesser-Stiftung kam es am 10. Juli 1820 zur Versteigerung dieses Vermögens, das neben dem Frühmesserhaus und verschiedenen Gärten noch rund 30.000 Weinstöcke umfasste. Der Kreis lehnte das Rückgabegesuch mit der Begründung ab, die Verstaatlichung durch die Franzosen sei bestandskräftig.

Im gleichen Zuge wurden die Wirtschaftsgebäude und der Großteil der noch verbliebenen Weinberge des Klosters Himmerod versteigert. Ebenso kamen die vielen kleineren Besitzstücke der ritterlichen Güter unter den Hammer.

aus eiflia illustrata:
Am 15. Bendemiaire XII (8. Oktober 1803) ließ die französische Regierung das Kurfürstliche (erzstiftische) Kelterhaus zu Briedel zu 205 Frs (54 Thlr), am 18. Brumaire XII (den 10. November 1803) die Maarwiese zu 1100 Frs. (293 Thlr) und die über 4 Hektaren große laternwiese zu 6300 Frs (1680 Thlr) , am nämlichen Tage einige der Karthaus zu Koblenz zugehörig gewesenen Wiesen zu 190 Frs (50 Thlr); ferner an demselben Tage einen der Abteil Himmerode gehörigen Küchengarten zu 250 Frs (66 Thlr) und eine 3 Hektaren große Wiese zu 4700 Frs (1253 Thlr); am 13. Bendemiarie XII (6. Oktober 1803) die von demselben Kloster herrührenden 7900 Weinstöcke zu 1700 Frs (453 Thlr); am nämlichen Tage den dem St Castorstifte zu Carden (Abtei Himmerod) gehörigen kappeskeller zu 205 Frs (54 Thlr); am 18. Brumaire XII die von dem Stifte zu Sprigiersbach herrührende Wiese am Reilerkreuz zu 345 Frs (92 Thlr); am 13. Termider XIII (1. August 1805) 2177 Weinstöcke, Ländereien und Wiesen, welche dem Kloster Rosenthal gehört hatten, zu 480 Frs (128 Thlr) versteigern.

 

Quellen:
Schieder Wolfgang, Säkularisation und Mediatisierung in den vier rheinischen Departements 1803-1813, Teil I,
de Faria e Castro Katharina, die Nationalgüter im Arrondissement Koblenz und ihre Veräußerung in den Jahren 1803-1813
Schannat-Bärsch., Eiflia Illustrata, 3. Band, 1. Abt., Neudruck 1966
Akten im Bistumsarchiv Trier und Landeshauptarchiv Koblenz
Pfarr-Chronik Briedel
Kroth Elmar, die Frühmesserstiftung in Briedel, in Jahrbuch 2009 Cochem-Zell
G illes Karl-Josef, Die Geschichte der Gemeinde Briedel bis 1816
Baugedingbuch kurfürstlich Marienburger Hof 1726-1869

 

 

zurück

zur Startseite Briedel