Die Briedeler Vereine
und ihre Geschichte

 

50 Jahre Siedlung Briedeler Heck, Festschrift 1986

Aus dem Zusammenleben im Dorf

 

Die kirchlichen Vereine

In den letzten Jahrhunderten verzeichnete die Pfarrei Briedel eine sehr rege Tätigkeit religiöser Vereine.

Größeren Einfluss hatte die Sebastianusbruderschaft, die schon 1620 in den Urkunden erwähnt wird. Sebastianus ist der Pestheilige. Die Bruderschaft  wurde vermutlich Anfang des 15. Jh. in Zusammenhang mit einer Pestepidemie gegründet. Sie unterhielt einen eigenen Altar in der Kirche, dem Papst Clemens XI. 1704 ein Ablassprivileg verlieh. Der Hl. Sebastian wird meist, auch auf unserem ihm geweihten Altar, mit Pfeilen dargestellt. Dies führt sich auf einen alten Aberglauben zurück, nachdem Dämonen die Krankheiten mit Pfeilen auf Menschen und Tiere abschossen. Auch der Begriff des Hexenschuss geht darauf zurück.

So finden wir seit dem  19. Jahrhundert Hinweise auf folgende Gruppen:

- Bruderschaft vom hl. Unbefleckten Herzen Marias
- Rosenkranzbruderschaft, heute Rosenkranzverein (1867)
- 3. Orden des heiligen Franziskus
- Franziskus-Xaverius-Verein 
- Herz Maria Bruderschaft für die Schulkinder
- Verein der hl. Familie
- Bruderschaft christlicher Frauen und Mütter - Mütterverein -
            heute    Frauengemeinschaft (1919)
- Marianische Jungfrauenkongregation (1920)
- Bund der katholischen Jugend
            eine  Frauen und eine Mädchengruppe
- Päpstliches Werk der Glaubensverbreitung
- Kindheit Jesu und Schutzengelverein
- Herz-Jesu-Gebetsapostolat
- Bonifatiusverein
- Eucharistiewerk
- Pfarrcaritas, heute Caritas-Helferkreis (um 1880)
- Borromäusverein, heute Pfarrbücherei (um 1900)
- Kirchenchor  Cäcilia

Einige der obigen Gruppen sind mit der Zeit untergegangen. Teils mangels Beteiligung, aber auch durch Zwangsauflösung oder Zwangsfusion in der Zeit des Dritten Reiches.  Besonders die kath. Frauengemeinschaft und der Caritas-Helferkreis sind heute noch sehr intensiv im Gemeindeleben integriert. Vielfältige Angebote wie Begegnungsnachmittage für die Älteren sowie Fahr- und Betreuungsdienste für Kranke ergänzen ihr umfangreiches Angebot.

Die Borromäus-Pfarrbücherei wurde 1934 zwangsaufgelöst und mit der eingerichteten Schulbücherei vereinigt. 1936 verzeichnet diese 1.215 Bände im Bestand, der in den nächsten Jahren noch mit vielen politisch gewünschten Werken ergänzt wurde. Nach 1945 wurden alle Bücher mit nationalsozialistischem Gedankengut verbrannt und mit dem Restbestand die Pfarrbücherei wieder eingerichtet.

Der 2003 gegründete Förderverein St. Martin hat sich erfolgreich zur Aufgabe gemacht, die Ausstattung der Pfarrkirche zu erhalten und zu restaurieren.  Die Messdienergruppe  ist sehr aktiv macht auch viele Freizeitaktivitäten.

Nach einer alten Regelung musste das Kloster Himmerod den Sängerinnen und Sängern des Kirchenchores an den vier hohen Festtagen des Jahres jeweils eine ehrliche Mahlzeit stellen. Die Zahl der Chormitglieder ging mit den Jahren zurück. Da sie sich zudem noch mit dem Gemischten Chor überlappten, übernahm dieser das Singen bei den Festgottesdiensten.

 

 

Der Pfarrer schrieb in der Chronik:
"... Der Kirchenchor leidet sehr unter Mangel an Nachwuchs; es ist schwer, heute bei den vielen anderen Dingen, die nur ablenken und keine rechte Begeisterung für edlere Belange aufkommen lassen, die jungen Leute und geeignete Kräfte zu gewinnen..."

Neben dem regulären Kirchenleben mit Gottesdienst, Vesper, Predigten, Wallfahrten etc. waren die Vereine Bindeglied und Initiator für religiöses Leben. Schon im Religionsunterricht in der Schule wurden die Kinder den Vereinen zugeführt.
Bemerkenswert ist noch, dass bis zum Ende des 2. Weltkrieges die verheirateten Frauen nicht mit ihren eigenen Namen, sondern mit dem Namen des Ehemannes z.B. Frau Johann Goeres, in den Mitgliederlisten der Frauengemeinschaft eingetragen waren.  Sogar auf den Totenzetteln hieß es z.B. noch 1926 nur "Frau Ignaz S.", ohne weiteren Hinweis auf den Vornamen oder Geburtsnamen der Frau. Oder "Wwe. Karl-Philipp B."  Hier wird 1927 aber im kleingeschriebenen Text dann Vor- und Geburtsname der Frau genannt.

 

Die weltlichen Briedeler Vereine

Das Vereinswesen ist ein wichtiger Baustein im Zusammen- leben der Dorfgemeinschaft. Neben den kirchlich organisierten Gruppierungen  hatten und haben wir in unserem Dorf noch viele weitere Interessengruppen, die sich vereinsrechtlich organisiert haben.

Eine Niederschrift über deren vielfältige Angebote würde den Rahmen dieser Schrift überschreiten, daher seien die Wesentlichen nur kurz angeführt:

 

 

aufgelöste Vereinigungen:

Bienenzucht-Verein (Imkerverein)
            um 1919 gegründet. Hauptziel war die   gemeinschaftliche Beschaffung von Bienenzucker, um die Völker   im Winter ernähren zu können. Aber auch  Gemeinschaftskauf von Hilfsmitteln und die gemeinschaftlche Nutzung von Honigschleudern gehörte zum Aufgabenbereich.  

Frostschutz Interessengemeinschaften
Kitscheid und Brerdel
            1951 gebildete Zusammenschlüsse der Winzer, um bei   Spätfrösten mittels einer Ölheizung bei Kälteeinbruch          Frostschäden zu verhindern und die zarten Triebe zu      schützen.
            1964 aufgelöst.

Gesellschaft Erholung
            Eine Gruppe touristisch Interessierter, die sich um          1900 zusammenfanden um "...Fremde nach Briedel zu        bringen..." und gemeinsame Freizeit zu verbringen.       Sie ging 1927 im Verkehrsverein auf.

Junggesellenverein
            1864 gegründet und um 1916 untergegangen.

Landwirtschaftliches Casino
            Ein Zusammenschluss der Winzer und Landwirte mit dem Anspruch, durch Schulung das Wissen der Mitglieder zu stärken. 1873 hatte das Casino das Weiderecht für Schweine im Briedeler Wald inne. Ein weiterer Schwerpunkt waren kulturelle Veranstaltungen.

 

 

 

Obstbauverein
            1933 auf behördliche Anregung gegründet, "...um diesen landwirtschaftlichen Zweig im Interesse der       Volksernährung besser zu nutzen." Er pflanzte Obstbäume entlang der Bergstraße vom Ort bis zur Straßengabel Kirmesborn. Zur Ernte wurden die Bäume versteigert. Nach dem Krieg wurde er nicht mehr aktiviert. Die Hotels ernteten das Obst für ihre Küche.

Pfropfreben IG
            1951 gegründete Interessengemeinschaft der Winzer      zur Zucht von reblausresistenten und leistungsstarken            Pfropfreben. Es erfolge der Bau von Treibhäusern und   Arbeitshallen.  
            Der Geschäftsbereich wurde 1957 an den Raiffeisenverein übertragen.

Teilnehmergemeinschaften der Flurbereinigung KöR
            Verfahren I, rechte Moselseite und Ort 1972-1980
            Verfahren II und III, linke Moselseite 1992-2003
            Körperschaften des öffentlichen Rechts. Mitglied           waren alle Grundstücksbesitzer in den Verfahrens-
            gebieten. Zweck war die Arrondierung des Grund-
            besitzes und Vermeidung der Zersplitterung durch die    Realteilung.
            (siehe auch in HJB-Sammlung 2017)

Aufbaugemeinschaft Briedel KöR
            1972 gegründet. Die Mitglieder (Zwangsmitgliedschaft) sind identisch mit den Teilnehmergemeinschaften. Zweck der Gemeinschaft war der gemeinschaftliche Wiederaufbau der flurbereinigten Wein- berge.

Schafzuchtverein „B.H.Briedel“
            Auf Betreiben der Landwirtschaftsberatung 1917 gegründeter Verein, der die Schaf- und Ziegenherde    der Gemeinde übernimmt. Ziel war die Sicherung der     Volksernährung und Steigerung der Wollproduktion.


Volksbank Briedel eGmuH
            1929 von honorigen Briedeler Bürgern gegründet. Sie    ging 1938 in dem älteren Raiffeisenverein auf.

Volksbildungswerk     
            1968 als Teilbereich des Verkehrsvereins gegründet.

Winzerverein Briedel
            Um 1900 von einigen kleineren Winzern gegründet,   um ihren Wein gemeinsam ausbauen  und besser   vermarkten zu können. Nach der Überlieferung probierten Vorstand und Aufsichtsrat jeden Sonntag nach   dem Hochamt, ob der Wein noch gut war. Als das  letzte Fass leer war, wurde er um 1960 aufgelöst.

Ziegenzuchtverein Briedel
            1907 auf Anregung der Winterschule gegründet. Bei der Gründungsversammlung traten sofort 93 Mitglieder bei. Die Regierung gewährte Zuschüsse zur Anschaffung von Ziegen und einem Ziegenbock. Ziele  waren   u.a. die   Beschaffung von Jungtieren und die Bockhaltung,  die Bereithaltung von Weideflächen und eines Hirten sowie die Produktion von "geruchs-       loser   nährstoffreicher Milch.".

           

 

 

 

 

 

 

derzeit aktive Vereine und Gruppen:

Angelsportverein
            1949 von 6 ambitionierten Sportanglern gegründet.
            als Alternative zum Kreis-Fischereiverein gedacht.

Förderverein St. Martin e.V.
            2003 gegründet, um Immobilien und Inventar  der   Kirchengemeinde St. Martin zu erhalten.

Feuerwehr - Pflichtfeuerwehr

Freiwillige Feuerwehr - Förderverein e.V.
            1921 aus der seit 1871 bestehenden Pflichtfeuerwehr hervorgegangen.
            1934 zwangsweise in die Amtsfeuerwehr Zell integriert.
            1952 Neugründung
            2009 wird das Vereinsleben in den neugegründeten  Förderverein ausgegliedert, um    rechtliche und   steuerliche Probleme mit der amtlichen Feuerwehr zu ver meiden.
            2016 Gründung einer Jugendfeuerwehr

https://de-de.facebook.com/pages/category/Cause/F%C3%B6rderverein-der-Freiwilligen-Feuerwehr-Briedel-eV-1473515526198630/

Knebbelmusigg - Spielmannszug
            1930 als Spielmannszug Briedel-Zell gegründet.
            1950/1952 als Abteilung der Frw. Feuerwehr wiedererrichtet
            1964 eingestellt.

FWG Freie Wählergemeinschaft e.V.
            2005 gegründet. Ziel ist die Förderung Briedels durch    Einflussnahme in die Gemeindepolitik.

Gemischter Chor Eintracht e.V.
            1894 als Männergesangverein Eintracht gegründet und   seit 1971 als Gemischter Chor "Eintracht" aus dem      kulturellen Dorfleben nicht mehr wegzudenken. Tritt   auch als Kirchenchor auf.

Geschichts- und Kulturverein e.V.
            2007 aus dem Helferkreis des wiederbelebten
             Briedeler "Schöffenmahls" hervorgegangen.      Hauptzweck ist es, die geschichtlichen und kulturellen Initiativen zu unterstützen und mit der Durchführung  des Schöffenmals Mittel dazu zu erwirtschaften.

Heimat- und Verkehrsverein e.V.
            1921 als Verschönerungsverein aus einer Ortsgruppe   des Hunsrückvereins heraus gegründet. Bau von       Wanderwegen, Schutzhütten und dem Strandbad    sowie die allgemeine Touristenwerbung ist sein Ziel.

Jugendclub Briedel e.V.
            gegründet 1985
            2007 nach wirtschaftlichen Problemen   untergegangen.


            2015  nach einer Ruhephase wieder als Briedeler   Jugendclub e.V.  aktiviert.
            Als einer der Vorläufer kann sicherlich auch der   Sternclub bezeichnet werden,
der von 1970-1979 im   Keller der alten Zigarrenfabrik sein Domizil hatte.
https://de-de.facebook.com/briedeler.jugendclub/

Karnevalsgesellschaft Briedel e.V.
            1951 zur Zusammenfassung langjähriger und
            vielfältiger karnevalistischer Aktivitäten des Dorfes
            gegründet.
            Der Ehrenrat Briedel ist ein Anhängsel und besteht aus   den ehemaligen Elferratsmitgliedern.

http://www.karnevalsgesellschaft-briedel.de/

Kulturverein Briedeler Heck e.V.
            1986 gegründet. Ziel ist die Erhaltung der Erinnerungen an die Gründerzeit der Siedlung und Unterhaltung          der gemeinsamen Anlagen.

 LBG - Landwirtschaftliche Betriebsgenossenschaft eG
            1953 zur gemeinsamen Rodung und Bewirtschaftung
            der Äcker auf der Briedeler Heck gegründet.  Ab 2002   nur noch geschlossene Verpachtung der Mitgliederländereien.

Musikkapelle Briedel  e.V.
            1966 Gründung als Fanfarenzug Briedel
            Wiederaufnahme der musikalischen Arbeit der   eingestellten "Knebbelmusigg"

Raiffeisenverein Briedel eGmbH
            1895 auf Betreiben des Pfarrers  gegründet. Er   übernahm bereits zu Beginn seiner Tätigkeit den Bereich     Darlehnsgewährung von der Pfarrei bzw. deren  Armenstiftung. Nach mehreren Fusionen heute die Raiffeisenbank Zeller Land eG mit dem Geschäftsgebiet über die Verbandsgemeinde Zell hinaus.

http://www.rb-zellerland.de

Rockfreunde Briedel e.V.
            1986 von einigen jungen Musikenthusiasten  gegründet.
            2017 Neuaufstellung  und Generationenwechsel.
            Ziel ist die Durchführung von    Rockkonzerten in   Briedel und Verbesserung der musikalischen
            Angebote.

https://de-de.facebook.com/pages/category/Personal-Blog/Rockfreunde-Briedel-eV-525622961141736/

Tanzgruppe Briedeler Herzchen
            1980 als Jugend-Winzertanzgruppe gegründet.
http://www.tanzgruppe-briedeler-herzchen.de
              
TuS -Turn- und Sportverein  e.V.
            1921 als Turn- und Spielverein gegründet.
            Er war neben den vielfältigen sportlichen Gruppen wie   Handball, Fußball, Tischtennis,   Turnen etc. auch viele   Jahre als Veranstalter von Theaterabenden aktiv.
            Von 1968-1974 bestand auch der Club derer von der    Flasche. Es war der Fanclub der Fußballmannschaft.

 http://www.tus-briedel.de

VdK 
            als Ortsgruppe des bundesweiten Sozialverbandes  auch im Vereinsleben des Ortes tätig.

Winzerverband
            1890 als Ortsgruppe des Trierischen Bauernvereins gegründet.
            seit 1948 Ortsgruppe des Bauern- und     Winzerverbandes Rheinland-Nassau

 

Über diese organisierten Vereine hinaus gab und  gibt es noch viele kleine Gruppierungen wie Nachbarschafts- oder Freundschaftskreise,  wie z.B. den Mandolinenclub und weitere Musikgruppen etc. die sich mit den unterschiedlichsten Themen  befassen und die mit ihren Tätigkeiten für die Dorfgemeinschaft nicht mehr wegzudenken sind.

Mehrere überregional tätige Verbände sind mit kleinen, aber aktiven Ortsgruppen vertreten.

In der Zeit des Nationalsozialismus waren bekanntlich viele Vereine gleichgeschaltet bzw. zwangsaufgelöst worden. An deren Stelle traten die verschiedensten  NS-Gruppierungen wie Hitlerjugend (HJ),  Bund deutscher Mädel (BDM), Jungvolk, Jungmädelbund und NS-Frauenschaft.  Nach einem Gemeinderatsbeschluss wurden alle Jugendlichen von 10 bis 18 Jahren seitens der Gemeinde als Mitglied zur Hitlerjugend  angemeldet bzw. mussten den anderen Jugendorganisationen beitreten.

Die HJ baute im oberen Tal des Brerdelbaches einen Schießstand, um die Jugend an dem Umgang mit der Waffe zu üben. Bemühungen, im Rahmen eines Schützenvereins auch ältere Einwohner einzubinden, schlugen fehl.


 

 

 

 

 

 

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